Neubau

Brückenschlag an der Charité mit 100 Tonnen Stahl

Ein transparenter Neubau verbindet den alten Campus mit dem Bettenhochhaus. Die Sanierung liegt im Zeitplan.

Die zweistöckige Verbindungsbrücke ist seit Freitag eröffnet

Die zweistöckige Verbindungsbrücke ist seit Freitag eröffnet

Foto: Bernd Von Jutrczenka / dpa

Passt er durch oder bleibt er hängen? Das war am Freitag die Frage des Tages für die Charité-Verantwortlichen. Sie hatten extra einen BVG-Doppeldecker gechartert, um die offizielle Eröffnung der neuen Verbindungsbrücke zwischen dem Bettenhochhaus an der Luisenstraße in Mitte und dem Campus-Gelände des Universitätsklinikums auf der anderen Straßenseite zu feiern. Natürlich war ausreichend Luft nach oben, unter dem Applaus der Gäste fuhr der Große Gelbe souverän unter dem ansehnlichen Neubau durch.

Das ging mit dem Vorgängerbauwerk, das Ulrich Frei, der Ärztliche Direktor der Charité, durchaus treffend als „düsteren Klotz“ bezeichnete, mehr als 30 Jahre lang nicht. Die alte Brücke, 1982 erbaut, hatte zur Straßendecke nur eine lichte Höhe von 3,36 Metern – zu wenig für Doppeldecker der Verkehrsbetriebe und auch zu wenig für viele Lkw, die regelmäßig dort hängen blieben. Die neue bietet 4,30 Meter Durchfahrtshöhe, also fast einen Meter mehr. So war also die Sondertour des BVG-Busses am Freitag durchaus ein historischer Moment.

100 Tonnen Stahl und 400 Quadratmeter Glas

Im Mittelpunkt stand aber die Brücke selbst. Das zweistöckige Bauwerk mit der hellgrauen Aluminium-Glasfassade ist 9,80 Meter hoch, 3,60 Meter breit und hat eine Spannweite von 25,6 Metern. 100 Tonnen Stahl und 400 Quadratmeter Glas wurden verbaut, die Bauzeit betrug knapp elf Monate. Das Glas ist sechs Zentimeter dick, was vor allem dem thermischen Schutz geschuldet ist. Sonst würde sich die sehr transparent wirkende Brücke im Sommer über Gebühr aufheizen.

Die Brücke ist Teil des derzeit größten Bauprojekts des Universitätsklinikums. Es beinhaltet Sanierung und Modernisierung des Bettenhochhauses sowie einen Neubau für den zentralen OP-Bereich, die Intensivmedizin und die Rettungsstelle. 202,5 Millionen Euro sind dafür insgesamt veranschlagt. Die Arbeiten lägen im Zeit- und Kostenrahmen, betonte Karl Max Einhäupl, der Vorstandsvorsitzende der Charité.

Ulrich Frei hob den großen praktischen Nutzen der Brücke für Patienten und Mitarbeiter hervor. Während der Bauzeit mussten diese erhebliche Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, wenn etwa Patienten nur über Umwege von den Stationen zu OPs oder zur Radiologie transportiert werden konnten.

Eine Verbindung mit großer Symbolkraft

Einhäupl hingegen betonte die Symbolik der neuen Brücke. Diese verbinde nicht nur den Campus mit dem Bettenhochhaus und damit den historischen Teil des Universitätsklinikums mit der künftig modernsten Klinik der Stadt, sondern auch den Norden mit dem Süden Berlins. Das zielte auf die Freigabe der Luisenstraße: Mit der Eröffnung der Brücke konnte die fast einjährige Sperrung im Baustellenbereich aufgehoben werden. Die wichtige Nord-Süd-Verbindung ist nun wieder durchgängig befahrbar. Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD), die auch Aufsichtsratschefin der Charité ist, sprach von einem „Zeichen der Moderne“.

Christian Kilz, der Bauchef der Charité, erläuterte den Stand und die weiteren Schritte bei der Anfang vergangenen Jahres begonnenen Sanierung des Bettenturms. Die Fassade sei fast vollständig erneuert, die Entkernungsarbeiten im Inneren sowie die Stahlbauarbeiten abgeschlossen, so dass nun der Innenausbau des Gebäudes beginnen konnte. Der soll in den Etagen zehn bis 19 bereits Anfang kommenden Jahres abgeschlossen sein. Und der erste Kran könne in Kürze demontiert werden.

Neubau und Bettenhaus sollen 2016 eröffnet werden

Am Neubau des Traktes für OP-Säle, Intensivstationen und Rettungsstelle seien die Rohbauarbeiten sowie die Fenstermontage abgeschlossen, nun könne auch dort der sogenannte Feinausbau beginnen. Der Charité-Chef betonte, Neubau und Bettenhochhaus würden wie versprochen 2016 eröffnet werden, auf einen Monat oder gar Tag wollte sich Einhäupl aber auch am Freitag nicht festlegen.

Nach der Eröffnung wird es im Hochhaus sowie im Neubau insgesamt rund 600 Betten sowie weitere 30 Betten auf einer besser ausgestatteten Komfortstation geben. Es werden 334 Ein-, Zwei- und Dreibettzimmer eingerichtet. Alle Zimmer werden über ein eigenes Bad und einen elektrisch verstellbaren Sonnenschutz verfügen, jedes Patientenbett über ein Multimediagerät. Im fünfstöckigen Neubau werden 15 OP-Säle untergebracht, davon drei für ambulante Eingriffe. Für die Sanierung wurden 490 Betten aus dem alten Hochhaus verlagert

. Rund 340 Betten fanden in der Campus-Klinik Platz, dem Modular-Ersatzbau auf der westlichen Seite der Luisenstraße. 60 zogen ins Virchow-Klinikum der Charité in Wedding, 64 ins Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz, der Rest in Bestandsgebäude am Standort Mitte.

Deutliche Verbesserungen für die Fahrgäste der BVG

Die Freigabe der Luisenstraße erleichtert nicht nur Autofahrer, sie bringt auch Verbesserungen für Nutzer der BVG. Der Linienverkehr der Verkehrsbetriebe startet in diesem Bereich am kommenden Sonntag, 1. November. Die Buslinie 147 fährt wieder planmäßig von der Reinhardtstraße kommend über Luisen- und Invalidenstraße zum Hauptbahnhof und umgekehrt. Bedient werden die Haltestellen Schumann­straße, Charité-Campus Mitte, Invalidenpark sowie „S+U Hauptbahnhof“.

Der Flughafenexpress TXL erhält in beiden Richtungen künftig eine veränderte Streckenführung über Luisenstraße und Invalidenstraße. Im Bereich des Hauptbahnhofs wird nicht mehr der südlich gelegene Halt Washingtonplatz/Hauptbahnhof, sondern die nördlich gelegene Haltestelle „S+U Hauptbahnhof“ angefahren. Damit könnten Fahrgäste direkt vom TXL in die Straßenbahnlinien M5, M8 und M10 umsteigen.