Berlin

S-Bahn-Vergabe verzögert sich bis Jahresende

Milliardenauftrag sollte bis Ende Oktober erteilt sein

Wer betreibt ab 2017 die wichtigen Ringbahnlinien der Berliner S-Bahn? Und vor allem: Wer kauft die dringend benötigten neuen Züge? Auf Antwort auf diese Fragen werden die Berliner weiter warten müssen. Denn das 2012 gestartete Vergabeverfahren für das sogenannte Teilnetz Ring, das einem Drittel des gesamten Berliner S-Bahn-Verkehrs entspricht, zieht sich weiter in die Länge. Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, ist die für Ende Oktober angekündigte Vergabe des Milliardenauftrags verschoben worden. Nun ist von einer Entscheidung bis zum Jahresende die Rede.

Das könnte für die Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel schon bald unangenehme Folgen haben. Schon jetzt hat die S-Bahn wegen ihres veralteten Fahrzeugparks große Mühe, ein zuverlässiges und vor allem pünktliches Angebot zu fahren. „Der Senat gefährdet mit immer neuen Verzögerungen bei der S-Bahn-Vergabe die verkehrspolitische Zukunft der Hauptstadt“, kritisiert Jens Wieseke, Sprecher des Fahrgastverbandes Igeb. Komme nicht bald Ersatz für die störanfälligen Oldtimer, drohe spätestens 2023 eine neue S-Bahn-Krise. Angesichts der weiter stark steigenden Einwohnerzahl von Berlin und des wachsenden Bedarfs an Nahverkehrsleistungen müsse das Angebot der S-Bahn nicht nur gerade so gehalten, sondern schnellstmöglich ausgebaut werden.

Bieter sollen ihre Angebot bis zum 21. Dezember verlängern

Noch im März hatte die im europaweiten Vergabeverfahren federführende Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung angekündigt, „spätestens zum Ablauf der Bindefrist Ende Oktober“ den Zuschlag für den Milliardenauftrag zu erteilen. Davon ist heute nicht mehr die Rede. „Die Erteilung des Zuschlags bei der wettbewerbsrechtlichen Vergabe des Teilnetzes Ring wird wie angestrebt noch dieses Jahr erfolgen“, so eine Sprecherin von Verkehrssenator Geisel (SPD). Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, der das europaweite Vergabeverfahren managt, die Bieter gebeten haben, ihre Angebote über den 31. Oktober hinaus zu verlängern, dem Vernehmen nach bis zum 21. Dezember.

Über die Gründe für die neuerliche Verzögerung im Vergabeverfahren wollten sich weder der Senat, noch der VBB äußern. „Zu internen Verfahrensschritten, Verhandlungsschwerpunkten oder der Anzahl von Angeboten äußern sich die Länder nicht“, teilte die Senatsverwaltung mit. Bereits seit Längerem ist es ein offenes Geheimnis, dass der Senat nur noch mit dem aktuellen Betreiber, der S-Bahn Berlin GmbH, verhandelt. Noch im Sommer hieß es, dass das Angebot der Bahn-Tochter rund 100 Millionen Euro pro Jahr über dem Finanzrahmen liegen soll, den der Senat als Zahlung an den S-Bahn-Betreiber eingeplant hat. Das nochmalige Aufschieben der Auftragsvergabe ist ein Zeichen dafür, dass hinter den Kulissen um jeden Cent gerungen wird. Zwischenzeitlich soll der Senat ernsthaft erwogen haben, die Ausschreibung aufzuheben. Eine Neuausschreibung hätte jedoch den Zeitrahmen völlig aus den Fugen geraten lassen.