Städtevergleich

Berlin ist fast so attraktiv wie Mülheim/Ruhr

Der IW Köln hat ein Städteranking herausgegeben. Berlin landet auf dem 43. Platz. Es zählt vor allem wirtschaftliche Stärke.

Vier von fünf Topstädten liegen in Bayern – und Berlin schafft es im großen Städtevergleich des Instituts der Deutschen Wirtschaft nur ins untere Mittelfeld. Das ist das ernüchternde Ergebnis eines Städterankings, mit dem die Wirtschaftsexperten des Instituts am Freitag an die Öffentlichkeit gegangen sind. Untersucht wurden in dieser Studie unter dem Titel „Wo lebt es sich am besten?“ 69 Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Demnach landete Berlin, wie bereits im Vorjahr, lediglich auf dem 43 Platz, hinter Mülheim/Ruhr (42), aber immerhin vor Erfurt (44). Am besten schneidet München beim Städtevergleich ab – gefolgt von Ingolstadt, Erlangen und Stuttgart. Hamburg landet auf Platz 9. Immerhin einen Trost gibt es: Im „Dynamikranking“, landet Berlin auf dem neunten Platz und ist damit sogar in den Top Ten vertreten.

Die Wissenschaftler hatten für den Städtevergleich im Auftrag von Immobilienscout24 und der WirtschaftsWoche rund 100 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilienmarkt und Lebensqualität erfasst. Das stärkste Gewicht erhielten dabei mit 40 Prozent die Arbeitsmarkt-Faktoren. Zu diesen zählten Aspekte wie Arbeitsplatzversorgung, Beschäftigtenentwicklung, Anteil der Hochqualifizierten oder auch die Erwerbsquote von Frauen.

Bei der Wirtschaftsstruktur waren Indikatoren wie Produktivität, Gründungsintensität, Insolvenzen oder das kommunale Steueraufkommen ausschlaggebend. Und obwohl die Berliner Wirtschaft sich seit mehreren Jahren im bundesvergleich überdurchschnittlich gut entwickelt – seit dem Jahr 2005 stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um knapp 30 Prozent auf rund 1,3 Millionen – reichte diese Dynamik nicht, um Berlin auf einen der vorderen Plätze zu katapultieren.

„Berlin ist zwar attraktiv für junge und kreative Gründer aus aller Welt“, sagte Michael Bahrke, Referent Regionalanalyse beim IW Köln. Auch gebe es ein großes Potenzial qualifizierter Fachkräfte sowie exzellente Forschungseinrichtungen. Doch ein Mangel sei nach wie vor gegeben: „Berlin ist leider kein Industriestandort“, so der Analyst. Dies habe zur Folge, dass Hochschulabsolventen oft keinen adäquaten Arbeitsplatz fänden. Und dass die wirtschaftliche Dynamik in der Hauptstadt in diesem Jahr voraussichtlich erneut größer ausfallen wird als im Schnitt aller Bundesländer habe ja auch dazu geführt, dass es Berlin beim Dynamikranking auf Platz neun geschafft habe. „Aber es gibt eben auch Städte, die sich in den vergangenen Jahren noch besser entwickelt haben“, so der Experte.