Kreuzberg

Bezirk will Haus kaufen, um Wrangelkiez-Mieter zu schützen

Ein Haus im Wrangelkiez sollte an einen Investor aus Luxemburg gehen. Das will der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verhindern.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kauft das Haus an der Wrangelstraße

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kauft das Haus an der Wrangelstraße

Foto: Frank Lehmann / BM

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat erstmals von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch gemacht, um Mieter vor Verdrängung zu schützen. Auf Grundlage der Milieuschutzverordnung kauft das Bezirksamt den Komplex Wrangelstraße 66 zugunsten Dritter. In einem bisher einmaligen Kooperationsmodell soll die Immobilie mit 30 Wohnungen direkt von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag und einer Stiftung, die namentlich noch nicht genannt wird, übernommen werden.

Bewohner zahlen günstige Quadratmeterpreise

Seit Juli waren die Mieter darüber informiert, dass das Gebäude im Kreuzberger Wrangelkiez, in dem überwiegend vermietete Eigentumswohnungen sind, im ganzen an einen Investor aus Luxemburg veräußert werden soll. Bisher zahlen dort alle Bewohner günstige Quadratmeterpreise im Rahmen des Mietspiegels. "Durch den geplanten Verkauf aller Wohnungen bestand der dringende Verdacht, dass das Gebäude zum Objekt der Spekulation wird", so Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) am Montag.

Die Mieter hatten sich gegen den Verkauf engagiert. "Das war für uns eine tickende Uhr, wir hätten täglich mit Eigenbedarfskündigungen rechnen müssen", sagte Joachim Knecht (51), der seit 28 Jahren in dem Haus lebt, der Berliner Morgenpost. Den Vorstoß der Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) für den Ankauf hatten auch andere Fraktionen unterstützt.

Grüne: Formale und finanzielle Hürden müssen vom Land abgebaut werden

Julian Schwarze, Mitglied im Fraktionsvorstand der Grünen in der BVV, spricht von einem wichtigen Präzedenzfall. "Der strategische Einsatz des Vorkaufsrechts muss zum Regelfall werden, um preiswerten Wohnraum zu erhalten", so Schwarze. Weil die Bezirke keinen finanziellen Spielraum hätten, müssten formale und finanzielle Hürden vom Land abgebaut werden. Das Haus Wrangelstraße 66 soll allein 3,7 Millionen Euro kosten. Erst durch die Partnerschaft mit Gewobag und Stiftung konnte der Bezirk es sich leisten, das Vorkaufsrecht auszuüben.

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