Beisetzung

Beisetzung von Mohamed in Berlin ohne seine Mutter

In Gatow wird der ermordete Mohamed beigesetzt. Seine Mutter ist aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei.

Es ist ein schwerer Gang. Männer tragen hoch über ihren Köpfen den Sarg des kleinen Mohamed. Unter ihnen ist auch der Stiefvater des aus Bosnien stammenden Jungen. Der Sarg, umhüllt von einem grünen Tuch, scheint sich beinahe schwerelos vorbei an Grabstätten entlang der Wege auf dem Landschaftsfriedhof zu bewegen. Und immer wieder sprechen die Angehörigen leise Gebetsverse vor sich hin. Mehr als 400 Angehörige, Freunde und Berliner schließen sich am Donnerstag dem Trauerzug über den Landschaftsfriedhof Gatow an. Darunter auch viele Frauen. Doch eine fehlt: die Mutter von Mohamed.

„Wie schrecklich muss es für die Mutter sein, ihren Sohn auf diese unmenschliche Art und Weise zu verlieren“, sagt eine Frau im Trauerzug. Auf ihrem Arm trägt sie ein kleines Kind. „Sie hat neun Monate den Jungen unter ihrem Herzen getragen und musste schließlich erleben, wie er Opfer eines grausigen Verbrechens geworden ist“, sagt sie weiter. Es sei doch nicht verwunderlich, dass die Mutter ihrem Jungen auf seinem letzten Weg nicht folgen kann. „Sie befindet sich in ärztlicher Obhut“, heißt es. Und Familienangehörige sagen: „Sie verkraftet es nicht.“

Nach etwa 300 Metern legt der Trauerzug auf seinem Weg zu dem für Mohamed vorbereiteten Grab einen Zwischenstopp ein. An einem Gebetsstein wird das traditionelle Totengebet nach islamischen Ritus für ihn gehalten. In seinem Gebet weist der Imam nicht nur auf den Tod des nur vier Jahre alt gewordenen Mohamed hin. Er erinnert auch an das kurze Leben des aus Potsdam stammenden Elias. Auch er sei Opfer eines Gewaltverbrechens geworden, verübt von demselben Mann, der auch Mohamed tötete. „Wir sind hier in großer Trauer versammelt, unsere Herzen fühlen großen Schmerz“, sagt der Vorsitzende der bosnischen Gemeinde zu Berlin nach dem Totengebet. Die Anwesenden seien hier, um Vergebung zu bitten, wie es die islamische Tradition verlange. „Doch dieser süße kleine Junge hat keine Fehler begangen, wir haben ihm nichts zu vergeben“, betont der Redner.

Ganz viel Anteilnahme in Berlin

Auch der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh – selbst Muslim – und der Spandauer Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank (SPD), in dessen Bezirk der Friedhof liegt, sind unter den Trauernden. Das Schicksal von Mohamed habe ganz viel Anteilnahme in Berlin ausgelöst, sagt Kleebank. „Dieses grausame Verbrechen ist nicht Deutschland“, betont der Lokalpolitiker. „Wir trauern um Mohamed“, so Spandaus Bürgermeister.

Anschließend heben zahlreiche Hände erneut den Sarg vom Gebetsstein. Der Trauerzug setzt sich wieder in Bewegung, bis zu einem offenen Grab im muslimischen Teil des Friedhofs. Eingehüllt in ein weißes Grabtuch wird der kleine Junge in das Grab gelegt. Mit Blumen verabschiedeten sich die Angehörigen und Freunde von Mohamed. Einem Jungen, der begonnen hatte, sich in Berlin wohlzufühlen, der als ein wissbegieriges und zugleich aufgeschlossenes Kind beschrieben worden ist. Ein Junge, der leidenschaftlich gern gemalt hat und für den Deutsch keine Fremdsprache war. Traditionell werden Muslime meist ohne Sarg und nur im Leichentuch bestattet. Die Gräber sind so ausgerichtet, dass der Tote auf der rechten Seite liegend nach Mekka blickt. Das ist auch in Gatow so. Mohameds Mutter hat den Friedhof ausgesucht, weil dort Beerdigungen nach diesem speziellen muslimischen Ritus möglich sind.

Der vierjährige Mohamed war am 1. Oktober vom Gelände des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit entführt und einen Tag später im brandenburgischen Kaltenborn erdrosselt worden. Die Sonderkommission der Berliner Polizei war in 5000 Arbeitstunden Hunderten Hinweisen nachgegangen. Videoaufnahmen aus dem Lageso und aus einer Kneipe an der Moabiter Stromstraße führten schließlich zum mutmaßlichen Täter Silvio S. Der 32 Jahre alte Wachschützer gestand die Tat. Später gab er zu, auch den seit Juli in Potsdam vermissten Elias (6) umgebracht zu haben. Wann Elias beerdigt wird, steht noch nicht fest.

Silvio S. gesteht Einsatz von Chloroform

Inzwischen wurde bekannt, dass der mutmaßliche Mörder Chloroform zur Betäubung von Mohamed einsetzte. Der Anwalt des 32-Jährigen, Mathias Noll, sagte, das habe sein Mandant in der Vernehmung bei der Polizei eingeräumt. Ob die Ermittler bei ihren Durchsuchungen der Wohnung und der Gartenlaube von Silvio S. Chloroform gefunden haben, konnte Noll nicht sagen. Er bekomme erst am heutigen Freitag Akteneinsicht. Ein Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft wollte sich auf Anfrage der Berliner Morgenpost nicht zu den Ermittlungsergebnissen äußern. Der Gebrauch eines Betäubungsmittels könnte darauf hindeuten, dass Silvio S. die Taten gezielt plante.

Unterdessen prüft die Polizei in Sachsen-Anhalt, ob der mutmaßliche Mörder von Mohamed und Elias ein Alibi für die Zeit des Verschwindens der kleinen Inga hat. Sie verschwand am 2. Mai spurlos in der Nähe von Stendal. Die Ermittlungen dazu seien noch nicht abgeschlossen, hieß es bei der Polizei.