Winterwetter

Blitzeis: Berliner saß rund 26 Stunden im Zug fest

Wegen Schnee und Eis ist ein IC mit 600 Reisenden in Norddeich liegen geblieben. Unter ihnen der Berliner Politiker Thorsten Schatz.

Foto: imago stock&people

Eigentlich sollte ein Winterurlaub mit Erholung und Entspannung enden. Für Hunderte Zugreisende in Norddeutschland allerdings kam es anders. Kurz hinter dem ostfriesischen Norddeich waren wegen der Eiseskälte bereits am Sonntag rund 600 Menschen in einem IC der Deutschen Bahn gestrandet.

Erst nach rund 18 Stunden geht es für sie am Montagvormittag langsam voran. Für Berliner Fahrgäste ist die Reise erst nach 26 Stunden beendet.

Dazu gehört auch der Spandauer CDU-Politiker Thorsten Schatz. Sein privater Urlaub auf der Nordseeinsel Norderney ging am Sonntag zu Ende. Gegen 14.30 Uhr verließ der IC2203 den Bahnhof von Norddeich in Richtung Berlin. Gute fünfeinhalb Stunden dauert die Fahrt in die Hauptstadt - eigentlich. Doch für Schatz und seine rund 600 Mitreisenden wurde die Fahrt zur Odyssee.

Zum Glück funktioniert die Heizung

Das erste Mal strandet seine Bahn am Sonntag "auf einem Feld zwischen Emden und Norddeich", wie Schatz auf seiner Twitter-Seite schreibt. Fünfeinhalb Stunden lang bleibt der Zug an Ort und Stelle. "Es hieß, die Oberleitungen seien vereist. Etwas später lautete die Information dann, dass im Bahnhof Emden alle Gleise belegt seien, und wir deshalb nicht in den Bahnhof einfahren können", erklärt Schatz im Telefonat mit der Berliner Morgenpost am Montag. Zum Glück habe die Heizung im Zug die ganze Zeit funktioniert.

Erst eine Notlok kann den liegen gebliebenen IC abschleppen - nach Marienhafe, ein kleiner Ort, der nur rund 15 Kilometer südlich von Norddeich liegt.

Immerhin werden die Reisenden von Bahn, Feuerwehr und Rotem Kreuz mit Getränken, Kaffee und Lebensmitteln versorgt. Und ihnen wird klargemacht: Es geht am Sonntag nicht mehr weiter. Wer will, kann direkt im Zug übernachten. Für die anderen sind Pritschen in der Halle einer nahe gelegenen Fährgesellschaft verfügbar.

Minus elf Grad in Berlin - und die Züge fahren

"Informationen der Bahn gab es die meiste Zeit über leider kaum", erzählt Schatz. "Die Mitarbeiter geben sich zwar Mühe, aber auch sie wissen nur wenig darüber, wie es weitergeht." Vor allem ist für ihn unverständlich, warum der Zug bereits bei einer Temperatur von minus zwei Grad, die an der Nordsee am Sonntag herrschte, seinen Dienst aufgab. "In Berlin sind minus elf Grad. Da könnte ich eventuell noch nachvollziehen, wenn es zu technischen Schwierigkeiten kommt. Bei minus zwei Grad habe ich allerdings kein Verständnis."

Am Montagfrüh sollte es dann weitergehen. Doch auch hier funktioniert kaum etwas reibungslos. Eine Hilfslok, die den Zug abschleppen soll, kommt viel zu spät. Und muss dann unverrichteter Dinge wieder abfahren, weil es "keinen Auftrag gibt, uns abzuschleppen", wie Schatz sagt.

Als der IC dann aus eigener Kraft losfährt - und bereits Wetten abgeschlossen werden, für wie lang - erfolgt der nächste Stopp. Ein Regionalzug ist liegen geblieben und versperrt den Weg. "Unfassbar" schreibt Schatz um 9.18 Uhr auf seinem Twitter-Account. Es geht zurück nach Norddeich.

Um 10.24 Uhr am Montag dann fährt der IC2203 tatsächlich noch einmal los. Manche Reisende sind zu diesem Zeitpunkt seit 9 Uhr am Sonntag in dem Zug. Der Berliner Schatz zumindest nimmt es mit Humor. Und ist guter Dinge. "Ich hoffe, dass ich bald wieder in Berlin bin", sagt er.

Gegen 11 Uhr, fast 24 Stunden nach seinem Aufbruch am Sonntag, steigt Schatz in Emden in einen IC nach Hannover um. Doch auch hier geht das Chaos weiter. Der Zug, der mit 150 Minuten Verspätung ankommt, verlässt den Bahnhof in die falsche Richtung. Der Grund: eine Weichenstörung. Immerhin: Um kurz nach 15 Uhr kommt der Zug dann doch in Hannover an. Hier klappt dann auch das Umsteigen in Berlin.

So sind Schatz und die anderen Reisenden am frühen Abend um 17 Uhr in Berlin. Mit einer Verspätung von 26 Stunden.