Mauer

Die East Side Gallery ist hinter Gitter

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Sabine Gundlach
Die East Side Gallery ist der längste erhalten Abschnitt der Berliner Mauer

Die East Side Gallery ist der längste erhalten Abschnitt der Berliner Mauer

Foto: Peter Meissner

Ein Bauzaun soll die East Side Gallery vor Vandalismus schützen. Der Bezirk plant dauerhaft ein Stahlgeländer als „psychologische Barriere“.

Berlins längstes Mauerstück steht hinter Gittern. Weil die Gemälde und das Bauwerk der weltbekannten East Side Gallery in Friedrichshain zunehmend von Schmierereien, Kritzeleien und Mauerspechten zerstört werden, hat der Bezirk jetzt zunächst einen zwei Meter hohen Bauzaun errichtet.

Diese optisch unschöne Notlösung soll möglichst noch in diesem Jahr einem etwa 80 Zentimeter hohen und dann auf Dauer errichteten Absperrgeländer aus Stahl weichen. Der schnöde Bauzaun bleibt noch so lange stehen, bis die vergangene Woche gestartete Reinigung und Sanierung der Mauergemälde abgeschlossen ist.

Wie berichtet, wurde für die zweite große Sanierung der 1,3 Kilometer langen Freilftgalerie an der Friedrichshainer Mühlenstraße von Bund und Land 230.000 Euro bereitgestellt. Die aktuelle Reinigung der von Touristen beschmutzten und bekritzelten Kunstwerke ist zwar einfach, weil das Mauerwerk zuletzt 2009 aufwändig mit einem speziellen Schutz versiegelt wurde, doch schützt das nicht grundsätzlich vor dem Vandalismus, der das Denkmal East Side Gallery langfristig gefährdet. Zudem ist es angesichts tiefer Kratzer und weiterer Schäden durch Mauerspechte, die teilweise ganze Stücke heraúsbrechen, längst nicht nur mit einer bloßen Reinigung getan. Doch selbst die ist nicht von Dauer, wie der Bezirk auch jetzt wieder registerieren musste.

Der Zaun soll Vandalen fern halten

„Wir haben festgestellt, dass schon sofort nach Abschluss der ersten erfolgten Gemäldereinigungen auf diesen Bildern wieder neue Schmierereien waren“, sagte Sascha Langenbach. Der Sprecher des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg informierte am gestrigen Donnerstag in einer kurzfrsitig anberaumten Pressekonferenz vor der East Side Gallery über den geplanten Schutz für das Denkmal.

Wie Jana Borkamp (Grüne), Finanz- und Kulturstadträtin des Bezirks, bestätigte, wurden am Mittwochabend kurzfristig 150.000 Euro frei gegeben, damit künftig ein Absperrgeländer die Besucher der East Side Gallery von der Attraktion fern hält. Vorgesehen ist ein Abstand von einem bis 1,30 Meter.

„Das ist natürlichen im Wesentlichen eine psychologische Barriere“, sagte Adalbert Maria Klees. Der technische Leiter des Grünflächenamtes von Frierichshain-Kreuzberg hofft, „dass die geplante neue Balustrade gerade die Besucher, die sich hier schnell mal mit Filzstiften, Klugelschreibern und Taschenmessern verewigen wollen, künftig fernhält“.

Wertschätzung für das Denkmal an der Spree in Berlin

Das Geländer solle zudem auch die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass dieses Mauerstück auch ein Denkmal sei, dem gegenüber entsprechende Wertschätzung angebracht sei. 90 Prozent der Beschmutzungen der Mauergemälde stammen laut Klees von Besuchern und Touristen, die sich hier eher leichtfertig verewigen und möglicherweise nicht einmal wissen, dass ein solches Verhalten nicht legal sei.

Diejenigen, die die Bilder jedoch bewusst zerstören und komplett übersprühen wollen, könne man sowieso weder mit einem Bauzaun, noch mit einer Balustrade davobn abhalten, sagte Klees. Die meisten Strafanzeigen liefen ins Leere. „Großflächiger Vandalismus lässt sich nicht verhindern, denn Wachschutz kostet ein Vermögen, das kann sich der Bezirk nicht leisten“, so der technische Leiter des Grünflächenamtes. Für personellen Wachschutz an der East Side Gallery müsse man mindestens 300.000 Euro im Jahr zahlen, so Klees.

Dass sich im Bezirk keiner einen Bauzaun vor diesem Denkmal wünsche, und diese Art des Schutzes eher eine Notlösung sei, daran ließ weder Bezirksstadträtin Borkamp noch Sprecher Langenbach oder der technische Leiter des Grünflächenamtes Klees einen Zweifel. „Es ist ein bisschen absurd, eine Mauer mit einem Bauzaun zu schützen, aber das ist ein Denkmal und keine Streetart, die von Vergänglichkeit lebt“, sagte Borkamp.

Alle 20 Meter mehrsprachige Schilder

Dessen seien sich ganz offensichtlich wenige der Besucher bewusst, für die es anscheinend ganz normal sei, sich mit einem Herzchen und seinem Namen auf einem der Gemälde zu verewigen, um dann noch schnell ein Selfie zu machen. Es gebe bereits Blogs, in denen es als einer von zehn Tipps gelte, was man unbedingt beim Berlinbesuch machen müsse - sich auf der East Side Gallery verewigen. „Das kann nicht sein“, so Borkamp. „Wir wollen, dass dieses Denkmal auch noch 50 Jahre nach Mauerfall erhalten bleibt.“

Um das Bewusstsein für die Bedeutung des Denkmals zu stärken, sollen alle 20 Meter Schilder in mehreren Sprachen auf die Bedeutung und den Status der East Side Gallery hinweisen. Darüber hinaus ist geplant, zu Gunsten einer Verbreiterung des Bürgersteigs vor der Freiluftgalerie auf die Parkplätze zu verzichten.

Die Finanzierung der neuen Absperrung soll durch die Mehreinnahmen durch das Parkraumbewirtschaftungskonzept im Bezirk gesichert sein.