Anschlag in der Türkei

Wie Berliner Türken auf den Terror in Istanbul reagieren

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Geschäftsmann Salis Hünkar befürchtet nach dem Anschlag von Istanbul weitere Attacken

Geschäftsmann Salis Hünkar befürchtet nach dem Anschlag von Istanbul weitere Attacken

Foto: Steffen Pletl / BM

Nach dem Anschlag, bei dem zehn deutsche Touristen getötet wurden, zeigen sich Berlins Türken gegenüber der Morgenpost entsetzt.

Die Zahl der deutschen Opfer ist am Mittwoch noch einmal gestiegen. Zehn deutsche Touristen kamen bei dem Selbstmordanschlag im beliebten Viertel Sultanahmet am Dienstag demnach ums Leben.

Unter den Toten sind auch ein Berliner aus Köpenick sowie ein Ehepaar aus Falkensee in Brandenburg. Zudem starben ein norwegischer und ein peruanischer Staatsangehöriger.

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Taxifahrer Murak zeigt sich gegenüber der Berliner Morgenpost tief betroffen von dem Anschlag in der türkischen Metropole. „Unfassbar! Ich bin erschüttert und hatte gehofft, dass derartige Attentate, bei denen wahllos getötet wird, uns nicht ereilen. Hier in Berlin fühle ich mich auch als Taxifahrer sicher“, sagt Murak, der nur seinen Vornamen lesen möchte.

Geschäftsmann Salis Hünkar zeigt sich pessimistisch. „Ehrlich gesagt, mit derartigen Attentaten muss man offenbar überall rechnen. Je mehr der IS, oder wer auch immer dahinter steckt, in die Enge getrieben wird, desto häufiger wird es zu solchen schrecklichen Anschlägen kommen“, glaubt Hünkar.

Kadir Anlaysli, 46, hat selbst viele Verwandte in Istanbul. "Der Schock sitzt noch tief", sagt der Geschäftsmann. "Es ist grausam zu wissen, dass nun auch in unserer Metropole Touristen Opfer eines sinnlosen Attentats geworden sind. Die Täter sind für mich keine Muslime, das sind menschenverachtende Terroristen."

Ein Markthändler in der Neuköllner Karl-Marx-Straße will nicht namentlich genannt werden, sagt aber: „Täglich werden in diesem sinnlosen Krieg Kinder und Frauen umgebracht. Doch wer führt den Krieg, wer ist der IS? Der Westen erfindet immer neue Namen für ein und denselben Feind - dort liegt die Ursache für Terror und Krieg.“

Bekir Yilmaz, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Berlin: "Als Türke, Deutscher, Muslim und Mensch verurteile ich den niederträchtigen Terroranschlag auf das Schärfste. Das ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt, nicht nur gegen die Türkei."

Auch Berliner Politiker mit türkischen Wurzeln trauern mit den Angehörigen der Opfer. Aziz Bozkurt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Vielfalt und Integration in der Berliner SPD: „Ich bin schockiert und traurig. Leider ist der Anschlag auch die Folge der türkischen Politik, die sich in der Vergangenheit nachgiebig gegenüber dem IS gezeigt hat. Der IS war in vielen Stadteilen mit seinen Zeichen präsent. Es gab sogar Demonstrationen, bei denen getöteten IS-Kämpfern gedacht wurde.“

Via Twitter äußerten sich die Berliner Politiker Canan Bayram und Özcan Mutlu:


Türkische Tageszeitungen kondolierten am Mittwoch ebenfalls, sie erschienen teilweise mit Schlagzeilen auf Deutsch.

( plet/tok )