S-Bahn Berlin

So sehen die neuen S-Bahn-Züge für Berlin aus

Siemens und Stadler haben die neuen S-Bahn-Züge vorgestellt. Ab 2020 sollen die ersten zehn Bahnen im Einsatz sein.

So könnte die neue S-Bahn aussehen.

So könnte die neue S-Bahn aussehen.

Foto: Büro Staubach

Auf einmal geht alles ganz schnell: Fast dreieinhalb Jahre hat der Berliner Senat gebraucht, um darüber zu entscheiden, wer nach 2017 die Berliner S-Bahn betreibt. Nur einen Tag nach der offiziellen Vergabe des Milliardenauftrags hat der Gewinner der europaweiten Ausschreibung, die zum Bahnkonzern gehörende S-Bahn Berlin, bereits die neuen Züge bestellt. Die nächste Fahrzeuggeneration wird von einem Konsortium aus der Stadler Pankow GmbH und der Siemens AG entwickelt und gebaut.

Die beiden in Deutschland ansässigen Fahrzeughersteller setzten sich – gleichfalls in einer Ausschreibung – gegen den bisherigen S-Bahn-Lieferanten Bombardier Transportation und einen polnischen Schienenfahrzeughersteller durch. Während die Pankower Tochter der Schweizer Stadler Rail Group für Berlin bereits die neuen U-Bahn-Züge der Baureihe IK montiert, ist Siemens in der Hauptstadt noch nicht als Fahrzeuglieferant groß in Erscheinung getreten.

Unternehmen vereinbart Vertrag über 1380 neue Wagen

Peter Buchner, Geschäftsführer der S-Bahn Berlin GmbH, unterzeichnete am Dienstag nun einen Rahmenvertrag mit Stadler/Siemens über die Lieferung von insgesamt 1380 Wagen. Verbindlich bestellt sind zunächst aber nur 382 Wagen, welche die S-Bahn für die Ringbahn und drei Zubringerlinien benötigt.

Das Auftragsvolumen beläuft sich laut einer Mitteilung des Konsortiums "auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag". Undementierten Angaben zufolge sollen die 85 vierteiligen und 21 zweiteiligen Züge, die überwiegend in Berliner Werken gebaut werden sollen, rund 900 Millionen Euro kosten. Weil die Berliner S-Bahn ein technisches Unikat mit Besonderheiten ist, gibt es neue Fahrzeuge nicht "von der Stange", sie müssen komplett neu entworfen werden. Experten gehen von einer Entwicklungszeit von mindestens vier Jahren aus. Wie Stadler und Siemens mitteilen, sollen die ersten zehn Züge der neuen S-Bahn-Baureihe ab 2020 ausgeliefert werden. "Sie durchlaufen umfangreiche Tests, bevor sie in den regulären Fahrgastbetrieb gehen – so sollen mögliche Erkenntnisse aus dem Betrieb in Berlin in die Serie mit eingebracht werden", sagte Ulf Braker, Geschäftsführer der Stadler Pankow GmbH.

Nach Angaben der S-Bahn werden die ersten Züge auf der Linie S47 eingesetzt, die Spindlersfeld in Köpenick mit der Ringbahn-Station Hermannstraße in Neukölln verbindet. "Eine solche kurze Linie ist für den Testbetrieb besonders gut geeignet", sagte S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. Die Nutzer der übrigen S-Bahn-Linien werden dann noch bis 2021 warten müssen, bis sie die neuen Züge testen können. Der neue, jetzt zwischen den Ländern Berlin und Brandenburg geschlossene Verkehrsvertrag mit der S-Bahn sieht eine schrittweise Betriebsaufnahme ab 1. Januar 2021 vor, die bis zum Dezember 2023 abgeschlossen werden soll. Bis dahin darf die S-Bahn ihre alten, in den 80er-Jahren für die Westberliner BVG (Baureihe 480) sowie für die DDR-Reichsbahn (Baureihe 485) entwickelten Züge einsetzen.

Alte Züge werden nochmals ertüchtigt

150 Doppelwagen gibt es von beiden Baureihen noch. Damit die Oldtimer überhaupt so lange fahren dürfen, müssen sie technisch "ertüchtigt" und neu zugelassen werden. Die Kosten betragen laut Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler rund 150 Millionen Euro, rund 137 Millionen Euro davon muss das Land Berlin aufbringen. Eine entsprechende Übergangsvereinbarung, von Gaebler als "Interimsvertrag I" bezeichnet, wird derzeit mit der Deutschen Bahn abschließend verhandelt und soll Mitte 2016 unterzeichnet werden. Mit dieser Vereinbarung sollen alle anderen Fragen des S-Bahn-Betriebs auf der Ringbahn ab dem 15. Dezember 2017 bis zur gestaffelten Betriebsaufnahme mit Neubaufahrzeuge im Teilnetz "Ring" am 1. Januar 2021 geregelt werden.

Ein zweiter Übergangsvertrag beinhaltet den Weiterbetrieb der Teilnetze "Stadtbahn" und "Nord-Süd" der S-Bahn nach dem Dezember 2017. Beide Teilnetze müssen nach EU-Bestimmungen gleichfalls europaweit ausgeschrieben oder an ein landeseigenes Unternehmen vergeben werden. Bislang tendiert der Senat zu einem neuerlichen Vergabeverfahren. Der Zeitplan sieht eine Ankündigung im EU-Amtsblatt in der ersten Jahreshälfte 2016 vor. Die Ausschreibung selbst könnte dann frühestens ein Jahr später, also nicht vor Mitte 2017 starten. Bereits 2018 könnte der Zuschlag für den Auftrag erteilt werden. Das wäre dreimal so schnell wie bei der ersten Ausschreibung.

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Das neue Design im Überblick

  • Die Züge sind weiterhin gelb-rot.
  • Eine neue Antriebs- und Steuerungstechnik soll die Fahrzeige effizienter und leiser machen.
  • Der Innenraum ist größer gestaltet - Fahrgäste können durch alle Wagen laufen.
  • Zum ersten Mal in Berlin werden die Fahrzeuge mit einer Klimaanlage ausgestattet.
  • Es wird Rollstuhlplätze in unmittelbarer Nähe zum Fahrer geben.
  • Die Sitze sind, wie in S-Bahnen üblich, fast ausschließlich vis-à-vis angeordnet.
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