Silvester in Berlin

„Was hier abgeht, das erlebt keine andere Großstadt“

Feuerwehr, Polizei und Krankenhäuser ziehen Bilanz. Die Nacht verlief insgesamt friedlich, trotz einiger Verletzungen durch Böller.

An Silvester erinnert Berlin in manchen Kiezen an ein Kriegsgebiet - Raketen explodieren auf Balkonen, illegale „Polenböller“ zerplatzen mit markerschütternden Druckwellen. „Was hier abgeht an Feuerwerk und Böllern, das erlebt keine andere Großstadt“, sagt Berlins Feuerwehrchef Wilfried Gräfling. An Neujahr patrouilliert eine verdoppelte Stadtreinigungsmannschaft durch die Straßen, um die Überreste des Raketenrauschs verschwinden zu lassen. 600 Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung mit 150 Fahrzeugen kehren Müll und die Reste von Raketen und Böllern zusammen.

Die ersten hatten schon in der Nacht zu Besen und Schaufel gegriffen und zunächst die vielbesuchten Plätze in Angriff genommen. Auch rund um die Festmeile am Brandenburger Tor wird gekehrt. Dort hatten mehrere Hunderttausend Menschen auf Deutschlands größter Silvesterparty friedlich das neue Jahr begrüßt.

Tatsächlich lief der Rutsch ins Jahr 2016 aber recht friedlich ab - gerade auch auf der Silvesterparty am Brandenburger Tor. Die Polizei verzeichnete auf der Feiermeile keine größeren Vorkommnisse. Von der Terrorwarnung in München hat dort entweder niemand etwas mitbekommen, oder sie wurde ignoriert.

21 Böllerverletzungen schon bis kurz nach Mitternacht

Die Veranstalter sowie Sicherheits- und Rettungskräfte hatten schon kurz nach Mitternacht eine positive erste Bilanz der Feier gezogen. Die Lage sei sehr ruhig gewesen, hieß es beim Deutschen Roten Kreuz. Ähnlich äußerte sich die Polizei.

Die Feuerwehr war kurz nach Mitternacht an mehr als 130 Orten in der Stadt im Einsatz, häufig um Balkonbrände zu löschen. „Drei Minuten nach 0 Uhr haben die Notrufleitungen begonnen zu glühen“, sagte ein Sprecher.

>> Silvester in Berlin in Zahlen <<

Die Ärzte im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn hatten bis kurz nach Mitternacht 21 Böllerverletzungen zu behandeln, wie Klinik-Sprecherin Angela Kijewski der Berliner Morgenpost sagte. Dabei wurden auch Finger amputiert und Gesichtsverletzungen behandelt. Unter den Patienten war auch ein zwölfjähriger Junge, dem mehrere Finger abgenommen werden mussten. Hinzu kamen Patienten, die auf glatten Straßen und Wegen ausgerutscht waren.

>>> Die Silvester-Bilanz der Krankenhäuser <<<

Für die Silvesterparty am Brandenburger Tor waren nach den Anschlägen in Paris die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Rund um die fast zwei Kilometer lange Partymeile waren mehr Polizisten unterwegs: 900 statt 750 wie im vergangenen Jahr. 600 Ordner waren auf dem Gelände im Einsatz, dessen Eingänge zwei Stunden vor Mitternacht gesperrt wurden, weil es voll war. Wie in den vergangenen Jahren galt auf der Partymeile ein Böller- und Raketenverbot. Großen Taschen und Rucksäcke durften dieses Mal nicht mitgebracht werden.

Zwölf beschädigte Autos und vier Verletzte bei Auffahrunfall: An der Martin-Luther-Straße in Schöneberg hat gegen 2 Uhr ein Audi-Fahrer mit stark überhöhter Geschwindigkeit mit voller Wucht ein vor ihm fahrendes Auto gerammt. Der Aufprall war so heftig, dass beide Fahrzeuge in Schleudern gerieten und in geparkte Autos fuhren. Insgesamt wurden bei dem Unfall zwölf Fahrzeuge stark beschädigt. Vier Personen erlitten Verletzungen, sie wurden in ein Krankenhaus gebracht. Der Fahrer des Audi flüchtete zu Fuß in unbekannte Richtung. Der Unfalldienst der Polizei hat die weiteren Ermittlungen am Unfallort übernommen.

Und so sah das Ergebnis der Chaosfahrt aus:

Zwei Menschen von U-Bahnen überrollt und getötet: In der Silvesternacht sind in Berlin zwei Menschen von U-Bahnen überrollt worden und gestorben. Es passierte nahezu zeitgleich gegen 4 Uhr am Freitagmorgen an den U-Bahnhöfen Kaulsdorf-Nord in Hellersdorf und Scharnweberstraße in Reinickendorf, wie ein Polizeisprecher sagte. In Kaulsdorf war ein 25 Jahre alter Mann verunglückt. Er erlitt schwerste Kopfverletzungen und wurde bereits tot ins Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn eingeliefert. Näheres war zunächst nicht bekannt. >>> Lesen Sie mehr

Polizistin von Feuerwerkskörper verletzt: Eine Polizistin hat in der Silvesternacht eine Brandverletzung am Arm erlitten, als sie und ihre Kollegen in Schöneberg mit Raketen beschossen wurden. Die Feuerwerkskörper wurden kurz nach Mitternacht an der Pallastraße aus einer Gruppe von rund 50 Menschen heraus abgefeuert, wie ein Polizeisprecher am Freitagmorgen sagte. Die Polizistin stand demnach an einem Einsatzwagen und wurde getroffen. Sie musste behandelt werden, war aber nicht schwer verletzt. Die Randalierer hatten zuvor eine Bushaltestelle zertrümmert, niemand wurde festgenommen. Ein Strafverfahren wegen besonders schweren Landfriedensbruchs wurde eingeleitet.

Knaller setzen Balkon in Brand: Feuerwerkskörper haben kurz nach Mitternacht den Balkon einer Wohnung an der Anklamer Straße in Mitte in Brand gesetzt. Die Feuerwehr hatte den Kleinbrand schnell unter Kontrolle. Verletzt wurde bei dem Feuer niemand.

Wohnungsbrand in der Silvesternacht in Reinickendorf

Feuerwerkskörper haben in Berlin am Eichborndamm eine Wohnung in Brand gesetzt.
Wohnungsbrand in der Silvesternacht in Reinickendorf
Thomas Schröder
Video: Thomas Schröder

Wohnung brennt: Ebenfalls durch Feuerwerkskörper ist in der Nacht gegen 1.20 Uhr eine Wohnung am Eichborndamm in Reinickendorf in Brand geraten. Die Feuerwehr war mit drei Staffeln im Einsatz und hatte die Flammen schnell unter Kontrolle. Bei dem Feuer wurde eine Person verletzt und kam in ein Krankenhaus.

Zwei Männer bei Unfall schwer verletzt: Ein mit zwei Personen besetzter BMW ist gegen Mitternacht an der Straße Alt Biesdorf in Biesdorf aus einer Kurve geschleudert worden und prallte gegen eine Laterne. Dabei wurde der 25 Jahre alte Fahrer eingeklemmt und musste von der Feuerwehr aus dem Wrack geschnitten werden. Der Mann und sein 19 Jahre alter Beifahrer erlitten schwere Verletzungen. Beide wurden mit Rettungswagen ins Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn gebracht. Der Unfalldienst hat die Ermittlungen übernommen. Glatte Straßen sollen bei dem Unfall eine Rolle gespielt haben, wie die Berliner Morgenpost erfuhr.

Mann mit Flasche niedergestochen: Ein 25-jähriger Mann ist in der Silvesternacht in Mitte mit einer abgebrochenen Flasche angegriffen und schwer verletzt worden. Er geriet zehn Minuten vor Mitternacht auf der Hugo-Preuß-Brücke vor dem Hauptbahnhof mit einem anderen Mann in einen Streit. Der Unbekannte stach daraufhin mehrmals mit dem Flaschenhals auf den 25-Jährigen ein und lief davon. Das Opfer kam mit diversen Schnitt- und Stichverletzungen in ein Krankenhaus, wo er notoperiert wurde. Der Grund für die Auseinandersetzung war zunächst unklar.


Polizeimeldungen

Verkehr

Tiergarten/ Mitte: Vollsperrung in beiden Richtungen: Straße des 17. Juni zwischen Großer Stern und Ebertstraße, Yitzhak-Rabin-Straße zwischen Scheidemannstraße und Straße des 17. Juni und Ebertstraße zwischen Behrenstraße und Scheidemannstraße. Bis 1. Januar 12 Uhr zusätzliche Sperrungen: John-Foster-Dulles-Allee, Scheidemannstraße und Dorotheenstraße (zwischen Spreeweg/Paulstraße und Wilhelmstraße), Heinrich-von-Gagern-Straße.

Wetter

Mal hält sich zäher Nebel oder Hochnebel, mal kann sich aber auch im Tagesverlauf die Sonne zeigen. Es bleibt weitgehend trocken. Die Höchsttemperaturen liegen zwischen 3 und 5 Grad. Der Wind weht schwach aus unterschiedlichen Richtungen. In der kommenden Nacht kühlt sich die Luft auf 2 bis 0 Grad ab.

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