Online Gaming

E-Sportler kämpfen um WM-Titel bei „League of Legends“

Eine Bühne wie für Rockstars: Vor 17.500 Fans spielen E-Sportler um den Weltmeistertitel im Online-Videospiel „League of Legends“.

Berlin.  Ganze 90 Sekunden hatte es gedauert – und die 17.500 Plätze in der Mercedes-Benz-Arena waren restlos ausverkauft. Dabei sind dort am heutigen Sonnabend keine Basketballer zu sehen. Keine Eishockeyspieler. Keine Rockstars. Die Bühne gehört zehn unscheinbaren jungen Männern, die vor Bildschirmen sitzen. Ihre Waffen: Maus und Tastatur. Es sind E-Sportler, die sich in virtuellen Arenen mit Helden duellieren. In zwei Teams mit je fünf Spielern werden sie die Weltmeisterschaft in „League of Legends“ (siehe Infokasten), dem aktuell meistgespielten Onlinegame der Welt, bestreiten.

Diese Jungs sind die Stars einer neuen Generation. Rund 30 Millionen Zuschauer werden sich voraussichtlich im Internet die Übertragung des Finales anschauen, allein das Siegerteam streicht über eine Million Dollar ein, insgesamt sind bei dem Turnier zwei Millionen Dollar Preisgeld im Spiel. Im vergangenen Jahr wurden bei einem Turnier des ähnlich populären Videospiels „Dota 2“ sogar knapp elf Millionen Dollar ausgeschüttet. Mit der Maus zum Millionär! Eine Entwicklung, die verdeutlicht: Videospiele werden immer mehr zum gesellschaftlichen Phänomen – auch in Deutschland.

Deutschlands beste E-Sportler sind längst Profis

„Das alte Klischee vom pickligen Nerd hat längst keine Grundlage mehr“, sagt Maurice Stückenschneider. Der 21-Jährige ist Fans unter dem Onlinenamen „Amazing“ bekannt. Als bester „League of Legends“-Spieler Deutschlands bestreitet er seinen Lebensunterhalt ausschließlich mit Gaming: Das monatliche Gehalt kommt vom Team, zusätzliche Prämien gibt es für Turniererfolge. Viele Spieler verdienen darüber hinaus durch Sponsoren und Liveübertragungen ihrer Spiele auf Onlineplattformen wie Twitch. In der Branche steckt viel Geld – und die Branche boomt.

Die Professionalität, mit der Stückenschneider seinen Job angeht, unterscheidet sich nicht von der anderer Spitzensportlers. Er ist beim europäischen Team „Origen“ angestellt, lebt mit den Mitgliedern seiner Mannschaft über den Großteil der Saison in einem Haus am Wannsee. Im normalen Tagesablauf stehen ab 11 Uhr drei Stunden Einzeltraining auf dem Programm.

Ab 15 Uhr weitere sieben Stunden Spielen mit dem Team, Videoanalyse mit dem Trainer inklusive. Zwischen den Einheiten serviert der Manager Essen: viel Obst, viel Gemüse. „Wir achten auf unsere Gesundheit und unsere Fitness“, sagt er: „Wir machen alles, um die beste Performance aus uns herauszuholen.“

Dreiwöchiges Bootcamp

Als Vorbereitung auf die „Worlds“, wie die Weltmeisterschaften genannt werden, schloss sich das Team drei Wochen in einem Gaming-Bootcamp in Seoul ein. Tag und Nacht volle Konzentration auf das Spiel, das geht am besten in Südkorea, dem Mekka des Gaming. „In Asien und speziell Korea ist E-Sport schon seit dem Ende der 90er-Jahre etabliert“, sagt Stückenschneider. Während Kinder in Brasilien davon träumen, Fußballer zu werden, träumen sie in Südkorea von einer Karriere als professioneller Videospieler. Die Wettbewerbe werden im Fernsehen übertragen, Talente schon als Teenager in Teamhäusern einquartiert. Wer es in die Weltspitze schafft, ist ein Superstar.

Dementsprechend sind die besten Spieler der Welt oft Koreaner. Auch im Finale in Berlin treffen mit „SK Telecom“ und den „KOO Tigers“ zwei rein koreanische Teams aufeinander. SK Telecom schaltete dabei in der vergangenen Woche im Halbfinale Stückenschneiders „Origen“ aus und fährt als Favorit nach Berlin.

Der Hype um die Tastaturakrobaten ist groß. Doch mit der Bekanntheit und dem Geld wächst auch der Druck. „Es gibt viele Spieler, die kommen und gehen“, sagt Stückenschneider: „Wenn du ein paar Monate schlechter spielst als erwartet, dann fällst du aus dem Kreis heraus.“ Zumal Studien zeigen, dass ab einem Alter von 30 Jahren die Reaktionsfähigkeit – das wichtigste Werkzeug der Gamer – nachlässt.

Auch Dopingfälle sind bereits bekannt geworden

Zuletzt wurde bekannt, dass einige ihrem Leistungsvermögen künstlich nachhelfen – eine Problematik, die anderen Sportarten allzu bekannt ist. Der Kanadier Kory Friesen, der den beliebten Shooter „Counter-Strike“ spielt, plauderte in einem Interview darüber, dass sein komplettes Team während eines Turniers unter dem Einfluss von Aderall gestanden habe. Das verschreibungspflichtige Medikament wird eigentlich zur Behandlung von ADHS verwendet, steigert die Konzentration. Als Konsequenz kündigte die wichtigste E-Sports-Liga ESL eine Zusammenarbeit mit der Nationalen Anti-Doping Agentur Nada an.

Schritte wie diese machen klar, in welchem Tempo die Professionalisierung des vermeintlichen Nerd-Hobbys voranschreitet. Stückenschneider sagt: „E-Sport wird hier in Deutschland in naher Zukunft zwar nicht die gleiche Bedeutung haben, wie ihn der Fußball hat. Aber wir werden ein gutes Stück näher rücken.“ 17.500 verkaufte Tickets in 90 Sekunden geben ihm Recht.