Stadtentwicklung

1500 Wohnungen für Potsdam

Auch Potsdam wächst. 2020 könnten dort 13.000 Menschen mehr als heute leben, sagen Prognosen. Deshalb wird der Wohnungsbau angekurbelt.

Das Areal „Rote Kaserne West“ im nördlichen Bornstedter Feld gilt als eine der größten Potsdamer Flächen mit Neubaupotenzial. Doch auch die alten Gebäude aus der Kaiserzeit werden saniert und bieten attraktive Wohnungen

Das Areal „Rote Kaserne West“ im nördlichen Bornstedter Feld gilt als eine der größten Potsdamer Flächen mit Neubaupotenzial. Doch auch die alten Gebäude aus der Kaiserzeit werden saniert und bieten attraktive Wohnungen

Foto: Christian Kielmann

Potsdam.  Rund 165.000 Menschen leben heute in Potsdam, 2020 könnten es nach jüngsten Prognosen schon 178.000 sein. Flüchtlinge noch gar nicht mitgerechnet. Die brandenburgische Landeshauptstadt wächst rasant – und damit auch der Bedarf an Wohnraum. „Bis 2021 wollen wir 1500 Wohnungen errichten, davon mindestens 500 öffentlich geförderte“, sagt Horst Müller-Zinsius, Chef der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft ProPotsdam. Pläne, die ihren Preis haben. Rund 260 Millionen Euro werde man in den nächsten fünf Jahren in den Bau neuer Wohnungen investieren, rechnet Müller-Zinsius vor.

Bornstedter Feld wird neues Zuhause für 12.000 Menschen

Allein in diesem Jahr will die ProPotsdam 14,5 Millionen Euro in Neubauprojekte stecken: Für 321 Wohneinheiten sollen sich die Baukräne drehen, etwa ein Viertel davon soll zum Jahresende fertiggestellt sein. Parallel zum Neubau würden Sanierungs- und Modernisierungsprojekte weitergeführt.

Als neues innerstädtisches Wohnviertel will die ProPotsdam das alte Straßenbahngelände an der Heinrich-Mann-Allee entwickeln. Bis 2019 sollen auf dem rund 100.000 Quadratmeter großen Areal etwa 750 neue Wohnungen entstehen. Doch mit dem Baubeginn ist wohl nicht vor 2017 zu rechnen: In diesem Jahr muss für das Projekt erst einmal ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Schneller gehen könnte es auf dem Areal „Rote Kaserne West“ im nördlichen Bornstedter Feld – nach Auskunft von ProPotsdam-Geschäftsführer Bert Nicke „eine der größten Potsdamer Flächen mit Neubaupotenzial“. Im Laufe dieses Jahres wolle man Baurecht schaffen für das 12,7 Hektar große Gebiet. Der Bereich „Rote Kaserne West“ ist eines der letzten Areale auf dem bis 1994 militärisch genutzten Bornstedter Feld, für das bislang noch kein Baurecht vorliegt.

Gebaut werden Eigentums- und Mietwohnungen

Mehr als 800 Wohnungen will die ProPotsdam in dem stetig wachsenden Stadtteil am Volkspark in direkter Nachbarschaft zur Biosphäre bauen. Insgesamt sollen auf dem Bornstedter Feld einmal 12.000 Menschen ein neues Zuhause gefunden haben, in eigenen vier Wänden ebenso wie in Mietwohnungen. „Auch das Thema Nachnutzung der Biosphäre wird uns beschäftigen“, sagt ­Nicke, „ebenso werden Stadtverordnete und Öffentlichkeit die Planungen zur weiteren Bebauung des Fachhochschulgrundstückes am Alten Markt über die kommenden zwölf Monate begleiten.“

Besonderes Augenmerk wird die Wohnungsbaugesellschaft auf den Stadtteil Drewitz richten. Lange Zeit galt die Großwohnsiedlung, das letzte zu DDR-Zeiten gebaute Plattenbaugebiet, als Potsdamer Problemquartier. 2009 begann der Umbau zur Gartenstadt. Unter dem Motto „energetisch stark, energisch grün“ soll sich der Stadtteil in den nächsten Jahren zu einem klimafreundlichen, kohlendioxidfreien Wohngebiet entwickeln. Bis 2025 sollen alle 1650 Wohnungen der kommunalen Gesellschaft im Quartier saniert und der ökologische Umbau des Stadtteils abgeschlossen sein, sagt ProPotsdam-Geschaftsführer Jörn-Michael Westphal.

Mietpreise in der Heidesiedlung sollen nach der Modernisierung günstig bleiben

Als weiteren Schritt auf diesem Weg benennt er die Sanierung der sogenannten „Rolle“, eines Wohnkomplexes an der Konrad-Wolf-Allee. Der erste Bauabschnitt soll in diesem Jahr abgeschlossen sein, insgesamt werden 23,4 Millionen Euro in die Sanierung des Komplexes investiert. Auch die im Sommer 2015 begonnene Sanierung der rund 80 Wohnungen in der denkmalgeschützten Heidesiedlung in Babelsberg soll voran­gehen. Und 2,3 Millionen Euro hat die Gesellschaft für ihr Pilotprojekt Behlert-Karree veranschlagt – einer Anlage aus den 1930er-Jahren, die seit Bestehen nach Angaben der ProPotsdam nie saniert worden sei. Im Behlert-Karree werde die Nettokaltmiete für Bestandsmieter mit Wohnberechtigungsschein bei 5,80 Euro pro Quadratmeter liegen, „obwohl wir hier keine Fördermittel erhalten“, wie Jörn-Michael Westphal sagt. Bei Neuvermietung können allerdings auch 8,50 Euro fällig werden. Am günstigsten bleibt das Wohnen auch nach der Modernisierung in der Heidesiedlung – mit Quadratmeterpreisen zwischen 5,38 und 6,50 Euro.

Einen zusätzlichen Schwerpunkt mache die Unterbringung von Flüchtlingen aus. „Wir stellen aktuell 170 Wohneinheiten, die mit mindestens 350 Personen belegt sind“, sagt ProPotsdam-Sprecherin Anna Winkler. Darunter ist auch eine Wohngemeinschaft für geflüchtete Frauen und ihre Kinder an der Hegel­allee. Bisher habe man der Stadt die geforderte Wohnungsanzahl stets zur Verfügung stellen können – und hoffe, dass das auch künftig so bleibe.