Hochhaus in der City West

Dem "Upper West" in Berlin fehlen nur noch sieben Etagen

Das „Upper West“ am Breitscheidplatz wächst und wächst und wächst. Es fehlen nur noch sieben Etagen. Ein Rundgang über die Baustelle.

Aussicht über die City West - Baustelle Upper West

Aussicht über die City West - Baustelle Upper West

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Die Luft im 21. Stockwerk ist eisig und gefühlt noch um einiges kälter als die Minusgrade, die an diesem Morgen in der Berliner City herrschen. Die Arbeiten auf Berlins höchster Baustelle gehen dennoch weiter, wie das Dröhnen von Presslufthämmern aus den oberen Etagen verrät. Rund 200 Arbeitskräfte sorgen dafür, dass es auf der Baustelle vorwärts geht. Auch sonnabends wird gearbeitet.

„Bis minus fünf Grad kann problemlos weitergearbeitet werden, danach wird es beschwerlicher“, verrät Peter Koslowski, Bereichsleiter des Bauherrn Strabag Real Estate. Und falls die Temperaturen noch tiefer fallen, wie dies Anfang der vergangenen Woche durchgängig der Fall war, sei das auch kein Problem: „Dann konzentrieren wir uns eben auf die Innenausbau- und Fassadenarbeiten.“ Dank des milden Dezembers sei man aber ohnehin bestens im Plan.

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Mit welcher Geschwindigkeit das „Upper West“ genannte Neubauvorhaben am Breitscheidplatz derzeit in die Höhe wächst, davon können sich die Passanten in der City West längst selbst ein Bild machen. Nachdem im Februar 2013 mit den Arbeiten für die Baugrube begonnen wurde, startete im September 2014 der Hochbau. Vor knapp einem Jahr lugte der Rohbau erstmals über den 2,50 Meter hohen Bauzaun.

Im 27. Stock angekommen

Inzwischen ist das Bauwerk nicht mehr zu übersehen: „Wir sind mittlerweile bei fast 100 Metern und dem 27. Stockwerk angekommen“, sagt Architekt Christoph Langhof, der den schlanken Doppelturm zwischen Kurfürstendamm und Kantstraße entworfen hat und sich in der ersten Januarwoche von der Qualität der Bauausführung ein Bild machen will.

Sieben Etagen und knapp 20 Meter Höhenwachstum fehlen dem Gebäude noch. Dabei sind die Rohbauarbeiten noch die leichteste Übung, ergänzt Bauherrenvertreter Koslowski. „Um eine Etage zu betonieren, brauchen wir sechs Tage“, sagt er. Weitere zehn Tage dauert es, um die Etage komplett mit den weißen Fassadenelementen aus Glas und weißem Aluminium zu verkleiden. Und während das Haus oben noch gar nicht fertig ist, haben die Fassadenbauer den Turm bereits bis zur zwölften Etage in weißes Metall eingekleidet.

Die weißen Elemente in Form eines L werden eingehängt und müssen präzise gebaut sein. Architekt Langhof ist mit der Qualität zufrieden. In Deutschland gebe es etwa nur ein paar renommierte Fassadenhersteller. Die Einzelteile für das Upper West liefert die Firma Dobler Metallbau und Werkstätten GmbH aus dem bayerischen Landkreis Deggendorf. Die Fenster im Upper West haben eine Dreifachverglasung. Für frische Luft sorgen Paneelflügel, die der Hotelgast per Hand öffnen kann. Außen an den Fenstern sind Fugen. Auch sie müssen exakt sitzen. Sie werden den Sonnenschutz aufnehmen, damit sich die Räume nicht zu sehr aufheizen.

Im Frühjahr 2017 soll das Gebäude fertig sein

Hinter den Fassaden werden bereits die rohen Betonwände verputzt, Bauarbeiter transportieren schwarze Blöcke in den zehnten Stock. Hier soll nach der Fertigstellung des Gebäudes, die für das Frühjahr 2017 geplant ist, die sogenannte Frühstücksetage des Hotels entstehen. Die beeindruckende Deckenhöhe dieser Etage beträgt rund fünf Meter und ist auch von der Kantstraße beziehungsweise der Joachimsthaler Straße aus gut zu sehen, weil hier die Fenster doppelt so hoch sind wie in den übrigen Hoteletagen. Besonderer Clou der Etage: Zur Gedächtniskirche hin schließt sich eine Dachterrasse an, von der aus die Hotelgäste später einen einzigartigen Panoramablick auf eines der bedeutendsten Wahrzeichen Berlins haben. „Die schwarzen Dämmmaterialblöcke sind für den Fußboden der Terrasse bestimmt“, erläutert Koslowski.

Die Terrasse des Hotels selbst ist dabei eigentlich kein Bestandteil des Turmes mehr, sondern liegt auf dem Dach des achtgeschossigen Gebäuderiegels, der das Upper West zum Breitscheidplatz und zum Kurfürstendamm hin abschließen wird. In den unteren Etagen des Gebäudes werden später Geschäfte einziehen, in den oberen wiederum entstehen Büros. Büros werden auch die 19. bis 32. Etage des Turmes belegen. Die ersten 6000 Quadratmeter der insgesamt 25.500 Quadratmeter Bürofläche sind bereits an drei Unternehmen vermietet.

Der Hotelbetrieb mit seinen 582 Zimmern dagegen wird in der ersten bis 18. Etage des Turmes untergebracht. Pächter ist die Gruppe Motel One. Ganz oben in dem Gebäude wird es eine öffentliche Nutzung geben: Im 33. Obergeschoss entsteht eine Skybar mit einer Nutzfläche von rund 1000 Quadratmetern, die je nach Nutzungskonzept Platz für mehrere Hundert Menschen bietet. „Einen Nutzer für die Bar haben wir noch nicht“, sagt Koslowski. Diesen zu finden, dazu gebe es aber so weit vor der Fertigstellung noch genügend Zeit. Die oberste 34. Etage dagegen wird nur für eine Handvoll Menschen freigegeben: „Dort wird die Technikzentrale für das Gebäude untergebracht.“

Weniger Licht im Innenraum der Gedächtniskirche

Exakt 118,8 Meter hoch wird der Turm sein, wenn er fertig ist. Genauso hoch wie das Zoofenster gleich gegenüber, in dem sich das Waldorf Astoria befindet. Über den störungsfreien Bauablauf im Upper West freuen sich auch die Nachbarn. Anders als bei der Friedrichswerderschen Kirche in Mitte, die durch eine Nachbarbaustelle schwer beschädigt wurde, gab es in der City West keine Beschwerden. Bei der Herstellung der Baugrube mit den vier Untergeschossen, eines für den Einzelhandel und drei zum Parken, wurden besondere Schutzmaßnahmen ergriffen, um Setzungsschäden bei benachbarten Gebäuden zu verhindern.

Dass der Neubau bislang keinen Schaden angerichtet hat, bestätigt Pfarrer Martin Germer: „Wir werden über den Bauablauf gut informiert und sind froh, dass alles reibungslos und ohne Schaden für die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche verlaufen ist.“ Einen Wermutstropfen gibt es allerdings bereits jetzt. Die absehbare Verschattung sei „ja leider nicht zu ändern“. Am schönsten sei der Eindruck des Lichts in der Kirche immer gewesen, wenn die Abendsonne hinter der Christusfigur durch die Glasfassade dringt. Jetzt im Winter, wenn die Sonne tief steht, sei der Unterschied zu früher nicht so ausgeprägt. „Aber bereits im Spätsommer hatten wir dadurch weniger Licht im Kirchenraum“, berichtet Pfarrer Germer. Das Hauptproblem sei nicht der Turm, sondern das Riegelgebäude, das näher als das alte Schimmelpfeng-Haus an die Kirche herangerückt sei.

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