Berlin

"Elefant für dich" - Trauer um Vierjährige rührt zu Tränen

Der Tod eines Mädchens aus Berlin berührt viele Menschen. Sie posten im Internet im Gedenken an die "kleine Kaiserin" Elefantenbilder.

Sie wünschen sich kein Beileid, schreibt Mareice Kaiser. Sie wollen sich lieber darüber freuen dürfen, dass „sie uns verzaubert hat und glücklich mit uns war.“ Dazu postet die Berliner Journalistin den Songtext „Ein Elefant für dich“ der Band Wir sind Helden. Und das Bild eines kleinen Mädchens. Es liegt auf dem Rücken auf einer Wiese.

Der Eintrag, den Mareice Kaiser am Donnerstag anlässlich des Todes ihrer Tochter auf ihrem Blog „Kaiserrinnenreich“ veröffentlichte, berührt die Herzen der Internetgemeinde. Etliche Bilder von Elefanten wurden über Twitter verbreitet, die Anteilnahme ist riesig. „Ich bin sprachlos, kann nicht aufhören zu weinen. Mein Elefant soll immer #einElefantfuerDich sein, und für euch“, schreibt Judith Holofernes, die Sängerin von Wir sind Helden.

In dem Lied heißt es:

"Ich werde riesengroß für dich

Ein Elefant für dich

Ich trag dich meilenweiter

Übers Land."

Als Mareice Kaiser ihre Tochter 2011 zur Welt bringt, wissen nicht einmal die Ärzte, was los ist. Die Kleine kommt sofort auf die Intensivstation, ihre Eltern sehen sie erst nach vier Stunden, „verkabelt, verquollen und beatmet“. Das Mädchen, das Kaiser in ihrem Blog nur „Kaiserin 1“ nennt, hat einen Fehler auf dem achten Chromosom. Sie ist taubblind, leidet unter der Darmerkrankung Morbus Hirschsprung und kann kaum Muskelspannung aufbauen. Sie ist mehrfach behindert. Oder, um es mit Kaisers Worten zu sagen, sogar für Spezialisten ein „außergewöhnliches Supersonderspezialkind“.

Nach Krankenhausaufenthalten bleibt der Koffer gepackt

Fortan besteht das Leben von Mareice Kaiser und ihrem Mann Thorben nur noch aus „Planänderungen“. Ein geregelter Alltag ist nicht möglich. Die Kleine wird regelmäßig von Infekten geplagt und verbringt viel Zeit im Krankenhaus. Sauerstoffabfälle, Bronchitis, Durchfall, Lungenentzündung. Antibiotika und Blutabnahmen. Nach Krankenhausaufenthalten lassen sie den Koffer immer gepackt in der Ecke stehen.

Eine echte Prognose gibt es nicht. „Wir müssen von einer schweren geistigen Behinderung ausgehen“, sagt eine Ärztin nach einem halben Jahr. Aber auch mit einem behinderten Kind kann man doch Freude haben? „Erwarten Sie lieber nichts.“ Für Kaiser eine Ohrfeige.

Seit fast zwei Jaren teilt die 34-Jährige ihre Erfahrungen über ihren Blog. Teilweise mit wissenschaftlichem Ansatz zum Thema Inklusion, meist aber direkt aus dem Leben. Mal ernsthaft, mal humorvoll. Immer aber schonungslos ehrlich. Etwa den Schmerz, wenn die Oma eines Freundes beim Anblick der Tochter ruft: „Oh Gott! Sowas gibt’s noch!?“ Den viel gehörten Satz: „Sie ist ja so eine Süße. Schade, dass sie behindert ist!“

Die ersten Stehversuche, das erste Lächeln

Nicht zu wissen, ob ihre Tochter sie eigentlich lieb hat, während die jüngere, gesunde Tochter sie mit Küssen übersät. Oder die eigene Überforderung, wie im Juni 2014, als sie denkt, es nicht mehr zu schaffen – und einen nächtlichen Pflegedienst engagiert.

Doch vor allem zeigt die gebürtige Niedersächsin, dass das Leben mit einem behinderten Kind eben doch Freude bereitet. Die ersten Stehversuche. Das erste Lächeln. Die ersten Wochen ohne Magensonde. Alle Fortschritte, die zeigen: „Ich habe Lust auf Leben, ich bin gerne hier!“ Sie habe nie aufgehört zu hoffen, schreibt Kaiser. „Ich habe aber auch schnell meine Erwartungen an die Realität angepasst.“

Am 30. Dezember ist die Tochter von Mareice Kaiser „in unseren Armen eingeschlafen und gestorben.“ Ein „zartes, starkes, punkiges, tapferes, lebensfrohes, wunderschönes Mädchen“. Sie wurde vier Jahre und zwei Monate alt.

Weiter heißt es in dem Blog: "Wir sind fassungslos und traurig – und unendlich dankbar, vier Jahre und zwei Monate mit ihr gelebt haben zu dürfen. Wir wünschen uns kein Beileid; wir möchten uns lieber darüber freuen, dass sie da war. Dass sie uns verzaubert hat und glücklich mit uns war."

Es folgt eine Welle der Anteilnahme. Zahlreiche Menschen drücken ihre Trauer aus, schicken Bilder von Elefanten, die die "kleine Kaiserin" gen Himmel tragen sollen.