Nach der Olympiabewerbung

Berlin will sich besser um seine Sportler kümmern

Nach der gescheiterten Olympiabewerbung wird die Sportpolitik neu ausgerichtet. Ein Fokus liegt auch auf dem Breitensport.

Foto: David Heerde

Berlin will seine Sportpolitik neu ausrichten. Am Freitag hat dazu Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) im Abgeordnetenhaus ein Strategiepapier vorgestellt.

Eine Neuausrichtung soll es demnach unter anderem bei der Akquise und Förderung von Sportveranstaltungen geben. Jede Veranstaltung, insbesondere große Events, soll daraufhin geprüft werden, welche Stadtrendite sie einfährt. Bislang stand vor allem bei Großereignissen im Vordergrund, die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Olympischen Komitee IOC zu stärken und die Fähigkeit der Stadt zu demonstrieren, solche Events zu stemmen - und damit die Olympiatauglichkeit Berlins unter Beweis zu stellen.

Zu den Verfassern des Papiers gehören neben Sportsenator Frank Henkel (CDU) auch die Präsidenten des Landessportbundes Berlin, Klaus Böger und von Hertha BSC, Werner Gegenbauer sowie der Sprecher der Proficlubs, Kaweh Niroomand (BR Volleys) und der Geschäftsführer von Berlin-Partner, Stefan Franzke. Anlass für den Strategiewechsel waren die Herausforderungen durch die wachsende Stadt, aber insbesondere Berlins gescheiterte Olympiabewerbung.

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Veränderungen stehen auch bei der Förderung des Spitzen- und Leistungssports an. Bislang werden 21 olympische Sportarten als Schwerpunktsportarten anerkannt. Das reicht von Basketball (Männer), Beachvolleyball und Bogenschießen über Boxen, Hockey und Fechten bis zu Gewichtheben, Kanurennsport und Wasserspringen.

Diese Sportarten sollen hinsichtlich ihrer Entwicklungsperspektiven und Erfolgsaussichten auf den Prüfstand gestellt werden. Dabei gehe es auch um die stärkere Verzahnung der sportlichen Basisarbeit mit der Spitze. Statzkowski betonte, diese Diskussion werde auf Bundesebene geführt, im DOSB, aber auch im Bundesinnenministerium. Dem müsse Berlin dann folgen.

„Unmittelbar nach der Absage des Deutschen Olympischen Sportbunds an Berlins Olympiapläne war klar, dass wir neue Pfade betreten müssen, um Berlins guten Ruf als national und international anerkannte Sportmetropole zu halten“, sagte der Staatssekretär. Zudem müsse angesichts des Bevölkerungswachstums auch die Sport-Infrastruktur erweitert werden.

Das betreffe die Sanierung und den Ausbau bestehender Anlagen, aber auch die Entwicklung neuer Sporträume, etwa in Parkanlagen. Der CDU-Politiker erklärte, das Strategiepapier enthalte „Leitplanken“, die den Rahmen und die Handlungsfelder des Sports für die nächsten Jahre umreißen sollen. Ziel sei nicht gewesen, eine detaillierte Sportentwicklungsplanung vorzulegen. Die Umsetzung werde erst noch von der Sportverwaltung „mit Unterstützung von Verantwortlichen aus Politik, Sport und Wirtschaft in Berlin“ entwickelt.

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Bei der Akquise und Durchführung von Sportgroßveranstaltungen sei Berlin deutschlandweit führend und weltweit unter den „Big Playern“, heißt es in dem Papier. Zu internationalen "Leuchttürmen" wie das UEFA Champions League Finale oder der Berlin-Marathon kämen Welt- und Europameisterschaften sowie herausragende nationale Veranstaltungen, etwa das Stadionfest ISTAF.

Die "Strahlkraft der Sportmetropole" solle auch weiterhin genutzt werden. Für die zukünftige Förderung von Veranstaltungen werde aber der Faktor Stadtrendite im Vordergrund stehen, also letztlich die Frage, was die Veranstaltung der Stadt und der Sportentwicklung in Berlin bringt. Dafür soll ein "nachvollziehbarer Kriterienkatalog" erarbeitet werden, um die Ressourcen sinnvoll einzusetzen.

Im Papier werden Eckpunkte genannt: Wichtig seien zunächst der Imagegewinn und die Vermarktungsleistung, also auch die Frage, welches Medienecho die Veranstaltung auslöst. Zweites Kriterium ist die sportliche Wertigkeit, also etwa die Frage, ob es sich um eine Meisterschaft handelt oder ob Spitzensportler teilnehmen. Eine Rolle spielt der wirtschaftliche Ertrag, insbesondere die Frage, wie viele Zuschauer oder Übernachtungsgäste die Veranstaltung anzieht. Wichtig sei auch die Vernetzung zu der Berliner Sportlandschaft. Hat die Sportart in Berliner Vereinen viele Mitglieder, gibt es hier ein grundsätzliches Interesse an dieser Disziplin? Schließlich sei auch der Beitrag der Veranstaltung zur Sportentwicklung in Berlin zu beachten, also etwa ob sie einen Effekt auf Vereine oder Sportstätten hat.

Sport stärker in die Gesellschaft verankern

Bei der Sportinfrastruktur gehe es nicht nur darum, die publikumswirksamen großen Sportstätten instand zu halten, der Fokus müsse zugleich auf den Freizeit- und Breitensport gerichtet werden, schreiben die Verfasser des Papiers. Immerhin gibt es in Berlin rund 2300 Sportvereine mit 620.000 Mitgliedern. Eine "alltagstaugliche" Infrastruktur müsse vom Land Berlin gemeinsam mit den Bezirken auf der Basis von Sportentwicklungsplanungen gewährleistet werden.

Zusätzlich sollen mit einer "Parksportstrategie" allgemein zugängliche und wohnortnahe Sport- und Bewegungsangebote etabliert werden, auch für die Entwicklung von Trendsportarten.

Um Sport und Bewegung noch stärker in der Stadtgesellschaft zu verankern, soll die Zusammenarbeit zwischen Sportvereinen und Kitas und Schulen intensiviert werden. Damit soll auch die Nachwuchsförderung für den Leistungssport verbessert werden.