Tarifstreit

Kino Babylon stellt Insolvenzantrag

Die Mitarbeiter des Kinos Babylon setzen ihren Streik fort. Der Konflikt hat Folgen: Fil verlegt sein Weihnachtsspecial in die Urania.

Boykott-Aufruf am Kino Babylon

Boykott-Aufruf am Kino Babylon

Foto: David Heerde

Stefan Kirschner

Während der Streik einiger Mitarbeiter des Kino Babylons weitergeht, hat Tobias Hackel, einer der beiden Geschäftsführer der Neuen Babylon GmbH, einen Antrag auf Insolvenz gestellt. Offenbar wurde Timothy Grossman, der andere Geschäftsführer, von diesem Schritt überrascht. Die beiden hätten vorher nicht über diesen Antrag gesprochen, sagte Barbara Löblein, Assistentin des Geschäftsführers Grossman, auf Anfrage der Berliner Morgenpost und ergänzte: „Der Antrag von Herrn Hackel wird derzeit von dem Anwalt von Timothy Grossman geprüft.“ Grossman hält 51 Prozent der Anteile, Hackel die restlichen 49 Prozent.

Der Spielbetrieb sei von dem Insolvenzantrag nicht beeinträchtigt, sagte Löblein. „Heute haben wir die große Premiere der RTL/UFA-Serie ,Deutschland 83’, morgen ist die US-Showrunnerin Kelly Souders zu Gast“, sagte Löblein am Dienstag. Bereits ausverkauft sei die Veranstaltung mit dem Philosophen Slavoj Žižek am Sonnabend. Žižek spricht über „Die Geburt der Komödie aus dem Geist der Verzweiflung“.

Neun Vorstellungen ifinden jetzt in der Urania statt

Unterdessen hat ein weiterer Künstler seinen Auftritt im Babylon mit Verweis auf den „innerbetrieblichen Konfliks (Tarifstreit)“ abgesagt: Fil verlegt die insgesamt neun Vorstellungen seines Weihnachtsspecials „Dawn of the Dutt“ vom Babylon in die Urania verlegt, teilte Veranstalter Marcus Herold am Dienstag mit. „Ich werde dieses Jahr nicht im Babylon auftreten, weil der Betreiber seine Leute nicht anständig bezahlt. Und nach dieser unglücklichen „Juden“ – Aktion gehts eh nicht mehr. Leider“, teilte Fil mit.

Der jüdischstämmige Babylon-Chef Grossman hatte als Reaktion auf die Boykottaufrufe der streikenden Mitarbeiter Anfang Oktober die Türen im Eingangsbereichs des Kinos mit Davidsternen besprüht und ein Transparent aufgehängt, dass an die Nazi-Aufrufe zum Boykott jüdischer Geschäfte im Dritten Reich erinnerte.

Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) hatte die Aktion verurteilt, er bezeichnete sie vor dem Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses als „hochgradig geschmacklos“ und „illegitim. Das Land Berlin unterstützt das Filmkunsthaus Babylon jährlich mit rund 360.000 Euro.