Berlin und Brandenburg

Große Anteilnahme am Schicksal von Mohamed und Elias

Für die ermordeten Kinder zünden Menschen Kerzen an, legen Blumen nieder. Bestürzung herrscht auch in der Kleingartenanlage.

Steffi (30) aus Luckenwalde zündet an der Kleingartenanlage Eckbusch eine Kerze an

Steffi (30) aus Luckenwalde zündet an der Kleingartenanlage Eckbusch eine Kerze an

Foto: Steffen Pletl

Dunkle Knopfaugen blicken aus dem Geäst einer grünen Hecke. In etwa einem Meter Höhe sitzen sechs kleine Stoff-Teddybären. Dazwischen weiße Rosen. Und davor, auf dem Boden des Schwalbenweges in Luckenwalde, brennen seit Freitag Kerzen.

Der Wind spielt mit dem trockenen Laub auf den Wegen zwischen den Schrebergärten der Kleingartenanlage „Eckbusch“. „Ich wollte bei diesem herrlichen Herbstwetter alles winterfest machen“, sagt ein Hobbygärtner. Doch der Weg hin zu seiner kleinen Scholle ist von der Polizei abgesperrt. Versteckt hinter Sträuchern und Hecken sind noch immer die Spezialisten der Spurensicherung auf der Parzelle 127 zu Gange. Es ist der Garten, den Silvio S. vor gut einem Jahr für sich gepachtet hat. Es sind aber auch genau die 350 Quadratmeter, auf denen neben einer kleinen Gartenlaube eine Leich entdeckt wurde, vermutlich die des am 8. Juli spurlos verschwunden Elias aus Potsdam.

Im Gartenlokal ist der Mordfall Thema Nummer eins

„Mit Vorliebe hat er keine Gartenarbeit geleistet. Seine Parzelle sieht dementsprechend aus“, sagt Marion Ludwig. Die 53 Jahre alte Geschäftsfrau und Beisitzerin im Vorstandes der Kleingartenanlage hat nur wenige Gartenzäune entfernt ihr Grundstück.

„Ich kann es nicht fassen. Und wenn ich sehe, dass auch am Sonnabend dort von der Polizei alles durchsucht wird, wird mir Angst. Hat er möglicherweise weitere Straftaten verschwiegen?“ Schnell versucht sie diesen Gedanken bei Seite zu schieben und widmet sich am Sonnabendnachmittag den Gästen. Im Gartenlokal, das sie bewirtschaftet, ist unter den Besuchern der Mordfall Gesprächsstoff Nummer eins. Alle sind erschüttert, das ihre beschauliche Kleingartenanlage mit ihren 145 Parzellen Ort einer so grauenvollen Tat ist.

Mitgefühl für die Mutter des mutmaßlichen Doppelmörders

„Was wird mit dem Mörder passieren?“, fragt Wirtin Marion Ludwig. „Möglicherweise wird er für nicht zurechnungsfähig erklärt und kommt anschließend wieder auf freien Fuß?", sagt die Wirtin.

Mitgefühl zeigt sie für die Mutter des mutmaßlichen Doppelmörders. „Sie tut mir so leid. Wie muss es in dieser Frau jetzt wohl aussehen? Was wird in ihr vorgehen?“ Fragen, die sich nicht nur Marion Ludwig stellt. Und dann sagt Wirtin Ludwig noch: „Ich habe Hochachtung vor der Courage dieser Frau, die im Fall ihres eigenen Sohnes die Polizei informiert hat.“

„Lieber Mohamed, wir konnten dich nicht beschützen"

In Berlin am Landesamt für Gesundheit und Soziales an der Moabiter Turmstraße legten Menschen am Freitag und Sonnabend Blumen nieder, Kerzen brennen. Auf Plakaten sind handgeschriebene Botschaften zu lesen. Etwa: Eine ganze Stadt trauert um dich, kleiner Bruder. Möge Allah dir einen großen Platz im Paradies schenken und dich für deine Qualen reichlich belohnen.“

Auf einem anderen Plakat heißt es: „Lieber Mohamed, wir konnten dich nicht beschützen. Du hättest bei uns Freunde finden können, hättest Bäume erklettert, dich verliebt, vielleicht eine Familie gegründet oder alleine die Welt erkundet, vielleicht hättest du Großartiges erlebt oder auch geleistet.“

Auch im Potsdamer Wohngebiet Schlaatz, wo der sechsjährige Elias am 8. Juli entführt wurde, haben Menschen Blumen niedergelegt, brennen Kerzen und wird mit Fotos an den Jungen erinnert.

Eine Kerze ins Fenster für Mohamed und Elias

Am Mittag erreichte die Redaktion der Morgenpost eine Mail einer Berlinerin, die dazu aufruft, am Sonntag, den 1. November Kerzen für die beiden getöteten Jungen in die Fenster zu stellen. An diesem Tag gedenken katholische Christen aller Heiligen.

„Ich möchte ein sichtbares Zeichen meiner Anteilnahme an dem Tod der beiden Kinder zeigen. Dazu möchte ich alle Berliner und Brandenburger aufrufen, sich zu beteiligen. Berlin und Brandenburg soll für Mohamed und Elias leuchten“, sagte die Initiatorin.

Der Berliner Bischof Markus Dröge hatte am Sonnabend in seiner Predigt zum Reformationstag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche aufgerufen.