Vattenfall-Pläne

Riesen-Tauchsieder sollen Energiewende in Berlin bringen

Der Senat verhandelt mit Energiekonzernen um eine Partnerschaft für die Energiewende. Jetzt legt Vattenfall seine Pläne offen.

Windkraft statt Braunkohle:  Vattenfall will mit Windrädern für Erwämung von Wasserspeichern sorgen

Windkraft statt Braunkohle: Vattenfall will mit Windrädern für Erwämung von Wasserspeichern sorgen

Foto: Patrick Pleul / dpa

Vattenfall möchte Berlin zur größten Batterie Deutschlands machen. Unter dieses eher untechnische Motto hat der Energiekonzern sein Angebot an das Land gestellt, um industrieller Partner der Hauptstadt bei der Umsetzung der Energiewende zu werden. Vereinfacht gesagt könnte Berlin mit vielleicht 30 riesigen Heißwasserspeichern die Fernwärmeversorgung der Stadt in den nächsten 20 bis 30 Jahren auf erneuerbare Energien umstellen. Den Ausstieg aus der Kohle hält Vattenfall spätestens für 2035 für machbar, eventuell noch einige Jahre früher.

Wie in überdimensionierten Tauchsiedern wird in solchen Anlagen Wasser mit billigem Windstrom erwärmt. So wird das Problem angegangen, dass zu bestimmten Zeiten mehr Strom vorhanden ist, als benötigt wird. Die Technologie sei vorhanden und müsse nur in großem Stil angewendet werden, so Vattenfall, das bereits eine kleinere Anlage dieser Art in Neukölln errichtet hat.

Eine Metropole wie Berlin könne nicht als Platz für die Erzeugung erneuerbarer Energie dienen, sagte der Verhandlungsführer Vattenfalls im Industriedialog mit dem Land, Georg Friedrichs am Freitag. Vattenfall sah sich genötigt, Inhalte ihres bis dahin vertraulich behandelten Angebots zu präsentieren, weil auch der Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) Teile der Senatsbewertung des Wettbewerbes auf seiner Internetseite veröffentlicht hat.

Energiewende in Berlin klappt nur über Fernwärme

Aus Sicht von Vattenfall ist die Energiewende in Berlin eine Wärmewende. Denn der Löwenanteil der Energie wird in Berlin zum Heizen verbraucht und nicht für Strom. Im Kern geht es deshalb laut Friedrichs darum, die eingesetzten Energieträger der Berliner Kraftwerke zu verändern. „Der große Hebel ist ein neuer Brennstoffmix in der Fernwärme“, sagte Friedrichs.

Der schwedische Energiekonzern befindet sich im Rennen um die Energiepartnerschaft des Landes im Wettbewerb mit Eon und dem französischen Unternehmen Engie (Gaz de France). Die drei Anteilseigner der Gasag wurden vom Senat nach längerem Hin und Her zwischen CDU und SPD zu diesem Dialog aufgefordert.

Inzwischen haben der Finanzsenator und Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sich auf eine Lösung mit Vattenfall und Eon verständigt. Die Düsseldorfer sollen in diesem Szenario stärker als bisher bei der Gasag einsteigen. Das Land Berlin möchte die Mehrheit am Gasnetz übernehmen und strebt zudem eine 50-prozentige Eigentümerschaft am Stromnetz an, das eine Vattenfall-Tochter betreibt.

Kritik von der CDU an der Strategie des Finanzsenators

Zuletzt hatte es von Seiten der CDU Kritik gegeben, dass ein von Vattenfall und Engie gebildetes Konsortium zur gemeinsamen Kontrolle einer Mehrheit der Gasag von der EU-Kommission in Brüssel genehmigt worden ist. Die Union wertete diese Erlaubnis als Zeichen dafür, dass die Strategie des Finanzsenators nicht aufgehe, dass die Gespräche über die neue Energiepolitik schon gescheitert seien.

Tatsächlich hat Vattenfall kein Interesse, seine Gasag-Anteile an den Wettbewerber Eon abzutreten, wie das im Konzept des Senats vorgesehen ist. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen sagte der Morgenpost, die Gespräche hätten noch gar nicht begonnen, könnten also auch noch nicht gescheitert sein. Man werde sich mit den Energiekonzernen wohl Anfang des kommenden Jahres zusammensetzen.