Unwetter "Heini"

Wie gefährdet sind die Flüchtlingsunterkünfte bei Sturm

Sturmtief "Heini" soll Sturmböen bis Stärke 12 nach Berlin bringen. Wer sichert Märkte und die provisorischen Flüchtlingsunterkünfte?

Für die Nacht zum Mittwoch und den Mittwochvormittag besteht in Berlin eine Sturmwarnung. Böen können bis zu Windstärke zwölf erreichen. Sind da nicht Zelte und provisorische Hallen zur Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen gefährdet? Oder die Weihnachtsmärkte?

Zunächst einmal: Verantwortlich für die Sicherung sind Betreiber der Unterkünfte, sagt Silvia Kostner, die Sprecherin des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso). Bei einigen Hallen für die Obdachlosen- und Flüchtlingsunterbringung sei das beispielsweise die Berliner Stadtmission.

Unwetterwarnnetz geht vom Deutschen Wetterdienst aus

Am Lageso selbst in der Turmstraße betreffe die Sicherung derzeit nur ein Zelt, das potenziell durch Sturm gefährdet ist. Doch es dient nur der Tagesunterbringung von Flüchtlingen, die am Lageso auf ihre Registrierung warten. Abends wird es geräumt, niemand übernachtet dort. Tagsüber wäre im Gefahrenfall eine schnelle Räumung möglich. Das Zelt steht laut Kostner aber gut geschützt zwischen hohen Häusern und ist Sturm eher wenig ausgesetzt.

Grundsätzlich besteht ein Informationsnetz, in dessen Zentrum der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach steht und der bei absehbaren Unwetterlagen bis zu eine Woche vorher Hinweise gibt. Datenleitungen bestehen laut DWD-Sprecher Gerhard Lux bundesweit zu Polizei, Lagezentren, Feuerwehren, Technischem Hilfswerk (THW) und anderen Katastrophenschutzeinrichtungen. Das Netz setzt sich auf kommunaler Ebene fort.

Betreiber von Einrichtungen sind verpflichtet, sich Unwetterhinweise zu beschaffen

Der Betreiber einer sturmgefährdeten Einrichtung, etwa einer mobilen Notunterkunft, aber auch Organisatoren beispielsweise von Weihnachtsmärkten, Open-Air-Konzerten oder Volksfesten sind verpflichtet, sich Unwetterwarnungen zu beschaffen – sei es per Radio, Internet oder Unwetter-App des DWD.

Bei Gefahr im Anzug ist es ihre Pflicht, gefährdete Bereiche zu räumen und bei Bedarf die Polizei zu alarmieren. Die ist ohnehin Teil des Warnnetzes, im Prinzip hat jeder Polizist stets Zugang zu Unwetterhinweisen. Die Polizei ist zwar für die Gefahrenabwehr zuständig, zieht bei einer Gefahrenlage aber Feuerwehr oder THW hinzu.

Stadtmission betreibt Traglufthallen, die kaum sturmgefährdet sind

In der Hauptstadt betreibt die Berliner Stadtmission eine Traglufthalle an der Frankfurter Allee für Obdachlose und zwei Traglufthallen für Flüchtlinge beim Lageso. Stadtmission-Sprecherin Ortrud Wohlwend verweist darauf, dass Traglufthallen, anders als Zelte, wenig anfällig für Sturmgefahren sind. In ihnen herrscht etwas Überdruck, sie sind hermetisch dicht, ihre Hüllen sind abgerundet, und das Innere ist nur durch eine Luftschleuse mit zwei Sicherheitstüren mit der Außenluft verbunden. So finde Starkwind kaum Angriffsflächen.

„Zwar gibt es auch für solche Traglufthallen Evakuierungspläne, aber die wurden über Jahre hinweg nie benötigt. Die Hallen waren nie gefährdet“, sagt Wohlwend. In den Hallen sei zudem rund um die Uhr Personal, das eng vernetzt sei mit Feuerwehr und Polizei.