Toleranz-Preis

Jüdisches Museum - Ehrung für W. Michael Blumenthal

Mit 89 kehrt der große Museumsmacher W. Michael Blumenthal noch einmal nach Berlin zurück, wo seine Familie einst vertrieben wurde.

Bundespräsident Joachim Gauck überreicht den Preis W. Michael Blumenthal (l.)

Bundespräsident Joachim Gauck überreicht den Preis W. Michael Blumenthal (l.)

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Auch der Festabend, an dem ein großer Freund Berlins geehrt wurde, der Bundespräsident sprach und das Gelingen eines bedeutenden Projekts der Bundesrepublik, des Jüdischen Museums in Berlin, gewürdigt wurde, war überschattet von den Anschlägen in Paris. Im Haus an der Kreuzberger Lindenstraße wurde am Sonnabend der Preis für Verständigung und Toleranz an W. Michael Blumenthal, den 89-jährigen Gründungsdirektor des 2001 eröffneten Museums, verliehen. Auf Wunsch des amtierenden Direktors Peter Schäfer wurde für die Opfer von Paris eine Schweigeminute abgehalten. Die Laudatio hielt Bundespräsident Joachim Gauck.

Blumenthals Biografie ist eng mit der Hauptstadt verbunden. Geboren wurde er 1926 in Oranienburg. Mit seiner jüdischen Familie kam er als Dreijähriger nach Berlin, wo die Eltern am Olivaer Platz ein Geschäft für Damenmoden führten. 1939 flüchteten die Blumenthals nach Schanghai. 1947 kam W. Michael Blumenthal in die USA. Es folgten Stationen als Professor, Manager sowie in der Politik. So war er Berater bei Präsident John F. Kennedy und Finanzminister unter Präsident Jimmy Carter. 1997 wurde Blumenthal Direktor des Jüdischen Museums. 2014 übergab er das Amt an Peter Schäfer.

Der sagte in seiner Rede, dass man angesichts der Anschläge erwogen habe, die Veranstaltung abzusagen. Man habe aber daran festgehalten, denn der Terror könne und dürfe das Eintreten für Werte wie Verständigung, Toleranz sowie kulturelle und religiöse Vielfalt ,nicht wegbomben’, so Schäfer. Bundespräsident Joachim Gauck sagte in seiner Laudatio: „Wir lassen nicht zu, dass die Feinde der Freiheit die Macht über unsere Herzen und Köpfe gewinnen.“

Mit dem Preis ehren das Museum sowie die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stiftung Jüdisches Museum Berlin seit 2002 Persönlichkeiten, die sich um Verständigung und Toleranz verdient gemacht haben. Unter den 400 Gästen am Sonnabendabend waren auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland Josef Schuster, der Vorstandsvorsitzende der Siemens-AG Joe Kaeser, der US-Botschafter John B. Emerson, Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger.