Weltvegantag

In Berlin sind Supermärkte für Veganer inzwischen Alltag

Am Sonntag ist Weltvegantag. In Berlin gibt es mittlerweile schon jede Menge tierfreie Angebote – sogar Fitnessstudios gehören dazu.

Neben Supermärkten gibt es in Berlin schon Hunderte andere vegane Angebote und Dienstleistungen

Neben Supermärkten gibt es in Berlin schon Hunderte andere vegane Angebote und Dienstleistungen

Foto: Marion Hunger

Umweltschutz, die eigene Gesundheit oder das Wohl der Tiere – Veganer haben verschiedene Gründe, auf tierische Produkte zu verzichten. Der Weltvegantag macht am 1. November auf diese Lebensweise aufmerksam. Der Vegetarierbund Deutschland (Vebu) geht hierzulande von 900.000 Veganern aus. Das entspricht zwar lediglich 1,1 Prozent der Bevölkerung. Fisch, Fleisch, Honig, Eier und Milch sind tabu: Veganer verzichten komplett auf tierische Produkte. Das hört nicht beim Essen auf: Immer mehr Dinge gibt es inzwischen ebenfalls gänzlich vegan. Ein Überblick zum Weltvegantag.

Supermärkte: Mit Veganz startete im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg vor einigen Jahren der erste vegane Supermarkt Deutschlands. Inzwischen können Tierfreunde auch in anderen Filialen der Kette in München, Leipzig oder Essen vegan einkaufen. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) verweist auf Daten der Gesellschaft für Konsumforschung: Demnach stieg der Umsatz mit Fleischersatzprodukten und pflanzlichen Brotaufstrichen von 2011 bis 2015 von 129 Millionen Euro auf 243 Millionen Euro. Einem BVLH-Sprecher zufolge sind die Steigerungsraten zwar hoch. Der Anteil der genannten Produkte am Lebensmittelumsatz liege aber lediglich bei 0,1 bis 0,2 Prozent.

Veganz in Berlin: Warschauer Straße 33 (Friedrichshain, Mo. – Sbd., 9–22 Uhr); Schivelbeiner Straße 34 (Prenzlauer Berg, Mo.–Sbd., 9 – 21 Uhr); Marheinekeplatz 15 (Kreuzberg, Mo.–Fr., 8–20 Uhr; Sbd., 8–18 Uhr).


Fitnessstudio: Dass Veganer im Fitnessstudio aufpassen müssen, erwarten wohl die wenigsten. Das "Berlin Strength" ist aber eine gänzlich vegane Muckibude. Das bedeutet: Trainingsgeräte ohne Lederbezug und Energieriegel mit Soja. Pulver für vegane Proteinshakes gibt es auch andernorts längst, wie in der Facebook-Gruppe "Vegan Strength" – einem Zusammenschluss veganer Sportler – nachzulesen ist.

Berlin Strength: Revaler Straße 99 (RAW-Gelände, Friedrichshain), täglich 12–22 Uhr, Tel. 0152/24584882.


Reisen: Auch Reisen lässt sich inzwischen vegan. Angebote, die nach Berlin führen, sind zum Beispiel unter www.veganes-reisen.de zu finden. In Köln werden Stadtführungen für Veganer angeboten. Die Sehenswürdigkeiten fallen etwas anders aus als bei einer klassischen Führung. Die Tour führt zu Restaurants, Lebensmittel- oder Klamottenläden. Das passt in den generellen Trend zu alternativen Stadtführungen fernab der klassischen Routen, den Tourismusbüros nach eigenen Angaben beobachten.

Stadtführungen im Internet: www.veganer-stadtfuehrer.de


Tattoostudio: Auch beim Tätowierer ist der Bedarf an Einrichtungen für Veganer zunächst nicht offenkundig. Allerdings kann etwa rote Farbe von Blattläusen kommen, und auch die Vaseline für die Haut ist nicht immer tierfrei. So etwas wird daher im Studio "Herr Fuchs und Frau Bär" vermieden, ebenso wie im "Little Bird Tattoo" in Berlin.

Herr Fuchs und Frau Bär, Senefelder Straße 9 (Prenzlauer Berg), Di.–Fr., 12–18 Uhr; Sbd., 12–16 Uhr, Tel. 030/88944325.

Little Bird Tattoo, Türrschmidtstraße 20 (Lichtenberg), Di.–Sbd., 12 bis 18 Uhr, Tel. 030/522 855 46.

Friseur: Ähnlich sieht es beim Friseur aus, wo Veganer sich vor Bienenwachs oder an Tieren getestetem Shampoo hüten müssen. Das Haarstudio Weinhönig in Berlin beispielsweise bedient diesen Markt. Wie viele Friseure das ähnlich halten, ist nach Angaben vom Zentralverband des Friseurhandwerks schwer zu sagen. Daten dazu lägen nicht vor.

Haarstudio Weinhönig, Kopenhagener Straße 75 (Prenzlauer Berg), Termine nach Vereinbarung, Tel: 030/85015976.
Hotel: Vegane Hotels sind dem Hotelverband Deutschland zufolge noch selten. In der Hauptstadt Berlin findet sich etwa das "Almodóvar Hotel" in Friedrichshain und das "Essentis Biohotel" in Treptow-Köpenick. Eines anderes war das "Veganalina" im westfälischen Hamm – mit Bettwäsche ohne Daunen und Seife ohne Tierversuche. Nun ist davon aber nur noch ein Café übrig, wie Betreiberin Alina Rüter sagt. An der Nachfrage habe es nicht gelegen – sondern daran, dass das Gebäude baufällig war. "Das Konzept funktioniert auf jeden Fall." Vebu-Geschäftsführer Sebastian Zösch bestätigt die Einschätzung: "Immer mehr Verbraucher legen Wert auf ein gutes vegetarisches oder veganes Angebot. Dadurch steigen auch die Anforderungen an Gastronomen und Hoteliers."

"Almodovar Hotel", Boxhagener Straße 83 (Friedrichshain), Tel: 030/692097080.

"Essentis Biohotel", Weiskopffstraße 16 (Treptow-Köpenick), Tel: 030/5300500.

Biergarten: Im veganen Biergarten "Wilder Hase im Nirgendwo" in Berlin sind Weißwurst und Brathähnchen tabu. Stattdessen gibt es tierfreie Brezeln mit Humus. Den Angaben zufolge ist er hierzulande noch der einzige seiner Art. Zumindest ein vegetarisches Pendant wurde aber in München gesichtet.

"Wilder Hase im Nirgendwo", Helsingforser Straße 10 (Friedrichshain, neben dem Berghain), Saison zu Ende.


Erotik: Sogar Kondome können tierische Bestandteile enthalten. Daher gibt es vegane Versionen.


Internet: Unter
www.berlin-vegan.de gibt es unter anderem eine interaktive Berlin-Karte mit veganen Einrichtungen.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.