Kindermorde

Kriminalbeamte fordern mehr Videokameras an Brennpunkten

Nach wochenlanger vergeblicher Suche führten die gestochen scharfen Bilder aus Überwachungskameras einer Gaststätte zu Silvio S.

Mit diesem Bild aus einer Überwachungskamera, das von der Berliner Polizei zur Fahndung herausgegeben wurde, kam die Polizei auf die Spur von Silvio S.

Mit diesem Bild aus einer Überwachungskamera, das von der Berliner Polizei zur Fahndung herausgegeben wurde, kam die Polizei auf die Spur von Silvio S.

Foto: Polizei Berlin / dpa

Berlin/Potsdam.  Es waren die Bilder aus Überwachungskameras, die die Polizei letztendlich zum mutmaßlichen Doppelmörder Silvio S. führten. Die ersten, recht unscharfen Aufnahmen stammten vom Landesamt für Gesundheit. Dort hatte der 32-Jährige den Flüchtlingsjungen Mohamed am 1. Oktober entführt. Aufnahmen aus einer privaten Überwachungsanlage zeigen ihn wenige Stunden vorher vor einer Gaststätte an der Moabiter Stromstraße.

Hatte Silvio S. nach der Veröffentlichung der ersten Aufnahmen gegenüber seiner Mutter noch abstreiten können, damit etwas zu tun zu haben, half bei der zweiten, sehr scharfen Aufnahme kein Leugnen mehr. Die Mutter verständigte daraufhin die Polizei.

Michael Böhl, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, verweist auf die Bedeutung der Videoaufnahmen im Fall Mohamed. Ohne sie sei der Täter noch auf freiem Fuß. Er fordert deshalb, dass an Kriminalitätsbrennpunkten in der Stadt wie etwa dem Alexanderplatz Kameras installiert werden.

Neueste Technik mit scharfen Bildern erforderlich

Wichtig sei auch, dass neueste Technik verwendet werde, die scharfe Bilder bringt. Die Berliner Verkehrsbetriebe hätten sich bereit erklärt umzurüsten, so Böhl: „Das begrüßen wir.“ Jetzt müsse es darum gehen, dass auch die S-Bahn Videoüberwachung auf ihren Bahnhöfen einführt. „Und zwar nicht nur für die Abfertigung durch den Zugführer“, so Böhl. Wichtig für die Aufklärungsarbeit der Polizei sei auch, schnell an private Videoaufnahmen zu kommen.

Auf die Frage, ob die Polizei in Entführungsfällen schneller mit Fahndungsfotos an die Öffentlichkeit gehen sollte, sagte Böhl: „Das muss von Fall zu Fall entschieden werden, bei einer zu frühen Veröffentlichung könnte sich ein Entführer entdeckt fühlen und sein zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch lebendes Opfer töten.“

Im Falle Mohameds hätte das ohnehin nichts genutzt. Er wurde bereits in der Nacht nach seiner Entführung getötet.