Berlin

Retter zieht Junge beherzt aus dem zugefrorenen Malchower See

Achtjähriger Schüler war auf dünnem Eis eingebrochen

Sie wollten am Montag, so wie jeden Tag, nur spazieren gehen. Einmal um den Malchower See, zur Entspannung. „Ein Therapiespaziergang“, sagt Thomas Kindler. Er und sechs Mitstreiter leben derzeit in einem Gemeinschaftshaus von Synanon an der Dorfstraße in Malchow, nur einen Steinwurf vom See entfernt. Doch auf halber Strecke mussten sie abrupt ihre Runde abbrechen. Oliver Forster und Thomas Kindler hatten vom Uferweg aus gesehen, dass etwa 40 Meter entfernt der Kopf eines Kindes aus dem Eis ragte.

„Neben ihm halb knieend, halb hockend hielt eine Frau den Jungen am Kragen fest. In der anderen Hand hielt sie ein Handy, versuchte zu telefonieren“, schildert Thomas Kindler die Situation. Ohne zu zögern, riss er sich die Jacke vom Leib, rannte die Uferböschung hinunter auf das Eis. „Dort habe ich den Jungen zu fassen bekommen und ihn aus dem kalten Wasser gezogen“, sagt er. Bis zum Hals war der achtjährige Lucas im Wasser und drohte, unter das Eis zu geraten. „Ich hatte Glück, dass ich nicht selbst eingebrochen bin. Doch das kam mir erst später in den Sinn“, sagt der gelernte Maurer.

Lucas zitterte vor Kälteund war völlig erschöpft

Unterdessen hatte sich Oliver Forster von spielenden Kindern einen Schlitten ausgeliehen. „Einfach um im Fall der Fälle das Gewicht auf dem Eis besser verteilen zu können und nicht selber einzubrechen. Mit dem Schlitten bin ich hinter Thomas gelaufen“, sagt der 47 Jahre alte Kaufmann. Der habe den völlig erschöpften und vor Kälte zitternden Jungen an Land gebracht. Auf beiden Armen habe er ihn getragen. „Ich muss um 17 Uhr zu Hause sein“, flüsterte Lucas seinem Retter ins Ohr. Am Ufer wickelten sie den Jungen in ihre Pullover und Jacken ein. Sie legten den Zweitklässler auf eine Bank und versuchten, ihn aufzuwärmen. Die Feuerwehr brachte den Jungen in ein Krankenhaus. „Lucas ist heute morgen aus der Klinik entlassen worden“, sagt sein Vater am Dienstag. Er habe zum Glück keine Schäden davongetragen. „Ich werde mich bei den Rettern für ihr couragiertes Handeln bedanken“, sagte der erleichterte Vater.