Kriminalitat

Politiker fordern mehr BVG-Personal für mehr Sicherheit

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Früher gab es an fasst jedem Berliner U-Bahnhof einen Zugabfertiger

Früher gab es an fasst jedem Berliner U-Bahnhof einen Zugabfertiger

Foto: Krauthoefer

Trotz der Videoüberwachung nimmt die Zahl der Straftaten an U-Bahnhöfen zu. Senat und Opposition fordern deshalb mehr Präsenz der BVG.

Opposition und Regierungsfraktionen sind sich einig: In den U-Bahnhöfen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sollen die Mitarbeiter der BVG mehr Präsenz zeigen. Und zwar trotz umfassender Videoüberwachung in den Berliner U-Bahnen, Straßenbahnen und Bussen. Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte am Montag im Innenausschuss, es stelle sich die Frage, wie man mehr Personal dorthin bekommen könne. SPD, Grüne, Linke und Piraten unterstützten das Ansinnen. Frank Zimmermann (SPD) sagte: „Das Personal auf den Bahnhöfen muss verstärkt werden, das erwartet die Öffentlichkeit.“ Das Abgeordnetenhaus müsse die Mittel dazu bereitstellen.

Für Irritationen sorgte, dass an der Ausschussdebatte am Montag kein Vertreter der BVG teilnahm, obwohl Senat und Parlament ausdrücklich darum gebeten hatten. Der zuständige Abteilungsleiter für Sicherheit sei erkrankt, hieß es – und dass es der BVG offenbar nicht möglich gewesen sei, kurzfristig einen Stellvertreter in den Innenausschuss zu entsenden. Innensenator Henkel verwies darauf, dass die Zusammenarbeit von Polizei und BVG deutlich intensiviert worden sei. „Die Zahl der Gewalttaten im öffentlichen Nahverkehr ist zurückgegangen, die polizeilichen Maßnahmen greifen“, sagte Henkel.

Polizei forderte 3045 Videodateien von der BVG an

Polizeipräsident Klaus Kandt betonte die Wichtigkeit der Videoüberwachung auf den Bahnhöfen. Derzeit werden die Stationen Alexanderplatz, Zoologischer Garten sowie Kottbusser Tor dauerhaft überwacht. Die anderen Bahnhöfe anlassbezogen. Im vergangenen Jahr forderte die Polizei 3045 Videodateien aus Bussen und Bahnen von der BVG an. „Diese Aufnahmen liefern uns wichtige Hinweise zur Identifizierung und Ermittlung von Verdächtigen“, sagte Kandt.

Er verwies auch darauf, dass es im ersten Halbjahr 2015 exakt 516 gemeinsame Einsätze von Polizisten mit BVG-Wachleuten mit insgesamt 84.000 Einsatzstunden gegeben habe. Das seien umgerechnet etwa 60 Einsätze dieser Art pro Tag. Es sei zwar richtig, so Kandt, dass im vergangenen Jahr nur 57 Einsätze pro Tag zustande gekommen seien. Das sei aber den vielfältigen und besonderen Einsatzanforderungen in anderen Gebieten geschuldet gewesen. Kandt betonte, dass in diesen Zahlen aber noch nicht die Einsätze im Rahmen von Sportveranstaltungen, bei der Rauschgiftbekämpfung sowie im Kampf gegen Taschendiebe und Hütchenspieler enthalten seien.

BVG und S-Bahn setzen seit Jahren immer weniger Zugabfertiger oder Fahrkartenverkäufer auf den Bahnhöfen ein, um Geld zu sparen. Stattdessen wurden flächendeckend Videokameras eingebaut. Die BVG argumentiert, sowohl die objektive Sicherheit als auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste seien so garantiert. Christopher Lauer (Piraten-Fraktion) widersprach: „Die Fahrgäste wollen mehr Personal.“ Die entsprechenden Umfragen der BVG in ihren Sicherheitsberichten seien manipuliert, um das zu kaschieren, so Lauer.

( Matthias Steube )