"Hour of Code"

Wie Berliner Kinder mit grünen Schweinen programmieren

Zur „Hour of Code“ hat Apple Berliner Kinder zu sich eingeladen. Am iPad jagen sie freche Schweine und lauschen Mark Zuckerberg.

Guido Lange schaut seinem Sohn Jascha beim Programmieren zu (Hintergrund). Zwei Apple-Store-Mitarbeiter versuchen Max zu helfen (Vordergrund)

Guido Lange schaut seinem Sohn Jascha beim Programmieren zu (Hintergrund). Zwei Apple-Store-Mitarbeiter versuchen Max zu helfen (Vordergrund)

Foto: Jörgen Camrath

"Kannst du mir helfen, das freche Schwein zu fangen?" Merlin kann. Mit den Fingern verschiebt der 12-Jährige auf seinem iPad einige bunte Bausteine. Ein Klick auf “Ausführen” - schon hüpft ein roter “Angry Bird” über den Bildschirm und auf das grüne Schwein. “Glückwunsch! Du hast soeben 2 Zeilen Code geschrieben”, ploppt ein Fenster auf. Weiter geht’s mit der nächsten Aufgabe.

Merlin ist mit seinem Vater nach Charlottenburg gekommen. Es ist Donnerstag, sieben Uhr abends. Gemeinsam mit Bruder Tim und fünf anderen Kindern sitzt er an einem großen Holztisch im Obergeschoss des Apple Stores am Kurfürstendamm. Vor ihnen liegen iPads, im Ohr stecken Kopfhörer. Gebannt schauen die sechs Jungen und ein Mädchen auf die kleinen Bildschirme und lauschen den Worten einer Frau im roten T-Shirt und mit kleinem Apfel-Logo auf der Brust, die ihnen sagt, was sie tun sollen: coden.

Apple ist eines von zahlreichen Unternehmen, die als Teil der “Computer Science Education Week” vom 7. bis 13. Dezember “Hour of Code”-Workshops anbieten. Die "Hour of Code" ist eine Initiative von Code.org. Schülern überall auf der Welt soll so die Teilnahme an einer einstündigen Einführung ins Programmieren ermöglicht werden.

Lillie ist mit ihrer Mutter gekommen. Die Neunjährige aus Kleinmachnow kennt den Umgang mit dem iPad bereits von zuhause. Ihre Eltern haben schon bei verschiedenen Veranstaltungen im Apple Store teilgenommen. Neben Workshops finden hier immer wieder auch Konzerte statt. Auf der Website des Unternehmens hatte die Familie von der “Hour of Code” erfahren und die Neunjährige angemeldet. Ganz gebannt verschiebt Lillie nun Code-Blöcke auf ihrem iPad. Sie ist in eine andere Welt eingetaucht.

Gearbeitet wird an diesem Abend mit der Code.org-Website. Dort gibt es verschiedene “Programmierstunden” - Erklärvideos von Facebook-Chef Mark Zuckerberg und anderen prominenten US-Gründern dienen als Einstieg. Das Schöne dabei: die Seite ist von überall erreichbar. Programmieren kann man vom heimischen Rechner, unterwegs mit dem Smartphone - oder eben auch auf dem Tablet.

Auch Jascha sitzt vor seinem Tablet. Er hat seinem “Stormtroopler” gerade zu ein paar zusätzlichen Punkten verholfen. Nach “Angry Birds” und “Minecraft” programmiert er sich nun durch eine Star-Wars-Landschaft. Vater Guido Lange schaut interessiert zu, während der Neunjährige mit seinen Fingern über den Bildschirm wischt. “Unsere zwei Söhne haben beide ein iPad mini”, sagt er. Vor fünf Jahren sei man von Windows zu Apple gewechselt und habe es bislang noch nicht bereut - “außer preislich”.

An drei Tagen in der Woche dürfen die Kinder im Hause Lange mir ihren iPads spielen. Außer, sie wollen damit für die Schule lernen. Dann gibt es Ausnahmen. “Ich wäre froh gewesen, wenn ich in dem Alter schon die Möglichkeiten gehabt hätte, die Jascha heute hat”, sagt Vater Guido. Und offenbar zeigt die frühe Gewöhnung an die Technologien bereits Wirkung. “Astronaut werden, ist schon länger out”, sagt Jaschas Begleitung. Hinter die Dinge blicken und programmieren sei stattdessen nun angesagt.

Nach knapp einer Stunde ist der Workshop vorbei. Drei gab es am Donnerstag - wegen der großen Nachfrage wurden am Freitag zwei weitere ins Programm genommen. “Cool” und “krass” lautet das Feedback der jungen Teilnehmer. Viele wollen zuhause weitermachen.

Damit das auch klappt und als weiterer Anreiz bekommen sie von den Apple-Mitarbeitern am Ende noch eine Urkunde überreicht. Und die weißen Kopfhörer dürfen sie auch behalten. “Die iPads dürft ihr leider nicht mitnehmen”, heißt es zum Schluss. Aber natürlich könne man auf dem Weg nach draußen noch im Apple Store vorbeischauen. Doch wenn man sich ansieht, wie mühelos die Mädchen und Jungen während des Workshops mit ihren Geräten umgegangen sind, kann man davon ausgehen, dass sie bereits ausgestattet wurden.

Mehr Informationen zur "Hour of Code" und zur "Code.org"-Initiative gibt es hier und hier.