Verbraucher in Berlin

KaDeWe nimmt israelische Weine aus dem Sortiment

Produkte aus israelischen Siedlungen auf besetzten arabischen Gebieten dürfen nicht mehr als „made in Israel“ gekennzeichnet werden.

Das Kaufhaus KaDeWe hat vorübergehend Produkte aus israelischen Siedlungen aus dem Sortiment genommen. Es handele sich um acht Weine, teilte KaDeWe-Sprecherin Petra Fladenhofer am Freitag der Berliner Morgenpost mit. Hintergrund ist ein Beschluss der EU-Kommission vom Mittwoch zu einer Kennzeichnungspflicht für Obst, Gemüse und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse sowie Kosmetika aus besetzten arabischen Gebieten. Sie betrifft Siedlungen im Westjordanland, und auf den Golanhöhen sowie Ost-Jerusalem. Nach Ansicht der EU sind die besetzten Gebiete gemäß internationalem Recht nicht Teil des israelischen Hoheitsgebietes. Deswegen sei es nicht korrekt, wenn Produkte von dort als „made in Israel“ gekennzeichnet werden, hieß es dazu aus der Kommission.

Die Etiketten der acht Weine entsprächen nicht der neuen Kennzeichnungspflicht, erläuterte Fladenhofer. Der Importeur sorge nun für veränderte Etiketten, dies geschehe „zeitnah“. Die Sprecherin versicherte: „Selbstverständlich werden die Produkte nach korrekter Kennzeichnung wieder unverzüglich in den Regalen sein.“

„Lieferanten sind für ordnungsgemäße Kennzeichnung zuständig“

Die Warenhauskette Galeria Kaufhof hat indes bislang nicht reagiert. Sie bietet einige Produkte an, die in Israel, im Westjordanland und auf den Golanhöhen hergestellt werden. Dazu zählen Weine, Lebensmittel und Kosmetik. „Es gehört nicht zur Einkaufspolitik von Galeria Kaufhof, mit unserer Beschaffung politisch oder religiös Einfluss zu nehmen“, zitiert „Spiegel Online“ einen Sprecher des Unternehmens. Man beziehe die Produkte über Lieferanten in der EU, diese seien für die ordnungsgemäße Verzollung und Kennzeichnung zuständig.

Der Beschluss der EU-Kommission hatte heftige politische Reaktionen ausgelöst. Während die Palästinenserführung die Entscheidung begrüßte, verurteilte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die neue Kennzeichnungspflicht scharf: „Die Europäische Union sollte sich schämen“, sagte der Regierungschef. Ihre Entscheidung bringe „dunkle Erinnerungen hoch“ und beweise „Heuchelei und Doppelmoral“, weil sie sich nur auf Israel und nicht auf rund 200 andere Konflikte in der Welt beziehe. Mehrere Minister bezeichneten die Richtlinie als „antijüdisch“ oder „antisemitisch“.

Debatte in sozialen Netzwerken

Auch in sozialen Netzwerken wurde die Richtlinie teilweise scharf kritisiert und sogar mit dem Boykott jüdischer Geschäfte durch die Nazis verglichen. Hingegen erklärte der stellvertretende Kommissionspräsident Valdis Dombrovskis, dass die EU „keineswegs“ einen Boykott oder Sanktionen gegen Israel unterstütze.