Fall Mohamed und Elias

Wie man mit Kindern über die beiden Morde sprechen kann

Die Nachrichten sind voll mit Berichten über die Morde an Mohamed und Elias. Wie können Eltern ihren Kindern das Unfassbare erklären?

Trauer um den Flüchtlingsjungen Mohamed: Am Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) haben viele Menschen Kerzen und Stofftiere aufgestellt

Trauer um den Flüchtlingsjungen Mohamed: Am Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) haben viele Menschen Kerzen und Stofftiere aufgestellt

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin.  Wie kann man Kindern den schrecklichen Mord an Mohamed und Elias erklären? Diese Frage stellen sich Eltern in diesen Tagen. „Dass Kinder zu Tode kommen – solche Vorfälle passieren immer wieder“, sagt der Familienberater Jan-Uwe Rogge. „Es kommt auch vor, dass ein Vierjähriger vor ein Auto rennt.“ Das müsse man nicht erklären.

Anders im Fall der Kindermorde. Hier komme es darauf an, mit welchen Fragen die Kinder zu ihren Eltern kommen. „Manche nehmen so etwas gar nicht wahr. Andere reagieren sehr heftig.“ Auch das Alter spiele eine Rolle, wie Eltern die Tat vermitteln. Vier- oder Fünfjährige, sagt der Psychologe, fragen überhaupt nicht. „Die überhören das.“

Zuhören, was das Kind wissen will

Bei den Größeren sei wichtig, nicht zu erklären, sondern zu hören, was das Kind eigentlich wissen will. „Ich glaube, wir sollten den Mut haben, zu warten, bis das Kind kommt. Und nicht meinen, ständig erklären zu müssen.“

Konkret bedeutet das: eine Rückfrage zu stellen. Und es in den Arm zu nehmen. Die häufigste Frage bei Sieben- bis Achtjährigen sei: „Kann mir das auch passieren?“ Und dann sei die Rückfrage wichtig: „Was würdest du in so einem Fall tun?“ Damit würden Kräfte geweckt. „Das ist ganz entscheidend. Nicht große pädagogische Vorträge als Erwachsener vom Stapel zu lassen.“

Auch wenn das Kind fragt: „Warum hat der Mann das gemacht?“, empfiehlt der Familienberater, eine Rückfrage zu stellen: „Je jünger das Kind ist, desto wichtiger sind diese Rückfragen.“ Etwa: „Was meinst Du, warum er es getan hat?“ Man solle generell bei den Fantasien, bei den Überlegungen der Kinder bleiben, auf sie eingehen, und sie vielleicht auch bestätigen. Vielleicht sagt ein älteres Kind: „Weil er ein Schwein war“ oder „Ich weiß es nicht“ – und das könne man auch so stehen lassen.

Die Ängste nicht geringreden

Die aktuellen Fälle seien „sehr speziell“. Erklären ließen sich diese Morde nicht, sagt Rogge. Man könne auch nicht die Ängste geringreden. „Wenn ein Kind damit konfrontiert wird, dann bauen sich Angst vor Vernichtung und Angst vor Trennung auf.“ Die einzige Reaktion sei: dem Kind das Gefühl zu geben „Ich bin bei dir.“

Für Mütter und Väter sei wichtig zu wissen, dass sie solche Vorfälle nicht verhindern könnten. „Es gibt ein Restrisiko. Damit zu leben, ist eine Herausforderung.“ Es passierten Dinge, so Rogge, die man nicht verhindern könne. Kinder könnten lernen, sich selbst zu schützen. „Wenn sie Eltern haben, die ihnen das Leben zutrauen und nicht ständig im pädagogischen Einsatz sind.“