Flüchtlinge in Berlin

6000 neue Plätze: Senat belegt keine Turnhallen mehr

Rund um den Jahreswechsel öffnen 14 neue Flüchtlingsunterkünfte in Berlin. So soll die Belegung weiterer Sporthallen vermieden werden.

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof

Die Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Flughafen Tempelhof

Foto: Reto Klar

Berlin.  Der Berliner Senat kann rund um den Jahreswechsel 14 neue Flüchtlingsunterkünfte oder Erweiterungen in Betrieb nehmen. Damit stehen weitere 6000 Plätze zur Verfügung. Die Liste mit den Objekten liegt der Berliner Morgenpost exklusiv vor.

>> Kommentar: Raus aus den Turnhallen

Bereits mit mehr als 170 Asylbewerbern belegt ist das ehemalige C&A-Kaufhaus an der Karl-Marx-Straße in Neukölln. Dort gibt es vorerst 200 Plätze, nach weiteren Umbauarbeiten kommen dort insgesamt 600 Menschen unter. Bereits bezogen wird seit Weihnachten auch ein Hotel an der Stresemannstraße unweit des Potsdamer Platzes mit 360 Plätzen.

Hangar 7 am Flughafen Tempelhof als Reserve

Als Reserve steht der Hangar 7 auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof mit 500 Plätzen zur Verfügung. Dort zogen zudem rund 600 Flüchtlinge in den Hangar 2 um. Grund waren nach Angaben der Senatssozialverwaltung nötige Arbeiten am undichten Dach des Hangars 1, in dem die Menschen – zumeist Familien – bisher untergekommen waren.

Die Flüchtlingsunterkunft im Flughafen Tempelhof

An der Ruschestraße in Lichtenberg, auf dem einstigen Gelände der DDR-Staatssicherheit, werden die Kapazitäten von jetzt 700 auf 1100 Plätze aufgestockt. Im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf wurde bereits zu Weihnachten von 900 auf 1150 Bewohner erweitert.

Sechs Hotels werden stadtweit belegt

Zu den weiteren Objekten zählen sechs Hotels an der Ruschestraße und der Landsberger Allee in Lichtenberg, der Meinekestraße in Charlottenburg, am Rohrdamm in Siemensstadt, am Müggelheimer Damm in Köpenick sowie in Alt-Reinickendorf.

270 Plätze stehen nach dem Umzug des Krankenhauses in der ehemaligen Psychiatrieklinik am Brebacher Weg in Marzahn zur Verfügung, die ersten 60 Asylsuchenden sind dort bereits in den vergangenen Tagen eingezogen. 650 Menschen sollen in eine Eventhalle an der Paulsternstraße in Siemensstadt ziehen. Dort sind die Vertragsverhandlungen mit dem Eigentümer noch nicht abgeschlossen, einige Handwerkerarbeiten stehen ebenfalls noch aus. Sozialsenator Mario Czaja (CDU) rechnet aber damit, dass Anfang Januar alle Fragen geklärt sind.

Eine ehemalige Industriehalle an der Daimlerstraße in Marienfelde soll 400 Flüchtlinge aufnehmen, deren Asylverfahren bereits abgeschlossen sind. Eine Großunterkunft für diesen Personenkreis ist ein Novum in Berlin.

47 Turnhallen werden als Notunterkünfte genutzt

Diese Unterkünfte sollen es Berlin ermöglichen, in den kommenden Wochen auf die Belegung weiterer Sporthallen zu verzichten. In den zwölf Bezirken werden nach Angaben der Sozialverwaltung inzwischen insgesamt 47 Turnhallen als Notunterkünfte für 9700 Flüchtlinge genutzt. „Unser Ziel ist es, so schnell es geht, diese Hallen wieder freizubekommen“, sagte Senator Czaja. Diesem Ziel sei man einen großen Schritt nähergekommen.

Gemeinsam mit Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD) will Czaja den Asylsuchenden weitere Perspektiven „im Sinne einer guten und nachvollziehbaren Integration“ bieten. „Ich setze mich sehr für das Projekt ,Flüchtlinge arbeiten für Flüchtlinge‘ ein, etwa beim Catering oder bei der Instandsetzung von Unterkünften“, erklärte der CDU-Politiker am Montag. Zudem möchte er dafür sorgen, dass viel mehr Asylsuchende schneller Deutschkurse besuchen. „Optimal wäre dabei ein integriertes Angebot aus Sprachunterricht und gleichzeitiger Beschäftigung. Das heißt beispielsweise: Zwei Tage pro Woche findet ein Sprachkurs statt, drei Tage wird gearbeitet“, so Czaja. Das könnten auch auf den Beruf bezogene Sprachkurse bei der Berliner Industrie- und Handelskammer oder bei der Handwerkskammer sein.