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App bringt Menschen im Kiez zusammen

18.000 Nutzer in den Kiezen Berlins hat die App „Roundhere“ bereits. Die Gründer hoffen, dass es schnell noch mehr werden

Jan Tillmann ist der Mitbegründer des Start Ups Roundhere, einer App zur Vernetzung von Nachbarn

Jan Tillmann ist der Mitbegründer des Start Ups Roundhere, einer App zur Vernetzung von Nachbarn

Foto: Amin Akhtar

Sie verabreden sich, um abends ein neues italienisches Restaurant in ihrer Straße zu testen, leihen sich Leitern, Bohrmaschinen und Akkuschrauber oder geben sich Tipps, wo in der Nähe der beste Fleischer ist, bei dem auch Wild und größere Fleischteile bestellt werden können. Mit der App „Roundhere“ können sich Nachbarn im Kiez zusammentun, sich gegenseitig helfen und austauschen. Und sogar treffen.

Auf dem Logo steht der Name der kostenlosen App in Schreibschrift neben einem Megafon. Der Slogan „Dein Kiez. Deine Straße. Dein Haus“ sagt, worum es geht. 18.000 aktive Teilnehmer hat die App inzwischen in Berlin nach Auskunft der Gründer. Alle Altersgruppen sind vertreten, die 18-jährige Schülerin genauso wie die 50-jährige Kindergärtnerin.

Gestartet als Studenten-App auf dem Campus

Schwerpunkte, wo sie eingesetzt wird, sind Prenzlauer Berg, Wedding, Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg, dort insbesondere der Bergmannkiez. Die App bündelt die Posts derjenigen, die sich zusammentun, sodass jeder weiß, was gerade los ist im Kiez. Nachbarschaftshilfe geschieht dabei nicht nur virtuell, die Menschen verabreden sich dabei sogar wieder. Ohne vorher Telefonnummern auszutauschen, werden per App persönliche Chat-Nachrichten versendet, mit denen das möglich ist.

Entstanden ist die Idee als Studenten-App auf den Berliner Uni-Geländen. Schnell war jedoch klar, dass dieser Radius nicht reicht. „Wir haben sie dann ausgeweitet für die Anwendung in Nachbarschaften generell. Viele unserer Nutzer wohnen in Prenzlauer Berg und Mitte“, berichtet Jan Tillmann, einer der drei Gründer.

Die Nutzer sollen einen Mehrwert haben

Insgesamt arbeiten sechs Mitarbeiter im Team, das sein Büro an der Danziger Straße Ecke Schönhauser Allee hat. Marketing, Finanzen, Strategie und Verwaltung sind nur einige der Aufgaben, die mit solch einer App verbunden sind. Finanziert als Start-up hat auch die IBB Beteiligungsgesellschaft geholfen, dass das Unternehmen gegründet werden konnte. Als Hauptgeldgeber sind laut Tillmann zwei Berliner Technologie-Investoren, Paua Ventures und Astutia, beteiligt.

„Die Nutzer sollen einen Mehrwert haben“, beschreibt Tillmann die Aufgabe der App. Noch erwirtschafte sie keinen Gewinn. Werbung soll vermieden werden, um mit der App Geld zu verdienen. „Werbung ist das schlechteste Mittel. Wir wollen Partner finden, die unseren Nutzern einen Mehrwert bieten, von dem beide Seiten dann etwas haben“, beschreibt Tillmann das Konzept.

Nicht nur online austauschen, sondern auch treffen

Überstürzen will Tillmann jedoch nichts. Und die Nutzer sollen hauptsächlich darüber bestimmen, wofür sie ihr Geld ausgeben wollen. Theoretisch denkbar seien Projekte der Zusammenarbeit beispielsweise mit der BVG, die den App-Nutzern bei Störungen in ihrer Gegend speziell Informationen schicken könnte. Denkbar seien auch Restaurantgutscheine oder Partnerschaften mit Einzelhändlern, die den App-Nutzern aus der Nachbarschaft spezielle Angebote machen.

Im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken, bei denen sich die Nutzer meist nur online austauschen, ist diese Nachbarschafts-App darauf angelegt, dass sich die Menschen auch treffen. Sie animiert dazu, dass sich die Nachbarn kennenlernen, indem sie herausfinden, wer noch in dem Haus oder in der Umgebung wohnt.

Viele melden sich nur mit dem Vornamen an

„Die App ist ein Einstieg, sich einfach zu erreichen“, sagt Tillmann, der aus Münster stammt, in Groningen Betriebswirtschaft studiert hat und jetzt seit fünf Jahren in Berlin lebt. Es sei inzwischen normal, dass soziale Technologien auch für die direkte Kommunikation genutzt würden.

Neben den nützlichen Tipps und sozialen Kontakten chatten die Teilnehmer in den Bezirksgruppen auch über Themen wie Flüchtlingshilfe oder informieren sich schnell, wenn beispielsweise Gefahr von versteckten Rasierklingen auf einem Spielplatz droht. „Der Mensch steht im Mittelpunkt, und es geht darum, was gerade passiert“, sagt Jan Tillmann.

Die Anmeldung sei einfach, sie laufe über E-Mail und Facebook. Viele meldeten sich nur mit dem Vornamen an, Adressen seien nicht öffentlich, auch die Privatsphäre einer Hausgruppe sei geschützt. Auf Wunsch könnte auch ein Foto dazugestellt werden. Alles sei freiwillig.