Wahlen

Gideon Joffe durch Wahlen in der Jüdischen Gemeinde gestärkt

Die Liste des Vorsitzenden erhält Mehrheit in der Gemeindeversammlung. Kritiker sprechen jedoch von Manipulationen bei den Briefwählern.

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Gideon Joffe, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin

Foto: Amin Akhtar

In der zerstrittenen Jüdischen Gemeinde zu Berlin scheint der Vorsitzende Gideon Joffe die Oberhand zu behalten. Bei den Wahlen zur Repräsentantenversammlung (RV) am Sonntag ging nach einer Mitteilung der Gemeinde Joffes Liste Koach (Kraft) als Sieger hervor. Sie wird nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis in der 21-köpfigen RV 13 Sitze haben. Das oppositionelle Bündnis Emet (Wahrheit) um den Herausforderer Sergey Lagodinsky wird acht Vertreter entsenden.

Auch persönlich ist nach der Mitteilung des Wahlausschusses der Vorsitzende Joffe seinem Kritiker voraus. Joffe erhielt 1629 Stimmen, für Lagodinsky votierten 1542 Wahlberechtigte. Die Wahlbeteiligung gab die Gemeindeverwaltung nicht bekannt.

Kritiker warnen vor Spaltung der Gemeinde

Mit rund 10.000 Mitgliedern ist die Jüdische Gemeinde zu Berlin die größte in Deutschland. Doch seit Jahren gibt es Konflikte. Gegner werfen dem Vorsitzenden Intransparenz und diktatorischen Führungsstil vor. Sie warnen vor einer Spaltung. Viele Mitglieder drohen mit Austritt oder haben die Gemeinde verlassen.

Voraussichtlich im Januar wird die Repräsentantenversammlung tagen und einen neuen Vorstand wählen. Nach den nun bekannt gegebenen Mehrheiten hat der 43-jährige Unternehmensberater Joffe gute Chancen, zum dritten Mal als Vorsitzender bestätigt zu werden. Doch ein Ende des Streits ist nicht zu erwarten.

Unterschiedliches Abstimmungsverhalten

Vertreter der Liste Emet sprechen von Unregelmäßigkeiten. Im RBB bezweifelte Mike Delberg am Montag, „dass die Briefwahl koscher gewesen ist“. Von den Briefwählern hätten rund 80 Prozent für die Liste Koach um Joffe gestimmt. Bei der Urnenwahl hingegen hätten zwei Drittel ihre Stimme für die Liste Emet um den 40-jährigen Rechtsanwalt Lagodinsky abgegeben. Es gebe Hinweise, dass Einfluss auf Briefwähler genommen worden sei. Auch eine zweifelhafte Extra-Urne sei gefunden worden. „Wir behalten es uns vor, hier weitere Schritte einzuleiten“, teilte Lagodinsky am Montag mit.

Joffe hatte Vorwürfe der Beeinflussung bereits vor der Wahl zurückgewiesen. „Das sind bösartige Unterstellungen“, sagte er der Berliner Morgenpost.