Offener Brief

Spandauer Flüchtlingshelfer bitten Kanzlerin um Hilfe

Flüchtlingshelfer aus Spandau suchen Rat bei Angela Merkel. Sie beklagen die Lage am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Angela Merkel hat einen Brief der Spandauer Flüchtlingshelfer erhalten.

Angela Merkel hat einen Brief der Spandauer Flüchtlingshelfer erhalten.

Foto: ERIC VIDAL / REUTERS

In ihrer Verzweiflung haben sich die freiwilligen Helfer in Spandau jetzt an höchste Stelle gewandt. In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), der bei Facebook veröffentlicht und mehr als 200 Mal geteilt wurde, schildern sie die schwierige Lage am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und bitten um Hilfe.

Ein Problem ist offenbar die Müllbeseitigung auf dem Gelände, wo jeden Tag mehrere Hundert Flüchtlinge ausharren, um ihren Asylantrag zu stellen. „Bei Wetterbedingungen wie heute steht man knöcheltief in Schlamm und Dreck“, heißt es in dem Schreiben. „Das zeigt kein gutes Bild von Deutschland!“ Auch müssten die Helfer die Versorgung der Flüchtlinge komplett privat finanzieren. „Sie gelten als die mächtigste Frau der Welt. Können Sie einen klitzekleinen Teil Ihrer Macht ausstrahlen lassen nach Spandau?“, so die Bitte.

Das BAMF befindet sich auf bundeseigenem Gelände, die Berliner Stadtreinigung (BSR) ist dort nicht zuständig. Die Reinigung übernehmen die Helfer, sie sammeln den Müll auf und stellen ihn an den Straßenrand. Die BSR, die nur drei Mal wöchentlich kommen müsste, holt ihn inzwischen täglich ab. Zudem soll die Zahl der Papierkörbe von zwei auf vier aufgestockt werden, so ein Sprecher.

Immerhin scheint das BAMF für das Gelände nun Verantwortung zu übernehmen. Möglich, dass der offene Brief die Ursache war. Den Helfern ist es egal. Denn: „Seit Montag kommt täglich eine Kehrmaschine“, sagt Martina Rüdiger, die Verfasserin des Briefes, die seit Sommer vor Ort aktiv ist. Dies sei zuvor über Wochen nicht der Fall gewesen.

Trotzdem ist die Geduld der Ehrenamtlichen langsam am Ende. Denn wie berichtet, herrschen am BAMF in Spandau ähnliche Zustände wie am Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit. Die Zahl der Antragsteller nahm in den letzten Wochen offenbar stark zu. Für die Flüchtlinge gibt es kaum Witterungsschutz. Die Versorgung der Menschen, die über Stunden im Freien vor der Behörde warten, wird ausschließlich von den Helfern übernommen. Bis zu 500 Stullen schmieren sie täglich.

„Inzwischen kommen auch Flüchtlinge aus den umliegenden Unterkünften zum Frühstück vorbei“, sagt Rüdiger. Der Verdacht: Weil der Senat den Betreibern nicht ihre Rechnungen bezahlt, wird dort an den Mahlzeiten gespart. „Wenn ein erwachsener Mann einem Mädchen den Arm wegschlägt, um ein Nutellabrot zu bekommen, sagt das schon einiges“, so Rüdiger. „Wir brauchen deshalb dringend mehr Helfer, Geld- und Sachspenden, etwa ungeöffnete Lebensmittel wie Brot und Obst, Schokocreme und Käse.“

Eine Morgenpost-Anfrage an das BAMF blieb am Mittwoch zunächst unbeantwortet.

Von ihrem Appell an Merkel erhofft sich Rüdiger mehr Unterstützung von offizieller Seite. Die 50-jährige Webentwicklerin durfte die Kanzlerin schon einmal treffen, als diese Anfang September zu Besuch in Spandau war. Es war der Termin, bei dem die berühmten Selfies mit den Flüchtlingen entstanden. Eine Frage während des fünfminütigen Gesprächs, erinnert sich Rüdiger, lautete, ob die Helfer ihre Brote auch toasten würden.