Bahnprojekt

Bau des Bahnhofs Karower Kreuz verzögert sich erneut

In Berlins Norden soll ein neuer Umsteigeknoten zwischen S-Bahn und Regionalbahn entstehen. Doch die Arbeiten beginnen frühestens 2017.

Der Bau des Turmbahnhofs am Karower Kreuz verzögert sich. Eigentlich sollten die Arbeiten für die Station, an der die Fahrgäste im Berliner Norden einmal bequem von der S-Bahn auf die Regionalbahn umsteigen können, bereits 2015 starten. Nun ist ein Baubeginn für frühestens 2017 geplant.

Das geht aus einer Antwort von Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Nach Auffassung des Grünen-Verkehrsexperten Stefan Gelbhaar gibt es keinen vernünftigen Grund für die immer neuen Verzögerungen des wichtigen Infrastrukturvorhabens. „Aber das ist leider das inzwischen typische Berliner Senatstempo“, bedauert er. „Zwei Schritte vor und mindestens einer zurück“.

Idee stammt schon aus den 90er-Jahren

Die Idee für einen Turmbahnhof am Karower Kreuz stammt schon aus den 90er-Jahren. Die Station, in der Züge auf zwei Ebenen halten sollen, würde die „Stettiner Bahn“, die aus der Stadtmitte in Richtung Norden führt, mit dem Berliner Außenring verknüpfen. Vor allem die Bezirke Pankow, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg, aber auch der Berliner Fahrgastverband Igeb haben sich wiederholt für eine solche Lösung starkgemacht.

Würde sie doch völlig neue Umsteigemöglichkeiten und deutlich kürzere Fahrzeiten auf einigen Verbindungen bieten. Fahrgäste aus Pankow könnten etwa in nur zehn Minuten nach Hohenschönhausen gelangen. Auch die Fahrzeiten nach Lichtenberg oder zum Ostkreuz würden sich erheblich verkürzen.

Verlängerung der Heidekrautbahn bis Gesundbrunnen

Zudem könnte im Zuge der damit verbundenen Neugestaltung der Gleisanlagen die Regionalbahnlinie RB 27 bis nach Gesundbrunnen verlängert werden. Derzeit fährt die sogenannte Heidekrautbahn nur bis zum S-Bahnhof Karow, die letzten Meter auf S-Bahngleisen. Zehntausende Pendler aus den Umlandgemeinden Schönwalde, Wandlitz oder Groß Schönebeck hätten künftig schnellere Fahrverbindungen mit der Bahn in die Berliner Innenstadt und würden in dem Fall vielleicht ihr Auto stehen lassen. Diese umweltpolitische Überlegung ist einer der Gründe dafür, warum sich auch der Berliner Senat nach anfänglichem Zögern für den Bau eines teuren Turmbahnhofs einsetzt.

Immer wieder Verzögerungen

Trotz der vielen Befürworter hatte es in der Vergangenheit bei dem Projekt, das Teil der von der Bahn geplanten Modernisierung und des zweigleisigen Ausbaus des gut sieben Kilometer langen Streckenabschnitts Nordkreuz – Karow ist, immer wieder Verzögerungen gegeben. Mal kam die Planung nicht vom Fleck, mal setzte die Bahn in Berlin andere Prioritäten. Lange Zeit fehlte auch das Geld für das Bauvorhaben, dessen Kosten zuletzt mit 10,9 Millionen Euro angegeben wurden. 2011 wurde das 1999 gestartete Planfeststellungsverfahren zeitweilig ganz eingestellt.

Planfeststellungsbeschluss noch 2016 erwartet

Wie die Deutsche Bahn nun mitteilt, werde beim Bauvorhaben Nordkreuz – Karow (2. Baustufe) an der Genehmigungsplanung gearbeitet. Der Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung, durch das Eisenbahn-Bundesamt werde noch in diesem Jahr erwartet. Der Baubeginn für die Bauhauptleistungen ist für 2017 geplant. „In den Jahren 2017 und 2018 werden die Arbeiten im Bereich Berlin-Blankenburg betreffen. Die Arbeiten nördlich des Karower Kreuzes sind für 2018–2020 vorgesehen. Der Abschluss aller Arbeiten ist gemäß der aktuellen Terminplanung für 2021 vorgesehen“, heißt es. Auch die Finanzierung des Turmbahnhofs scheint nun geklärt. Das Vorhaben sei Bestandteil der Finanzierungsvereinbarung des Bundes mit der Bahn, heißt es jetzt.

Gemeinsamer Bahnsteig für S-Bahn und Regionalbahn

Der Bahnhof Karower Kreuz soll fünf Bahnsteige auf zwei Ebenen erhalten. An einem Bahnsteig sollen gleichzeitig Züge der S-Bahnlinie 2 (Bernau–Blankenfelde) und der Regionalbahn halten, das erleichtert das Umsteigen. Für eine weitere Option, die Verlängerung der S75 (Wartenberg-Westkreuz), werden zumindest die dafür nötigen Flächen frei gehalten. Völlig offen sind indes die Straßenanbindung und die Umfeldgestaltung der neuen Bahnstation.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.