Prozess

Tödliche Schlägerei im Obdachlosenheim

Ein Moabiter Schwurgericht verurteilt einen 41-Jährigen zu viereinhalb Jahren Haft, nachdem er einen Landsmann erschlug

Ein Moabiter Schwurgericht hat am Montag einen 41-jährigen Mann wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

Die Tat hatte sich in der Nacht zum 12. Mai dieses Jahres in einem Obdachlosenheim in Hellersdorf abgespielt. Den Ermittlungen zufolge hatten sich Täter und Opfer am Abend des 11. Mai zunächst vor einem Supermarkt getroffen und schon dort gemeinsam Alkohol getrunken. Anschließend wurde das Gelage in einem Zimmer des nur wenige Meter entfernten Obdachlosenheimes fortgeführt.

Der aus Usbekistan stammende Angeklagte Vladimir G. hatte schon bei der Polizei und später auch vor dem Schwurgericht ausgesagt, dass er mit dem 63-jährigen Jewgeni J. in Streit geraten sei. Es sei zunächst zu einem Gerangel gekommen. Als sich die Gemüter vermeintlich schon wieder beruhigt hatten, sei der Konflikt erneut ausgebrochen und in einer handfesten Schlägerei ausgeartet. Dabei habe er den körperlich weit unterlegenen, sturzbetrunkenen Jewgeni J. drei Mal mit der Faust geschlagen. Anschließend habe er den bewusstlosen Widersacher auf eine Gemeinschaftstoilette des Obdachlosenheimes geschleppt. Dort verstarb das Opfer wenig später. Ein Zeuge fand am nächsten Morgen die Leiche des erschlagenen Mannes.

Eine Gerichtsmedizinerin ging vor Gericht davon aus, dass Vladimir G. mehr als drei Mal und mit großer Wucht geschlagen haben muss. Sie sprach von einer „massiven stumpfen Gewalteinwirkung“. Jewgeni J. erlitt unter anderen einen Bruch der linken Augenhöhle und der Nase, außerdem hatte er Blutungen im Gehirn, die mit hoher Wahrscheinlichkeit seinen Tod verursachten.

Richter Ralph Ehestädt sagte bei der Urteilsbegründung, dass dem Angeklagten, der zur Tatzeit ebenfalls stark angetrunken gewesen sein, eine verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt werden müssen. Es handele sich jedoch nicht um eine Tat im Vollrausch, weil Vladimir G. trinkgewohnt sei. Auch zeige der Versuch, die Leiche zu verstecken, dass der Angeklagte durchaus noch in der Lage gewesen sei, nach der Tat seine Handlungen zu steuern.

Eine Unterbringung des alkoholkranken Angeklagten in eine Entziehungsanstalt schloss das Schwurgericht aus. Vladimir G., der schon seit zehn Jahren in Deutschland lebt, könne noch immer kaum Deutsch reden, so Richter Ehestädt. Das mache eine konstruktive Zusammenarbeit mit Therapeuten unmöglich. Die Staatsanwaltschaft hatte für Vladimir G. eine Freiheitsstrafe von sechseinhalb Jahren beantragt.