Kommentar

Wieso es ein Fehler war, die Ex-BER-Planer rauszuschmeißen

Im Sommer 2012 hat man die BER-Planer abrupt vor die Tür gesetzt. Emotional verständlich, aber ein teurer Fehler, meint Thomas Fülling.

Die  Empfangshalle des Terminalgebäudes des BER

Die Empfangshalle des Terminalgebäudes des BER

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / dpa

Es wird immer deutlicher: Der Rauswurf der Planer für den neuen Hauptstadtflughafen in Schönefeld im Sommer 2012 mag emotional verständlich sein, dürfte sich am Ende aber als überaus teure Fehlentscheidung erweisen. Wir erinnern uns: Am 8. Mai 2012 musste die Berliner Flughafengesellschaft die Eröffnung des BER absagen, nicht einmal vier Wochen vor dem angekündigten Termin. Eine Peinlichkeit, die Berlin weltweit Spott und Häme bescherte.

Und eine überaus schmerzliche Niederlage für den damaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der trotz aller Warnungen beharrlich verkündete, die BER-Eröffnung sei nicht in Gefahr. Kurz nach der Terminabsage kündigte der von ihm geleitete BER-Aufsichtsrat der Planungsgemeinschaft pgbbi um den Architekten Meinhard von Gerkan, und zwar fristlos.

Welche Folgen das hatte, beschrieb am Freitag ein Flughafen-Rechnungsprüfer vor dem BER-Untersuchungsausschuss. Faktisch über Nacht fehlten am wichtigsten Infrastrukturprojekt im Osten Deutschlands die Planungskompetenz, die Kontrolle der Baufirmen und die „Wissensträger“. Es folgte monatelanger Stillstand auf der Baustelle und Chaos in der Chefetage. Schlechtes Management machte den BER zur „Goldgrube“ für die Baufirmen, wie es Martin Delius (Piraten), Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses, formulierte.

Schon wieder „Beschleunigungsmaßnahmen“ für Millionen Euro

Die Flughafengesellschaft wurde nach der Kündigung der pgbbi geradezu mit Nachforderungen der Firmen überschwemmt, war am Freitag zu hören. Darunter, wie im Fall Siemens, auch für Leistungen, die nicht mal im Ansatz erbracht wurden. Auch die Forderungen von Gebäudeausrüster Imtech sind ohne Prüfung erfüllt worden. Ein ehemaliger Prokurist soll dafür 150.000 Euro Schmiergeld kassiert haben.

Bleibt zu hoffen, dass der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld und die BER-Eigentümer die alten Fehler nicht wiederholen. Denn erneut zeichnet sich ab, dass das Zeitpolster schwindet. Wieder ist von „Beschleunigungsmaßnahmen“ die Rede, die zu Nachforderungen der beteiligten Firmen führen werden. Dabei geht es nicht um Peanuts, sondern um mehrstellige Millionenbeträge. Am Ende zu bezahlen vom Steuerzahler, also von uns allen.