Anschlag in der Türkei

Trauer und Trotz in Falkensee nach dem Terror von Istanbul

| Lesedauer: 2 Minuten
Die Falkenseer stehen nach den Anschlägen von Istanbul unter Schock. Viele kannten das getötete Ehepaar

Die Falkenseer stehen nach den Anschlägen von Istanbul unter Schock. Viele kannten das getötete Ehepaar

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Zwei der zehn deutschen Opfer kamen aus Falkensee. Angehörige des getöteten Ehepaars sagen: „Wir lassen uns das Leben nicht verbieten.“

Schwarz-rot-goldene Flaggen hängen schlaff im Nieselregen auf halbmast. Falkensee steht am Mittwoch unter Schock. Für die gutbürgerliche Stadt im Berliner Speckgürtel war Terrorismus bisher immer weit weg. Nun gibt es Todesopfer aus dem Ort.

Viele kannten hier das Rentnerpaar, das beim Selbstmordanschlag in Istanbul ums Leben kam. Die beiden 73 und 71 Jahre alten Senioren waren über Jahrzehnte im örtlichen Turn- und Sportverein stark engagiert. Ihre Schwiegertochter hat dort ein Spitzenamt.

>>>Wie die Berliner Türken auf den Terror in Istanbul reagieren<<<

„Wir waren natürlich geschockt. Es ist einfach unfassbar“, sagt die Schwiegertochter im Gespräch mit der „Märkischen Allgemeinen“. „Jetzt ist der Terror bei uns im beschaulichen Falkensee angekommen.“ Beamte des Bundeskriminalamts sollen kurz nach Mitternacht vor der Tür gestanden haben.

„Das geht mir sehr nahe“

„Wir lassen uns das Leben nicht verbieten!“, sagt die Hinterbliebene im Namen der Opfer. Ihre Schwiegereltern seien trotz der Anschläge in Ägypten vor einigen Jahren weiter in muslimische Länder gefahren. „Reisen war ihre Leidenschaft.“ Der Schwiegervater habe unbedingt in einem berühmten Hochhaus in Dubai übernachten wollen. „Das war sein Traum.“ Deswegen traten die Eheleute die Drei-Länder-Reise an. Istanbul war eigentlich nur ein Zwischenstopp.

Auch Heiko Müller, SPD-Bürgermeister der 43 000-Einwohner-Stadt kennt die Familie. „Das geht mir sehr nahe.“ Die Anteilnahme an dem schrecklichen Ereignis sei sehr groß. Viele Vereinsmitglieder drücken den Hinterbliebenen persönlich ihr Beileid aus.

>>>Terror in Istanbul: Berliner Todesopfer stammt aus Köpenick<<<

„Es tut mir sehr leid und ich bin sehr traurig“, sagt eine Frau vor dem Falkenseer Rathaus, die ihren Namen nicht nennen mag. Passant Florian Dietze-Römkes schildert: „So etwas macht Angst, weil ich beruflich viel im Ausland unterwegs bin. Es würde mich schon sehr betroffen machen, wenn am nächsten Morgen ein Kollege fehlen würde.“

„In unserer Generation macht man gerne Städtereisen und wir überlegen jetzt, solche Touren nun nicht mehr zu unternehmen“, sagt Manuela Schermutzki, die mit ihrem Mann durch den Regen eilt. „Ich war entsetzt, obwohl ich schon innerlich darauf gewartet habe, dass etwas Neues passiert. Man muss heutzutage sehr aufmerksam sein und dass man grundsätzlich überlegt, wo man hinfährt. Aber letztlich kann man so etwas nicht verhindern“, ergänzt ihr Ehemann.

( dpa )