Ilkin Özisik

Berliner SPD-Abgeordneter tritt aus Partei und Fraktion aus

Bildungspolitiker Ilkin Özisik kehrt der Politik den Rücken. In Partei und Fraktion weint niemand dem Mann aus Moabit eine Träne nach.

Ilkin Özisik verlässt die SPD

Ilkin Özisik verlässt die SPD

Foto: SPD

Der bildungspolitische Sprecher der Berliner SPD, Ilkin Özisik, ist aus der Partei und der Fraktion ausgetreten. Das bestätigten Sprecher beider Organisationen. Der türkischstämmige Politiker vertrat den Wahlkreis 4 im Bezirk Mitte im Landesparlament, der im Wesentlichen dem Ortsteil Moabit entspricht. Zudem war er seit zehn Jahren Vorsitzender der Türkischen Sozialdemokraten in Berlin

Über die Gründe des überraschenden Austritts wurden offiziell keine Angaben gemacht. Der 43-Jährige Bildungs- und Berufsberater war selbst nicht zu erreichen.

Hintergrund des Schritts dürfte jedoch sein, dass Özisik bei der Kandidatenaufstellung im Bezirk Mitte für die Wahlen im September nicht mehr berücksichtigt wurde. Mit der Arbeit des studierten Geologen, der stolz ist auf seine Herkunft als Moabiter Arbeiterkind, waren sie sowohl in der Partei als auch in der Fraktion schon länger unzufrieden. Zudem kam jüngst im Zuge der Kandidatenaufstellung heraus, dass Özisik seine Beiträge und sonstige Abgaben an die Partei nicht ordentlich bezahlt hatte und der SPD Geld schuldet. Während die Partei die ausstehenden Mitgliedsbeiträge theoretisch noch eintreiben könnte, gibt es nach dem Austritt keinen Rechtsanspruch der SPD auf die als freiwillige Leistung geltenden weiteren Abgaben des Abgeordneten.

Auch unter den türkischstämmigen Sozialdemokraten war Özisik umstritten, weil er auch zu solchen muslimischen Gruppen Kontakt pflegte, die andere aus politischen Gründen wegen ihrer islamistischen Gesinnung eher meiden.

Während er im Parlament eher selten auffiel, schaffte es der Politiker wiederholt in die Boulevard-Presse. So soll er sich geweigert haben, Unterhalt für seine drei Kinder zu zahlen. Zudem war er bei einem Streit in einer Gaststätte in ein Handgemenge verwickelt, das die Polizei schlichten musste. Zuletzt hatte er unter zweifelhaften Umständen versucht, die Mutter des ermordeten Flüchtlingsjungen Mohamed für sich zu gewinnen und einen Hilfsfonds für sie einzurichten.

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