Bildung

Zahl der Kita-Verweigerer in Berlin verdoppelt sich

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Florentine Anders
Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) setzt auf Frühförderung

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) setzt auf Frühförderung

Foto: dpa Picture-Alliance / Stephanie Pilick / picture alliance / dpa

Mehr Berliner Eltern schicken ihre Kinder trotz Förderbedarf nicht in die Kindertagesstätte. Nun drohen Bußgelder.

Die Zahl der Eltern, die ihre Kinder trotz Sprachförderbedarf nicht in die Kita schicken, ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Und das, obwohl das Gesetz zur Sprachförderung im März 2014 verschärft wurde. So hat die Koalition von SPD und CDU den Kitabesuch 18 Monate vor der Einschulung durch eine Änderung im Schulgesetz quasi zur Pflicht gemacht. Gleichzeitig wurde die Förderdauer verlängert.

Statt bisher drei Stunden sollen die Kinder fünf Stunden täglich in einer Kindertagesstätte gefördert werden. Wer diese Pflicht nicht erfüllt, kann mit einem Bußgeld von bis zu 2500 Euro bestraft werden, in letzter Konsequenz kann das Sorgerecht entzogen werden, wenn der Kitabesuch hartnäckig durch die Eltern verweigert wird. Die Änderung ist im aktuellen Kitajahr in Kraft getreten, doch die harte Gangart hat bisher offenbar keine positive Auswirkung auf die Sprachförderung.

„Diese hohe Zahl ist beunruhigend“

Aus der Antwort der Bildungsverwaltung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Stefanie Remlinger geht hervor, dass 2014 insgesamt 760 Nicht-Kitakinder zum Test erschienen sind. Davon hatten 448 Kinder einen Sprachförderbedarf und hätten eigentlich in der Kita angemeldet werden müssen. Doch bis zum 31. August 2015 waren nach Angaben der Bildungsverwaltung nur 220 der betroffenen Kinder tatsächlich in einer Kita angemeldet. Die Zahl der Kita-Verweigerer hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt.

„Diese hohe Zahl ist beunruhigend“, sagte Stefanie Remlinger, bildungspolitische Sprecherin der Grünen der Berliner Morgenpost. Nun müsse geklärt werden, woran es liegt, dass die Eltern ihre Kinder nicht in die Kita schicken. Möglicherweise sei auch der Platzmangel dafür verantwortlich. Denn Eltern, die nicht in Wohnortnähe einen Kitaplatz bekommen, seien schwerer zu überzeugen. Vor allem in Neukölln, wo besonders viele Kinder nichtdeutscher Herkunft leben, gebe es zu wenige Kitaplätze. Das hatte auch Falko Liecke (CDU), der zuständige Jugendstadtrat in Neukölln, angeprangert.

Auch Joschka Langenbrinck, Bildungsexperte der SPD, findet die neuen Zahlen von der Bildungsverwaltung alarmierend. Langenbrinck, der in Neukölln seinen Wahlkreis hat, hatte damals die Gesetzesänderung und damit eine härtere Linie in diesem Punkt eingefordert. „Jetzt sehen wir, wie dringend notwendig die Änderung war“, sagt er. Mit dem neuen Bußgeld und der Erweiterung des Förderumfangs würde man im Interesse der Kinder handeln. Nur wer ausreichend gute Deutschkenntnisse habe, könne in der Schule von Anfang an folgen.

Flüchtlinge werden behutsam an das Angebot herangeführt

Besorgniserregend sei auch, dass der Anteil der Kinder, die keine ausreichenden Sprachkenntnisse hat, steigt. Seit 2009 hat sich die Quote verdoppelt. Damals hatten von 740 getesteten Kindern, die keine Kita besuchten, lediglich 234 einen Förderbedarf.

Der verpflichtende Sprachtest mit vier Jahren gilt auch für Flüchtlingskinder. Allerdings setzt die Bildungsverwaltung hier eher auf Überzeugungsarbeit, statt auf Sanktionen. Im Oktober wurde in acht Gemeinschaftsunterkünften ein Pilotprojekt gestartet. Eltern von Kindern in der entsprechenden Altersgruppe sollen behutsam zum Kita-Gutschein und zur vorschulischen Sprachförderung beraten und in Kindertagesstätten vermittelt werden.