Energiewende

Windenergie: Berlin ist auf dem Niveau von Pfarrkirchen

Berlin nimmt in diesem Jahr fünf neue Windräder in Betriebe - viel zu wenig, kritisieren die Grünen. Der Senat verschlafe die Entwicklung.

Foto: Daniel Reinhardt / dpa

Berlin will Vorreiter bei der Energiewende sein – seit 2007 steigen die Kohlendioxidemissionen aber wieder. Nach der letzten Auswertung stößt Berlin pro Jahr 19 Millionen Tonnen umweltschädliches Kohlendioxid aus. Das muss sich aus Sicht der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus ändern. „Es geht darum, die 3,3 Milliarden Euro, die jährlich in Berlin für Kohle, Öl und Gas ausgegeben werden, in die regionale Wertschöpfung umzuleiten“, sagt der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Michael Schäfer. „Von der Umstellung auf erneuerbare Energien würde vor allem das Handwerk profitieren.“ Die Installation und Wartung von Solaranlagen, aber auch Investitionen in Elektromobilität würden der regionalen Wirtschaft zugutekommen.

Doch Berlin sei dabei, die Entwicklung zu verschlafen, kritisiert Schäfer. Das für 2012 angekündigte Energiewendegesetz sei vom Senat mit dreijähriger Verspätung vorgelegt worden und verpflichte lediglich kommende Regierungen, Schritte zur Energiewende einzuleiten. Verabschiedet ist es noch nicht.

Vor allem die Abschaltung der Kohlekraftwerke in Berlin könnte einen großen Beitrag zur Senkung der Schadstoffe beitragen. Derzeit entstehen 3,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch Steinkohle und 1,5 Mio Tonnen durch Braunkohle. „Würde die Energie zur Hälfte durch Erdgas und zur anderen Hälfte durch Einsparung, Effizienz und Erneuerbare ersetzt, so verblieben von den heute insgesamt 4,9 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß durch Kohle noch 1,1 Mio Tonnen“, sagt Schäfer.

Aber auch der Ausbau der erneuerbaren Energien in Berlin verläuft nach Ansicht der Grünen schleppend. Das Stadtwerk ist in seinen Möglichkeiten stark eingeschränkt. In diesem Jahr soll das Stadtwerk fünf neue Windräder in Betrieb nehmen. „Damit befindet sich Berlin auf dem Niveau von Pfarrkirchen in Bayern. Die Bedeutung des Stadtwerks muss drastisch ausgeweitet werden“, fordert Schäfer.

Zumal die Enquete-Kommission zur Zukunft der Energiewirtschaft in Berlin parteiübergreifend den Ausbau des Stadtwerks als zentralen Schritt zur Bewältigung der Energiewende in Berlin empfohlen hat. So könnten 40 Prozent des Kohlendioxidausstosses bis 2030 eingespart werden.