Flüchtlinge

Ich will Flüchtlingen helfen, aber ich weiß nicht, wie

Viele Menschen wollen den Flüchtlingen in Berlin helfen. Hier ein Leitfaden für alle, die sich ehrenamtlich engagieren möchten.

 Freiwillige Helfer der Initiative Moabit Hilft

Freiwillige Helfer der Initiative Moabit Hilft

Foto: Rundfunk Berlin-Brandenburg

Ich will helfen

Bei Thema Hilfe und Ehrenamt gilt leider häufig: Gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Gut, dass Sie sich vorab informieren wollen. Für Unentschlossene hat die Berliner Flüchtlingshilfe einige Möglichkeiten zur Unterstützung übersichtlich dargestellt. Detailliertere Informationen bietet etwa die Stiftung Warentest. Auch der Verein PROASYL gibt hilfreiche Tipps und Materialhinweise. Auf den Seiten des Berliner Flüchtlingsrates findet sich eine gut sortierte Linksammlung. Auch der Verein „Be an angel“ koordiniert Helfer und Initiativen.

Ich will direkt und persönlich helfen

Sie wollen die Menschen, denen Sie helfen, kennenlernen? Das ist großartig. Besser, als auf eigene Faust in die nächste Notunterkunft zu gehen, ist es aber, die zahlreichen bereits in die Flüchtlingshilfe involvierten Bürgerinitiativen, Wohlfahrtsverbände und anderen Träger zu kontaktieren. Sie koordinieren die Hilfseinsätze und wissen, was und wer wann und wo gebraucht wird. Neben Wohlfahrtsverbänden wie der Caritas oder der Arbeiterwohlfahrt engagieren sich Freiwillige in einer Vielzahl größerer und kleinerer Gruppen, Vereine und Initiativen. Eine gute Übersicht über verschiedene Projekte hat die Landesfreiwilligenagentur zusammengestellt, im offiziellen Berliner Stadtportal kann man auch auf einer interaktiven Karte die nächstgelegene Initiative suchen. So schnell wie möglich für die nächste Schicht eintragen können Sie sich über die Bedarfslisten der Notunterkünfte oder über die Seite „Volunteer Planner“.

So vielfältig wie die Bedürfnisse und Interessen der "Neuberliner" sind auch die Einsatzmöglichkeiten für Sie als Helfer. Begleitung und Dolmetschen bei Ämtergängen, Übersetzungshilfe und Kleidersortierung sind nur ein Bruchteil des Hilfsspektrums. Sie können eine Einzelvormundschaft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übernehmen oder den Menschen ihre oft im Überfluss vorhandene Freizeit als Kulturbuddy mit Museumsbesuchen und anderen gemeinsamen Unternehmungen versüßen. Damit aus den Begegnungen ein vielleicht sogar freundschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe werden kann, stellt der Verein „Start with a friend“ Kontakte zwischen Alt- und Neuberlinern her.

Für ehrenamtliche Mediziner hat die Missio Würzburg ein Service-Tool erarbeitet.

Und damit es auch mit der Verständigung klappt: Hier können kostenlose Sprachführer heruntergeladen werden, etwa in Arabisch, Kurdisch, Paschto oder Romani.

Ich will Wohnraum zur Verfügung stellen

Die Massenunterkünfte sind voll, und das Land Berlin sucht weiterhin nach Unterbringungsmöglichkeiten in Privathaushalten. Wenn Sie Wohnraum an Asylsuchende vermieten wollen, wenden Sie sich an das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk, das in Berlin mit der Vermittlung von Privatunterkünften betraut ist. Ebenso können Sie sich auch auf dem WG-Portal Flüchtlinge willkommen registrieren oder ihre Unterkunft auf „Place4refugees“ oder „Zuhause“ melden. Auch ein Schlafplatz für wenige Nächte hilft, die Lage vor dem LAGeSo ein wenig zu entspannen. Wenn Sie einen anbieten möchten, schreiben Sie eine Mail an schlafplatzorga@gmail.com.

Ich will etwas spenden

Wer gezwungen ist, seine Heimat zu verlassen, kann meist nur das Nötigste mitnehmen. Umso wichtiger sind Sach- und Geldspenden. Alle Berliner Notunterkünfte bitten inständig darum, nicht ungefragt mit Kleidertüten vorbeizukommen. Viel nötiger werden oft Windeln, SIM-Karten oder Kosmetika gebraucht.

Die aktuell gehaltenen Bedarfslisten einzelner Unterkünfte, nach Bezirk geordnet, hat das Netzwerk „Berlin hilft“ zusammengestellt, das Netzwerk „Moabit hilft“ listet auch auf, was vor dem LAGeSo gebraucht wird. Via Kartenfunktion kann man auf HelpHelp2 die Bedarfslisten einiger Unterkünfte abfragen, diese Anwendung gibt es auch als App für unterwegs.

Sind Sie öfters Gästelisten-Gast in Clubs oder auf Konzerten, können Sie, falls der Veranstalter an der Kampagne „Plus1“ teilnimmt, auf diesem Weg ein wenig Geld spenden.

Wie bin als Helfer rechtlich abgesichert?

Auch bei ehrenamtlicher Tätigkeit kann es passieren, dass Sie, jemand anderes oder ein Gegenstand zu Schaden kommen. Sind Sie über einen Träger oder Verein wie die Caritas, das Deutsche Rote Kreuz oder das Land Berlin freiwillig aktiv, greift in solchen Fällen die Unfall- bzw. Haftpflichtversicherung der Organisation. Für ungebundene Helfer hingegen, die auf eigene Faust oder in einem kleinen, losen Netzwerk ohne Vereinsstatus tätig sind, springt eine pauschale Auffangversicherung des Landes Berlin ein. Diese gilt nachrangig, das bedeutet: Sie zahlt, wenn sonst keiner zahlt, also keine private Haftpflicht- oder Unfallversicherung. Einzige Bedingung: Man muss zum Unfallzeitpunkt „für das Gemeinwohl tätig“ gewesen sein, es sind aber auch die direkten Hin- und Heimwege eingeschlossen. Detaillierte Informationen zum Versicherungsschutz für Ehrenamtliche hat die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales zusammengestellt, ebenso wie dieses Faltblatt.

Kann ich mich für mein Ehrenamt von der Arbeit freistellen lassen?

Das geht nur in Ausnahmefällen, etwa unter bestimmten Voraussetzungen für Mitarbeiter der Freiwilligen Feuerwehr oder des Technischen Hilfswerk. Normalerweise müssen Sie sich für ihre ehrenamtliche Tätigkeit freinehmen. Doch es lohnt sich trotzdem, den Arbeitgeber zu fragen. Viele Chefs schätzen ein soziales Engagement ihrer Mitarbeiter.

Ich will mich aussprechen.

Die Arbeit mit geflüchteten und traumatisierten Menschen kann psychisch sehr belastend sein. Leider gibt es speziell für Helfer in der aktuellen Flüchtlingskrise noch keine eigenen fachlich ausgebildeten Ansprechpartner, die Caritas baut eine solche Supervision aber gerade auf. Wie dringend eine solche Anlaufstelle benötigt wird, bestätigt eine Helferin des Netzwerkes „Moabit hilft“: „Wir haben niemanden, an den wir uns professionell wenden können. Aber wir brauchen dies ganz dringend.“

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