Schadstoffbelastung

In 50.000 Berliner Wohnungen herrscht Asbestgefahr

Vor allem in den West-Bezirken wurden in früheren Jahren Bauteile mit Asbest verwendet. Betroffen ist zum Beispiel die Gewobag.

Hochgiftiges Asbest kann nicht einfach herausgerissen werden. Einen Sanierungsfahrplan für die betroffenen Wohnungen der Unternehmen fordern die Grünen

Hochgiftiges Asbest kann nicht einfach herausgerissen werden. Einen Sanierungsfahrplan für die betroffenen Wohnungen der Unternehmen fordern die Grünen

Foto: ha / picture alliance/ ZB

Vier landeseigene Wohnungsbaugesellschaften in den West-Bezirken haben ein Problem: 50.000 ihrer Wohnungen stehen unter Asbestverdacht. Die Gesobau kann keine genauen Zahlen zu asbestbelasteten Wohnungen nennen, sichert aber zu, in allen bestätigten Fällen betroffene Bauteile zu ersetzen. Die Howoge hat als einzige Wohnungsbaugesellschaft kein Asbestproblem, da ihre Wohnungen alle in den 1990er-Jahren saniert worden seien.

„Jetzt haben wir zum ersten Mal Klarheit“, sagt der Wohnungsexperte der Grünen, Andreas Otto, der die Angaben beim Senat erfragt hat. „Es handelt sich um ein Problem der West-Bezirke.“ Hier wurden vor allem in Wohnungen der Baualtersklassen 1965 bis 1972 und 1973 bis 1990 Bauteile mit Asbest verwendet, heißt es in der Antwort des Senates. Bei der Gewobag stehen die meisten Wohnungen unter Asbestverdacht (24.000), allein 7900 davon in Spandau. Die Degewo meldete 22.000 Wohnungen, allein 5000 befinden sich in Wedding.

Gewobag informiert ihre Mieter

Otto fordert vom Senat, einen Sanierungsfahrplan für die betroffenen Wohnungen der Unternehmen aufzustellen, um die Mieter nicht weiter einer möglichen Gesundheitsgefährdung auszusetzen. „Und auch bei den Privatwohnungen muss sich der Senat einen Überblick verschaffen und erklären, wie die Privatvermieter zum Austausch asbestbelasteter Bauteile bewegt werden können“, fordert der grüne Abgeordnete.

Doch der Senat sieht dafür keine Handhabe. „Vor dem Hintergrund der rechtlichen Rahmenbedingungen und der faktischen Risikobewertung besteht seitens des Senats keine solche Absicht“, heißt es in dem Schreiben des Staatssekretärs für Wohnungsbau, Engelbert Lütke Daldrup. Das lässt Otto jedoch nicht gelten. „Das ist nicht in Ordnung, das geht so nicht“, kritisiert der Wohnungsexperte.

Asbest seit 1993 in Deutschland verboten

Die Gewobag hat bislang als einzige der fünf betroffenen Berliner Wohnungsbaugesellschaft ihre Mieter mit einem Schreiben über das Problem informiert. Verlegte Asbestplatten dürften beispielsweise nicht angebohrt oder anderweitig beschädigt werden, damit keine Fasern austreten können. Die Gesellschaft steht jedoch auch in der Kritik von Mieterschutzverbänden, im Schadensfall weder schnell noch gründlich genug reagiert zu haben.

Asbest wird seit dem 19. Jahrhundert in Baumaterialien verwendet. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts steht es unter Verdacht, vor allem für Lungenkrebserkrankungen verantwortlich zu sein. Seit 1993 ist die Herstellung und Verwendung des Baustoffs in Deutschland verboten. Als gesundheitsschädlich gilt vor allem das Einatmen von Asbestfasern. Asbestzement gilt dagegen bis heute als unschädlich, solange er intakt bleibt und nicht verwittert.