Nach New-York-Trip

Scheeres mahnt "verhältnismäßige" Klassenfahrten an

Senatorin Scheeres präzisiert ihre Kritik an einem teuren Aufenthalt in New York. Die Schulaufsicht prüft, ob die Fahrt genehmigt war.

Die Schüler sollten einen realistischen Eindruck vom Zusammenleben der Menschen im Schmelztiegel und der Megacity New York bekommen.

Die Schüler sollten einen realistischen Eindruck vom Zusammenleben der Menschen im Schmelztiegel und der Megacity New York bekommen.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Die Diskussion um eine teure Reise von Berliner Schülern nach New York geht weiter. Die Kursfahrt der 15 Schüler des Robert-Koch-Gymnasiums in Kreuzberg hatte 38.000 Euro gekostet – pro Schüler rund 2500 Euro. Die Mittel dafür waren über ein Jobcenter aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) des Bundes für einkommensschwache Familien geflossen.

Doch die Bildungsreise wird von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) weiterhin kritisch gesehen. Sie wolle alle Schulleiter an die geltenden Vorschriften für Klassenfahrten erinnern, berichtete zuerst der Tagesspiegel. Die Vorschriften besagen, dass sich die Kosten an den finanziellen Möglichkeiten der Eltern zu orientieren haben. In dem konkreten Fall hatte es sich um Kinder von Berlinern gehandelt, die weitgehend von staatlichen Transferleistungen abhängig sind.

Auslandsreisen sind nicht grundsätzlich verboten

Scheeres’ Sprecherin Beate Stoffers wies zudem am Freitag gegenüber der Morgenpost darauf hin, dass Schülerreisen durch die Schulkonferenz – aus Schulleitung, Lehrern, Eltern und Schülern – genehmigt werden müssen. Ob das in diesem Fall geschehen ist, kläre die Schulaufsicht derzeit.

Typischerweise handelt es sich, so die Vorschrift, bei Schülerreisen um Landschulheim- oder Jugendherbergsaufenthalte, Auslandsreisen sind aber ebenso möglich. Eine einwöchige Reise zum „Big Apple“ für 2500 Euro pro Kopf entspricht aber wohl nicht dem Geiste dieser Vorschrift.

Eine generelle Kostenobergrenze besteht nicht

Jeder Schulleiter, der eine Klassenreise genehmige, so hatte die Bildungssenatorin nach dem Bekanntwerden des Vorgangs in der vergangenen Woche gesagt, müsse die Kosten sowie die gesamte Schule im Blick haben. Schließlich gebe es viele Kinder aus Familien, die zwar keine Sozialleistungen bekommen, aber doch so wenig verdienen würden, dass sie sich eine solche Reise für ihr Kind nicht leisten könnten.

Zwar gibt es keine generelle Obergrenze, damit unterschiedliche Schulen je nach den finanziellen Möglichkeiten der Eltern flexibel entscheiden können. Auch die Gewährung des staatlichen BuT-Zuschusses war völlig legal. Aber die Verhältnismäßigkeit sei nicht gewahrt gewesen, sagte Beate Stoffers. Der gesunde Menschenverstand sei außen vor geblieben.

Es geht um die Gleichbehandlung aller Klassen

„Es geht um die Auslegung der Verordnung. Es hätte einerseits preiswertere Angebote für die New-York-Reise gegeben. Und es geht auch um die Gleichbehandlung innerhalb der Schule. Sollte denn nur diese eine Klasse eine derart teure Reise gewährt bekommen? Was ist mit anderen Klassen?“, fragte Stoffers.

Der Leiter der Kreuzberger Schule hatte die Reise des Leistungskurses Englisch genehmigt und damit begründet, dass die Schüler ein realistisches Bild von Amerika bekommen sollten. Gerade unter türkisch- und arabischstämmigen Schülern gebe es latenten Antiamerikanismus, hatte er am Donnerstag vergangener Woche der Berliner Morgenpost gesagt. Andere Schulleiter und Elternvertreter hatten sich hingegen ebenso wie die zuständige Senatorin skeptisch geäußert.