Flüchtlingsjunge

Anwalt will Bleiberecht für Familie des kleinen Mohamed

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Mahnwache für Mohamed am Berliner Lageso: Seine Familie will bleiben

Mahnwache für Mohamed am Berliner Lageso: Seine Familie will bleiben

Foto: Reto Klar

Die Familie des getöteten Flüchtlingsjungen will bleiben. Noch ist sie nur geduldet. Ihr Anwalt kämpft für einen Aufenthaltstitel.

Der Anwalt der Familie des getöteten Flüchtlingsjungen Mohamed will einen legalen Aufenthaltstitel für sie erreichen. Die Duldung der Familie aus Bosnien-Herzegowina in Berlin sei nach ihm vorliegenden Unterlagen bis zum 7. Dezember befristet, sagte Rechtsanwalt Andreas Schulz am Mittwoch.

„Ich würde mich gern mit dem zuständigen Entscheider in der Ausländerbehörde zusammensetzen, um die Sachlage zu erörtern.“ Einen entsprechenden Brief habe er bereits geschrieben und sich auch mit der Innenverwaltung in Verbindung gesetzt.

Mutter will als Nebenklägerin auftreten

Mohameds Mutter hatte über einen zweiten Anwalt angekündigt, dass sie in dem Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Mörder des Vierjährigen als Nebenklägerin auftreten werde. Ein Antrag sei bereits an die Staatsanwaltschaft in Potsdam gestellt, die den Fall übernommen hat, sagte Schulz.

Ein Status als Nebenklägerin rechtfertige allein aber keinen Aufenthaltstitel. Er sehe die Lösung eher in einer Ausnahme humanitärer Art. Ein Sprecher der Innenverwaltung sagte auf Anfrage: „Zu diesen Einzelfällen äußern wir uns grundsätzlich nicht.

Mohamed war am 1. Oktober vor dem für Flüchtlinge zuständigen Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt worden. Sein mutmaßlicher Mörder, Silvio S. aus Brandenburg, hatte gestanden, den Jungen einen Tag später nach sexuellem Missbrauch in seiner Wohnung umgebracht zu haben. Mohameds Familie lebt schon länger in Berlin.

Silvio S. soll voraussichtlich in Einzelzelle mit besonderer Überwachung

Der mutmaßliche Mörder von Mohamed - und des sechsjährigen Elias aus Potsdam - sitzt derzeit noch in Untersuchungshaft in Berlin-Moabit. Die Brandenburger Justiz bereitet sich auf seine Überstellung vot. Der 32-Jährige aus Niedergörsdorf (Teltow-Fläming) werde in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg/Havel voraussichtlich in einer Einzelzelle mit besonderer Überwachung untergebracht, sagte der Sprecher des Justizministeriums, Alexander Kitterer, am Mittwoch in Potsdam.

„Es muss sichergestellt werden, dass keine Gefahr von Suizid besteht oder Angriffe von Mithäftlingen drohen.“ Der 32-Jährige war in dem Berliner Gefängnis Moabit von einem Mithäftling geschlagen worden. „Auf längere Sicht ist aber schon das Ziel, dass der Mann in den normalen Vollzug eingegliedert wird“, sagte Kitterer. Die Überstellung des 32-Jährigen werde noch einige Tage dauern, sagte der Sprecher der Potsdamer Staatsanwaltschaft, Christoph Lange. Zunächst müsse noch ein entsprechende Beschluss beim Berliner Amtsgericht erwirkt werden.

Erinnerungsgarten für Mohamed und Elias

Unterdessen entsteht in Luckenwalde ein Erinnerungsgarten für Elias und Mohamed entstehen. In der Kleingartenparzelle in Luckenwalde (Teltow-Fläming), in der die Leiche des sechsjährigen Elias vergraben war, starten in dieser Woche Bauarbeiten für einen Ort des Gedenkens. Zunächst werde das Grundstück geräumt, teilte Stadtsprecherin Sonja Dirauf am Mittwoch mit. Lediglich ein großer Apfelbaum soll demnach erhalten bleiben, außerdem werden vier neue Obstbäume gesetzt. Unter jedem Baum sollen 500 Blumen gepflanzt werden. Der Garten soll im Frühjahr erblühen.

( dpa/ap )