Berlin

Jede zehnte Schulstunde fällt aus oder muss vertreten werden

Im vergangenen Schuljahr konnten an den allgemeinbildenden Schulen 10,8 Prozent der Unterrichtsstunden nicht regulär erteilt werden. Das entspricht wöchentlich 55.400 Stunden, von denen insgesamt 10.200 Stunden pro Woche komplett ausfallen mussten. Die restlichen Unterrichtseinheiten konnten durch Zusammenlegungen, Mehrarbeit oder aus dem Vertretungspool kurzfristig eingestellter Lehrkräfte vertreten werden.

Diese neuen Zahlen zum Unterrichtsausfall an den Berliner Schulen gehen aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Stefanie Remlinger hervor. In der Antwort ist die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre, aufgeschlüsselt nach Bezirken dargestellt. Dadurch wird deutlich, dass die Zahl der zur Vertretung anfallenden Stunden seit Jahren stagnieren und zuletzt sogar eher gestiegen sind.

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat mit 12,7 Prozent den höchsten Anteil der nicht regulär erteilten Stunden und damit den langjährigen Spitzenreiter Neukölln hinter sich gelassen. Obwohl Neukölln noch immer an zweiter Stelle der Negativstatistik steht, ist hier eine eher positive Tendenz zu sehen. In Neukölln konnte die Quote im Vergleich zum Vorjahr immerhin um mehr als ein Prozentpunkt gesenkt werden. Der Anteil der ausgefallenen Stunden ging auf 12,6 Prozent zurück. Auch in Spandau und Friedrichshain-Kreuzberg mussten überdurchschnittlich viele Einheiten vertreten werden oder ausfallen. Die geringste Rate hat Steglitz-Zehlendorf mit 9,2 Prozent.

Die Grundschulen und die Sonderschulen waren im Vergleich der Schularten mit zwölf Prozent am stärksten von Ausfall und Vertretung betroffen. Am niedrigsten war die Quote an den Gymnasien. Die häufigsten Gründe für die Abwesenheit des regulären Lehrers waren Krankheit, gefolgt von schulischen Veranstaltungen. In 3,4 Prozent der Fälle waren unbesetzte Lehrerstellen für den sogenannten Vertretungsanfall verantwortlich.

„Die Zahlen machen deutlich, dass wir besonders auf die Lehrerausstattung der Grundschulen achten müssen“, sagt Stefanie Remlinger. Vor allem für die Grundschulen würden ausgebildete Lehrkräfte fehlen und gerade hier seien besonders viele freie Stellen zu besetzen. Für das Schuljahr 2016/17 werden nach Angaben der Bildungsverwaltung allein durch Pensionierungen etwa 600 Stellen an Grundschulen benötigt. Hinzu kommt ein erhöhter Bedarf durch wachsende Schülerzahlen. An den Berliner Universitäten werden aber viel weniger Grundschullehrer als Oberschullehrer ausgebildet.

Erst vor einem Monat war das Volksbegehren gegen Unterrichtsausfall knapp gescheitert. Die Initiative Bildet Berlin e. V. hatte bis zum Ablauf der Frist Ende November nur 18.000 Unterschriften gesammelt. Damit wurde die erste Hürde des Volksbegehrens, für die 20.000 Unterschriften nötig gewesen wären, knapp verfehlt. In dem Gesetzesentwurf war für alle Schulen eine personelle Vertretungsreserve von zehn Prozent vorgesehen. Florian Bublys, Sprecher der Initiative, fordert die Bildungsverwaltung auf, auch ohne Volksbegehren Maßnahmen zu ergreifen, um den Ausfall zu reduzieren.

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