Berlin

So erleben muslimische Kinder die Adventszeit

Sie laufen durch die Stadt, riesige Girlanden zieren das Einkaufszen- trum, die Schaufenster sind festlich geschmückt, die Geschäfte locken mit unzähligen Angeboten. Aus den Lautsprechern ertönen Glöckchen und heitere Melodien. Leute mit prall gefüllten Tüten kommen ihnen entgegen. An der Hand laufen Kinder, eingehüllt in Winterjacken. Der köstliche Geruch von gebrannten Mandeln zieht durch die Luft. Alle scheinen glücklich, alle scheinen froh, denn es ist Weihnachtszeit. Auch wer nicht Christ ist, wird sie spüren, die Weihnachtsstimmung überall. Es sind nur noch wenige Tage bis Heiligabend.

Doch wie erleben eigentlich die vielen Menschen, die keinen christlichen Glauben haben, in einer multikulturellen Stadt wie Berlin Adventszeit und Weihnachten?

Während die Christin Jessica (13) mit ihrer Familie ein „volles Programm mit einem Besuch in der Kirche und einem großen Weihnachtsessen“ plant, ist Setenay (13) kein bisschen in Feststimmung. Für sie als Muslimin sind die Weihnachtstage eben „ganz normale Tage, wie alle anderen auch“. Das ist nicht in allen muslimischen Familien so. Sie erzählt von einer muslimischen Freundin, die einen Adventskalender bekommen hat.

Als wir Setenay fragen, ob es in ihrer Religion ein Fest gibt, das eine ähnliche Bedeutung hat wie das Weihnachtsfest für die Christen, antwortet sie, das sei das Opferfest. Es dauere vier Tage und werde abhängig vom islamischen Mondkalender gefeiert.

Das Opferfest wird wegen des Propheten Ibrahim gefeiert, da dieser nach muslimischer Überlieferung mit seinem Sohn Ismail die göttliche Probe bestanden und Opferbereitschaft gezeigt hat. Zur Feier dieses Festes versammeln sich die Muslime meist im Kreis ihrer Familie. Auch dieses Fest sei – wie Weihnachten für die Christen – ein Fest der Freude, sagt Setenay. Nur ohne Geschenke und Tannenbaum.

Marie-Luise Fritz &
Anastasia Kromm
, Klasse 8.1,
Lilienthal-Gymnasium, Lichterfelde