Nahverkehr in Berlin

Die BVG kauft 47 neue Straßenbahnen für Berlin

Die BVG kauft weitere 47 moderne Flexity-Trams. Die neuen Fahrzeuge haben viele Vorteile – vor allem für ältere Fahrgäste.

Eine Flexity-Straßenbahn fährt über den Alexanderplatz

Eine Flexity-Straßenbahn fährt über den Alexanderplatz

Foto: imago/Sven Lambert

Bei der Straßenbahn gehen die Meinungen der Berliner wie bei keinem anderem Verkehrsmittel in der Stadt auseinander. Für die einen ist die Tram ein schnelles und zudem kostengünstiges Transportmittel, für die anderen eine Gefahr für Radfahrer und Fußgänger und ein dauerndes Verkehrshindernis. Beim Senat und den Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gibt es mittlerweile eine klare Position. Danach werden die Kapazitäten und das Streckennetz der Straßenbahn in den kommenden Jahren kräftig ausgebaut.

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BVG kauft weitere 47 Flexity-Straßenbahnen

Kurz vor Weihnachten erfolgte dazu im Aufsichtsrat der landeseigenen Verkehrsbetriebe eine wichtige Weichenstellung. Danach wird die BVG weitere 47 Flexity-Straßenbahnen kaufen, wie der Hersteller Bombardier Transportation mitteilte. Für 20 bereits bestellte Bahnen werde der Auftrag zudem geändert.

Statt Bahnen, die aus fünf Modulen bestehen, sollen nun siebenteilige Zweirichtungsfahrzeuge geliefert werden. Die 40 Meter langen Züge bieten bis zu 245 Sitz- und Stehplätze, sie können damit rund ein Drittel mehr Fahrgäste befördern als die 30,8 Meter langen Fünfteiler. „Auf einigen besonders gut nachgefragten Linien fahren wir schon jetzt im Fünf-Minuten-Takt und die Bahnen sind in Spitzenzeiten trotzdem sehr voll. Noch kürzere Takte machen verkehrlich keinen Sinn. Da helfen nur größere Fahrzeuge“, so Unternehmenssprecherin Petra Reetz.

„Mit der Bestellung von weiteren 47 Flexity und der Wandlung von kurzen in lange Straßenbahnen, reagiert die BVG auf die Anforderung, die sich aus der wachsenden Stadt Berlin für den öffentlichen Personennahverkehr ergeben“, wird Klaus-Dietrich Matschke, Straßenbahn-Direktor der BVG, in der Mitteilung von Bombardier zitiert. Die BVG hatte ursprünglich vier Vorserienfahrzeuge zu Testzwecken bestellt sowie 99 Straßenbahnen im Jahr 2009 und 39 weitere Fahrzeuge im Jahr 2012. Die Gesamtbestellung erhöht sich mit dem aktuellen Auftrag auf 189 Flexity-Bahnen. Erst im Sommer hatte die BVG die 100. Flexity in Dienst gestellt.

Neue Bahnen kosten 176 Millionen Euro

Der Auftragswert für den sogenannten Optionsabruf von weiteren 47 Flexity-Bahnen wird von Bombardier mit 176 Millionen Euro (190 Millionen US-Dollar) angeben, bezahlt überwiegend aus Landesmitteln. Die Mehrkosten für die 20 Siebenteiler sollen aus Mitteln bezahlt werden, die der Senat aufgrund von Zugausfällen und -verspätungen nicht an die S-Bahn ausgezahlt hat.

Mit der jüngsten Entscheidung entsprechen der Senat und die BVG auch den Forderungen des Berliner Fahrgastverbandes Igeb. Dieser hatte bereits im Mai darauf hingewiesen, dass immer mehr Menschen in der Stadt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Dadurch seien aber auch die Wagen speziell bei der U-Bahn und der Straßenbahn immer voller. Bei der Tram verschärfte sich die Situation im Sommer. Weil viele ältere Mitarbeiter die „Rente mit 63“ in Anspruch nahmen, fehlen seither Fahrerinnen und Fahrer. Als Reaktion reduzierte die BVG auf etlichen Tram-Linien ihr Angebot. „Vor diesem Hintergrund ist es äußerst wichtig, dass die BVG mehr große Straßenbahnfahrzeuge bekommt“, sagte der Igeb-Chef Christfried Tschepe.

Flexity sollen bis 2017 die alten Tatra-Bahnen ersetzen

Die Flexity-Bahnen, die in den Bombardier-Werken in Hennigsdorf (Oberhavel) und im sächsischen Bautzen montiert werden, sollen bis 2017 die noch zu DDR-Zeiten in Dienst gestellten Tatra-Straßenbahnen aus Tschechien ersetzen. Neben der veralteten Technik haben diese auch den Nachtteil, dass der Fahrgastraum nur über hohe Trittstufen erreicht werden kann. Die niederflurige Flexity ist dagegen stufenlos und auch für Menschen mit Behinderungen und Reisende mit Kinderwagen und Gepäck gut nutzbar. Die BVG will mittelfristig nur noch 20 Tatra-Bahnen als Reserve behalten.

In diesem Jahr wird die Berliner Straßenbahn knapp 200 Millionen Fahrgäste befördern, das entspricht etwa einem Fünftel aller BVG-Nutzer. Insgesamt befährt die Tram ein Gleisnetz von 190 Kilometern Länge, vor allem im Ostteil der Stadt. In den 1920er-Jahren war es mit 600 Kilometern Gleisen noch dreimal so lang. Doch das Netz soll künftig wieder stärker wachsen. Nach mehr als zehnjähriger Planungs- und Bauzeit konnte die BVG vor einem Jahr die Strecke zum Hauptbahnhof eröffnen, die inzwischen von drei Linien befahren wird.

Als nächster Schritt ist nun die Verlängerung bis zum U-Bahnhof Turmstraße geplant. Nach der Diskussion von zwei Trassen-Varianten hat sich der Senat nun für eine Linienführung über die Turmstraße entschieden. Bei dieser Variante könnten mehr Wohngebiete erschlossen werden, sagte Martin Pallgen, Sprecher von Verkehrssenator Andreas Geisel (SPD): Auch sei eine spätere Verlängerung in Richtung Westen (Mierendorffplatz) über die Turmstraße besser herzustellen. Der Senat hat die BVG mit der Planung beauftragt, einen Termin für den Beginn der Arbeiten gibt es aber noch nicht.