Finanzmarkt

Die Marke "Berliner Bank" verschwindet bis 2017

Die Berliner Bank geht in der Deutschen Bank auf. Das soll ohne Kündigungen vonstatten gehen. Ein Filialabbau ist noch nicht absehbar.

Als die letzten Mitarbeiter der Berliner Bank bei Sturm und Regen am Mittwoch um 11.20 Uhr zur Betriebsversammlung in die Urania hetzten, waren die ersten schon wieder gegangen. So erfuhren sie nur lückenhaft, was die Geschäftsführung verkündete: Die Berliner Bank wird bis Ende 2017 vollständig in der Deutschen Bank aufgehen. Der gelb unterlegte Name „Berliner Bank“ wird aus dem Stadtbild verschwinden. Damit bestätigte die Geschäftsführung eine entsprechende Meldung der Berliner Morgenpost vom Vortag.

Die Bank zog die für den Donnerstag vorgesehene Betriebsversammlung um einen Tag vor, um die Mitarbeiter von den Plänen zu informieren. „Berlin ist Gründungsort der Deutschen Bank und hat sich zu einem hochattraktiven Wirtschaftsstandort mit einzigartiger Dynamik und Internationalität entwickelt“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung Ost der Deutschen Bank, Harald Eisenach, am Mittwoch. „Hier wollen wir künftig unter einer Marke investieren und wachsen.“ Die bestehenden Filialen der Berliner Bank werden bis Ende 2017 in Filialen der Deutschen Bank umgewandelt.

Das Filialnetz wird umstrukturiert

Insgesamt 80 Filialen beider Banken gibt es derzeit noch in Berlin. Wie viele davon schließen, ließ die Geschäftsführung bei der Betriebsversammlung offen. „Ziel ist weder ein Mitarbeiterabbau noch ein Filialabbau“, sagte Eisenach. In den kommenden Monaten werde die Bank entscheiden, wie das künftige Filialnetz aussehen soll. „Jede Filiale in ganz Deutschland steht auf dem Prüfstand“, sagte Eisenach.

20 Filialen der Deutschen und Berliner Bank wiesen nach Angaben der Geschäftsführung eine räumlichen Nähe auf. Ob sie zusammengeführt werden, ließ die Geschäftsführung am Mittwoch offen. Denkbar sei auch, vollständig neue Standorte zu suchen. In den kommenden Wochen werde es „Interessenausgleichsverhandlungen“ mit den Personalvertretern geben. Am 23. November sollen erste Gespräche zwischen der Geschäftsführung der Deutschen Bank und den Personalvertretern beginnen.

Laut „Strategie 2020“ des neuen Vorstandschefs der Deutschen Bank, John Cryan, sollen bundesweit 200 Filialen geschlossen werden. Wie viele davon in Berlin betroffen sind, ist offen. „Wir wollen unsere Flächen optimieren, aber vor allem unsere Kunden halten“, sagte der Sprecher der Deutschen Bank, Christoph Blumenthal. Nirgendwo sonst verfüge die Bank mit 15 Prozent über einen ähnlich hohen Marktanteil im Privatkundengeschäft wie in Berlin. „Den wollen wir natürlich nicht aufgeben“

Für Kunden soll sich nur wenig ändern

Für die Kunden der Berliner Bank soll sich das endgültige Aufgehen des Bankhauses in die Deutsche Bank kaum bemerkbar machen. „Sie behalten ihre Kontonummern, Bankleitzahl, IBAN und BIC“, sagte die Vorstandschefin der Berliner Bank, Stefanie Salata. In einem Brief an die Kunden, der in diesen Tagen versendet wird, werde die Bank ihre Entscheidung erklären. „Sie werden in Zukunft in Berlin und im ganzen Bundesgebiet Zugang zu einem deutlich größeren Filialnetz haben“, heißt es unter anderem darin.

Für die Dienstleistungsgesellschaft Verdi ist es noch zu früh abzusehen, welche Folgen der endgültige Übergang der Berliner Bank in den Mutterkonzern hat. „Wir fordern, dass der Umbau sozialverträglich und ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt“, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Frank Wolf.

Fusionsprozess abgeschlossen

Mit der Umwidmung der Filialen der Berliner Bank wird der Fusionsprozess der beiden Institute beendet. 2006 hatte die Deutsche Bank die Berliner Bank übernommen. Zuvor war die Berliner Bank bereits mit BerlinHyp und Landesbank zur Bankgesellschaft verschmolzen. Nach dem Bankenskandal um marode Immobilienfonds wurde die Bankgesellschaft zerschlagen.

Die Berliner Bank war 1950 im damaligen West-Berlin gegründet worden und sollte den Aufbau der zerstörten Stadt vorantreiben. In den Folgejahren gewann die Bank zahlreiche Kunden.

Die Deutsche Bank hat ihre Strategie in den vergangenen Jahren mehrfach geändert. Mit dem Kauf der Postbank und der Berliner Bank wollte sie zunächst ihr Privatkundengeschäft stärken. Unter Vorstandschef Josef Ackermann wollte sie sich dann wieder davon verabschieden. Jetzt sollen vor allem in den „urbanen Zentren Flächen optimiert“ werden, heißt es in der Strategie 2020.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.