Zoologischer Garten

Wie sich der Berliner Zoo komplett verändern wird

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Patrick Goldstein
Simulation: Dickhäuter unter einem Foliendach: So könnte Besucher nach Plänen der Zoo-Architekten zukünftig das Elefantenhaus erleben

Simulation: Dickhäuter unter einem Foliendach: So könnte Besucher nach Plänen der Zoo-Architekten zukünftig das Elefantenhaus erleben

Foto: Zoo Berlin

Spatenstich am Löwentor: Der Berliner Zoo wird von Grund auf neu gestaltet. Die Elefanten müssen umziehen, die Zahl der Katzen sinkt.

Die Elefanten auf dem benachbarten Auslaufgelände wandten dem großen Ereignis lediglich ihre Rückseiten zu. Dabei wird auch ihren Alltag zukünftig grundlegend verändern, was da Montagmittag am Löwentor des Zoologischen Gartens mit dem Ersten Spatenstich seinen Anfang nahm. Innerhalb der nächsten gut 20 Jahre werden auf dem 32 Hektar großen Areal Affenarten umsiedeln, Nashörner Wasserbecken erhalten und Elefanten einen Neubau beziehen. Laut Direktor Andreas Knieriem werden dafür „deutlich mehr als 60 Millionen Euro“ ausgegeben.

Begonnen wird mit Um- und Anbauten am Löwentor. Drei Millionen Besucher kommen jährlich, um 20.365 Tiere und 1600 Arten zu sehen. Zwei Drittel der Gäste sind nicht aus Berlin. Für sie ist wegen der guten Verkehrsanbindung statt des Elefantentors an der Budapester Straße der Eingang gegenüber dem Bahnhof Zoo günstig. Der Erfolg des Zoos machte sich in diesem Sommer wieder dadurch bemerkbar, dass Menschen bis zur Fastfood- und Backshop-Ladenzeile am Hardenbergplatz 2 anstanden. „Das wollen wir nicht“, so Frank Bruckmann, Aufsichtsratsvorsitzender des Zoos gestern.

Daher werden nun am Löwentor die Zahl der Kassen von vier auf acht erhöht, zudem ein Service-Center sowie ein Souvenirladen errichtet. Dem modernen Gebot der Nachhaltigkeit folge man etwa mit der Verwendung von Holz, so die Planer.

Dank Drehkreuzen sollen Besucher zukünftig schneller in den Zoo gelangen. Auch neu: Dort, wo gestern Spatenstich war, soll ein Vorplatz entstehen, der frei zugänglich ist. Von hier aus wird man bereits einen neuen Wasserfall auf dem Steinbockfelsen und den neuen Nashornauslauf sehen können. An diesen Platz schließen sich dann die Schleusen an, durch die man mit Ticket auf das Zoogelände gelangt.

Der komplette Umbau am denkmalgeschützten Tor soll Kosten von vier Millionen Euro nicht überschreiten, sagte Andreas Knieriem, der zudem Tierpark und Aquarium lenkt. Er betonte, dass der Zoo, anders als der Tierpark seine Bauprojekte selbst finanziere. Bei günstigem Wetter werden die Arbeiten bis zu den Sommerferien 2016 abgeschlossen sein.

Den Zoo auf internationalen Standard bringen

Der Umbau ist Start einer völligen Neugestaltung des Areals. Nachdem er 2014 den Posten seines umstrittenen Vorgängers Bernhard Blaszkiewitz übernommen hatte, drängte Knieriem darauf, die große Touristenattraktion in der City-West dem aktuellen internationalen Standard anzugleichen. Der Zoo soll besucherfreundlicher werden. Die Beschilderung etwa habe er als „kryptisch und etwas altbacken“ vorgefunden, so Knieriem.

Von April 2014 bis Februar 2015 ließ die Zooleitung Besucher befragen, Gebäudebestand und Tierarten erfassen, den Service für Besucher überprüfen und das Umfeld des Geländes untersuchen. Die Ergebnisse flossen ein in einen sogenannten Ziel- und Entwicklungsplan (ZEP). Das 150-seitige Papier zeigt, was sich in den kommenden Jahren im Zoo ändern wird.

Da geht es einerseits darum, den Bestand ansprechender und zeitgemäß zu präsentieren. Zweites Ziel, so Knieriem: „Wir wollen, dass die Tiere mehr Platz bekommen.“ Allerdings habe der ZEP gezeigt, dass der Spielraum gering sei. Es wird Abrisse geben. Und: „Wir müssen zukünftig Gebäude umnutzen“, so Knieriems Fazit. Dabei werde auch die Zahl der Tiere, etwa der Katzen reduziert. Eventuelle neue Halter würden selbstverständlich, sobald es soweit ist, eingehend geprüft.

Auf die Nachfrage, welche Katzenarten der Berliner Zoo abgegeben werde, sagte Knieriems zuständiger Mitarbeiter, dass er dies nicht beantworten wolle. So musste sich der Zoodirektor selbst beeilen, dies klar zu stellen. Er sagte, über die Katzen werde erst in den kommenden Monaten entschieden. Offenbar ist langfristig nicht geplant, im Zoo einen Ozelot zu beherbergen.

Weitere Pläne: Das Elefantenhaus nahe dem Löwentor wird umgenutzt. Dort leben zukünftig die Menschenaffen. Das bestehende Affenhaus wird saniert, der Affenfelsen umgestaltet. Für die Elefanten ist ein 2,3 Hektar großes Gelände oberhalb des Zoos vorgesehen. Emus und Strauße machen Platz für einen Neubau, in dem auch Gastronomie vorgesehen ist. Auf das neue Elefantenhaus kommt ein Foliendach, damit die Tiere auch in jenen Phasen des Jahres Tageslicht bekommen, inbb denen sie nicht vor die Tür gehen.

Schwimmende Nashörner in der City-West

Geplant ist eine neue Panda-Anlage, ein Tundra-gebiet für Eisbären, Wasserbecken für Nashörner und die Möglichkeit für Besucher, näher an die Löwen heranzukommen. Platz gewinnt man durch Zulsammenlegung und gezielte Baumaßnahmen. So wurde etwa im Vogelhaus eine gut 50 Zentimeter dicke Betonwand herausgesägt.

Als letztes Projekt ist die Sanierung des Aquariums sowie eine Erweiterung durch einen Neubau vorgesehen. Als Zeitrahmen nennt Knieriem 15 bis 20 Jahre. Es hänge auch davon ab, ob manweiterhin so umfangreich mit Erbschaften und Spenden bedacht werde. Einen vollständigen zeitlichen Bauablauf gebe es nicht. Fest stehe, dass nach dem Löwentor Nashornanlage und Elefantenhaus folgen. „Ein Zoo ist ist nie ganz fertig“, resümierte Direktor Knieriem. „Ein Zoo ist immer in Entwicklung.“