Gericht

Drogenversand per Post – Wie zwei Männer Crystal Meth verkauften

Im Sommer wurden in einer Schöneberger Wohnung 4,5 Kilogramm Crystal Meth entdeckt. Jetzt stehen die mutmaßlichen Dealer vor Gericht

Das Ergebnis der Durchsuchung ließ keine Zweifel zu: Drogenfahnder entdeckten vor vier Monaten in einer Wohnung im Ortsteil Schöneberg 4,5 Kilogramm der Droge Crystal Meth mit einem Marktwert von insgesamt etwa 675.000 Euro.

Am Montag begann vor einer Moabiter Strafkammer der Prozess gegen zwei 55 und 48 Jahre alte mutmaßliche Dealer. Einer wurde in der Schweiz geboren, der andere in der ehemaligen Tschechoslowakei. Beide sind nicht vorbestraft und besitzen deutsche Pässe. Die Polizei hatte gegen die Männer, die in einer Partnerschaft leben, drei Monate lang ermittelt, bevor nach der erfolgreichen Wohnungsdurchsuchung die Festnahme erfolgte.

Von der Staatsanwaltschaft wird den Angeklagten nun vorgeworfen, einen Versandhandel mit Rauschgift, illegal hergestellten Potenzmitteln und Dopingmitteln betrieben zu haben. Vertrieben wurde auch Crystal Meth, das schon beim ersten Konsumieren abhängig machen kann.

Laut Anklagesatz handelten die Männer aber auch mit Psychopharmaka, Betäubungsmitteln verschiedenster Art, dem verbotenen Dopingmittel Metandienon und der Partydroge Ecstasy.

Den Ermittlungen zufolge sollen die Angeklagten von September 2014 bis Juli 2015 knapp 100 Bestellungen angenommen und die illegalen Substanzen per Post an Kunden in Berlin und anderen Orten verschickt haben. Zu diesem Zweck hätten sie sich in der gemeinsamen Wohnung „einen ständig aufzufüllenden Vorrat“ angelegt, heißt es in der Anklage. Es habe sogar „Geschäftszeiten“ für den illegalen Handel gegeben: täglich von 10 bis 22 Uhr. Die Bezahlung sei entweder in bar oder per Überweisungen auf ein Schweizer Konto erfolgt.

Ob sich die Angeklagten zu den Vorwürfen äußern werden, blieb zu Prozessbeginn offen. Der Vorsitzende Richter kündigte an, dass es mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Deal geben wird: Den Angeklagten soll mitgeteilt werden, welche maximalen Strafen sie zu erwarten haben, falls sie Geständnisse ablegen. Laut Betäubungsmittelgesetz drohen für einzelne Taten Strafen von bis zu fünf Jahren. Daraus kann dann eine noch härtere Gesamtstrafe gebildet werden. Der Prozess wird am 19. November fortgesetzt.