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Zerfall der Berliner Piratenpartei: Delius tritt aus

Delius will sich nicht "für das Gebaren von Piraten rechtfertigen“ - und veröffentlicht ein Bild seines zerschnittenen Parteiausweises.

Martin Delius verlässt die „Piraten“

Martin Delius verlässt die „Piraten“

Foto: Britta Pedersen / dpa

Martin Delius verlässt die Piratenpartei. Der Berliner Politiker veröffentlichte am Montagnachmittag ein Foto eines durchtrennten Mitgliedsausweises und zudem eine Begründung für seinen Austritt: „Ich habe keine Lust mehr mich für das Gebaren von #piraten zu rechtfertigen. Das ist nicht mehr zum aushalten.“

Auf Glückwunsch-Bekundungen antwortete er: „Draußen ist schöner“.

Weiter kommentieren wollte Delius, der sich als Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses einen Namen gemacht hat, seinen Austritt zunächst nicht. Es stehe schließlich „alles im Tweet“.

Später am Nachmittag antwortete er dann auf Rückfragen: "Ich bin ausgetreten".

Es gebe keinen aktuellen Anlass oder Streit mit der Partei, sagte Delius der Deutschen Presse-Agentur. „Ich hatte einfach die Faxen dicke.“

Christopher Lauer, bis 2014 prominentes Mitglied der Piratenpartei und Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, kommentierte den Tweet am Mittwochnachmitag mit den Worten: "Endlich! Sehr gut!"

Delius ist einer der bekanntesten Köpfe der Piratenpartei. Er hat sich nicht nur als Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus einen Namen gemacht, sondern auch als Vorsitzender des Untersuchungsausschusses zum Debakel am Hauptstadtflughafen. In der Fraktion bleibe er aktiv, betonte Delius. Anders als bei der Partei habe er hier „politisch überhaupt keinen Grund, diese Fraktion zu verlassen“. Er betonte: „Da gibt es keinen inhaltlichen Dissens.“

Zerfall bei Berliner Piraten schreitet voran

Bereits vor einigen Wochen hatte Delius angekündigt, bei der Wahl im kommenden September nicht mehr kandidieren zu wollen. Die Umfragewerte der Piraten deuten allerdings auch darauf hin, dass die junge Partei kein zweites Mal ins Berliner Landesparlament einziehen wird.

Mit Delius Austritt schreitet der Zerfall der Berliner Piratenpartei weiter voran. Im vergangenen Herbst waren bereits der damalige Landesvorsitzende Christopher Lauer, Ex-Fraktionschef Oliver Höfinghoff und der Abgeordnete Simon Weiß ausgetreten. Inzwischen ist nur noch etwa die Hälfte der 15 Abgeordneten auch Parteimitglied. Immer wieder offenbaren sich Streits. Zuletzt hatte sich Lauer während der Abgeordnetenhausdebatte am vergangenen Donnerstag öffentlich über das Abstimmungsverfahren einiger Fraktionskollegen aufgeregt und vom Wählen der Piraten abgeraten.

Im Oktober hatten bereits die ehemaligen Bundesvorsitzenden der Piraten, Bernd Schlömer und Sebastian Nerz, ihrer Partei den Rücken gekehrt. Sie traten in die FDP ein. Delius hatte kürzlich in einem Interview ausgeschlossen, demnächst in einer anderen Partei politisch zu arbeiten.

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