Adventsvorbereitung

Berliner Weihnachtsmänner starten in die Saison

Die studentische Jobvermittlung „Heinzelmännchen“ hat eine Anwerbetour durch die Hochschulen gestartet. Gesucht werden Weihnachtsmänner, Engel und Christkinder, die an Heiligabend Berliner Familien besuchen. Auch in Flüchtlingsheimen will sich das Weihnachtsmannbüro engagieren.

Student Lennart Neums ist einer der Weihnachtsmänner, die wieder über das Studentenwerk Berlin für Auftritte im privaten Wohnzimmer gebucht werden können

Student Lennart Neums ist einer der Weihnachtsmänner, die wieder über das Studentenwerk Berlin für Auftritte im privaten Wohnzimmer gebucht werden können

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Draußen leuchtet das bunte Laub des Tiergartens in der Oktobersonne. Drinnen aber, hoch oben über der Stadt im Panorama Punkt am Potsdamer Platz, brennen bereits vier Adventskerzen, und aus einem halben Dutzend Kehlen tönt „Oh Tannenbaum“.

Bei der studentischen Jobvermittlung „Heinzelmännchen“ ist die Weihnachtszeit längst angebrochen. Ab Montag, dem 2. November, können Familien aus Berlin und dem Umland wieder Besucher aus der weihnachtlichen Legendenwelt buchen, um an Heiligabend auch szenisch für festliche Stimmung zu sorgen. Weihnachtsmänner und -engel, als Paar oder allein, machen seit 66 Jahren in Berliner Wohnzimmern ihre Aufwartung, singen mit den Familien und bringen den Kindern Geschenke.

Langjährige Erfahrung

Mit zum Team gehören seit dem vergangenen Jahr außerdem Christkinder: „Es gibt ja viele Berliner, die ursprünglich aus anderen Regionen zum Beispiel in Süddeutschland hergezogen sind und zu denen an Weihnachten traditionell das Christkind kommt“, sagte Lars Dassow, Projektleiter im Weihnachtsmannbüro des Studentenwerks Berlin, bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der diesjährigen Aktion.

300 studentische Darsteller hatten die Heinzelmännchen 2014 unter Vertrag. Den größten Anteil stellten mit 230 die Männer im roten Mantel und mit Rauschebart. Engel im weißen Kleid, mal mit Glitter mal im Haar, mal mit Goldkränzchen, treten wahlweise auch als Christkinder auf. Fünf mal übernahm die biblische Figur im vergangenen Jahr statt des Weihnachtsmannes die Bescherung. „Das wollen wir mindestens verdoppeln“, so Dassow. Etliche der Studenten haben bereits langjährige Erfahrung und sind auch in diesem Jahr wieder dabei.

Bewerber dringend gesucht

Gleich im ersten Semester, 2009, hatte der angehende Grundschullehrer Clemens Krapp die Weihnachtsmannaktion entdeckt. „Das ist der beste Job überhaupt“, sagt der 26-Jährige gebürtige Berliner. „Man bekommt nur positive Rückmeldungen und darf Geschenke überreichen, die man nicht einmal selbst besorgen muss.“ Seit dem vergangenen Jahr ist auch seine Freundin Luise Meyer mit von der Partie. Dass sie an Heiligabend wegen der Verpflichtung bei den Heinzelmännchen nicht bei ihren Eltern im mecklenburgischen Pasewalk sein kann, stört die 24-Jährige nicht. „Ab 22 Uhr spätestens feiern wir bei meinen Eltern in Lichtenberg, das ist völlig okay“, sagt Clemens Krapp.

Laut Dassows Leitungskollegen Özhan Bayraktar gibt es noch großen Bedarf an Bewerbungen für den Auftritt als Weihnachtsmann oder Engel. Auf 500 temporäre Lichtgestalten würde das Weihnachtsmannbüro die Zahl der Akteure gerne steigern. Schließlich waren die Termine für Heiligabend in der Vergangenheit meist schon Mitte Dezember ausgebucht. 2014 arbeiteten die Studenten allein am 24. Dezember etwa 3000 Aufträge ab und besuchten rund 5000 Kinder.

„Besuchszeit“ zwischen 15 und 20 Uhr

Gebucht werden können die feierlichen Auftritte allerdings nicht nur für den Heiligen Abend, sondern auch für Nikolaus- und Weihnachtsfeiern in Kitas, Vereinen oder Unternehmen während der Adventszeit. Abhängig von den Entertainer-Qualitäten der Bewerber sei dabei im Einzelfall auch mal eine Ausweitung der Dienstleistung zum Beispiel auf musikalische Beiträge möglich, so Dassow. An Heiligabend dagegen muss jeder Weihnachtsmann eine Tour mit zehn bis zwölf Aufträgen absolvieren. Da ist die Visite kurz, „aber es passiert unheimlich viel“, sagt Dassow. Ein Lied wird gesunden, aus dem goldenen Buch werden einige ausschließlich positive Leistungen der Kinder zitiert, Geschenke überreicht, „und auch der Weihnachtsbaum wird gelobt“, sagt Dassow und grinst ein wenig. Nach zehn bis maximal 15 Minuten zieht der Besuch weiter.

46 Euro kostet ein solcher Auftritt Berliner mit maximal drei Kindern, wenn nur der Weihnachtsmann oder das Christkind gebucht werden. Für bis zu zwei weitere Kinder kommt ein Aufschlag von 5 Euro hinzu. Soll neben den Hauptdarstellern auch ein Engel dabei sein, werden für das Gastspiel 82 Euro fällig. Im Umland erhöht sich der Preis wegen der längeren Wege um 10 Euro. 15 Prozent des Honorars gehen an das Studentenwerk, den Rest behalten die Darsteller. „Besuchszeit“ ist zwischen 15 und 20 Uhr.

Engagement in Flüchtlingsheimen

Bewerben können sich Studenten aus allen Hochschulen, „auch aus privaten Institutionen“, sagt Lars Dassow. Das Weihnachtsmannbüro hat bereits eine Anwerbetour gestartet. „Vor Kurzem waren wir in der Evangelischen Hochschule, da war die Begeisterung groß“, sagt Lars Dassow. Engagiert wurden in der Vergangenheit aber keineswegs überwiegend Studenten pädagogischer oder sozialer Fächer, wie sie in der Zehlendorfer Einrichtung gelehrt werden. Mehrere Jahre hat Viktoria Langer als Engel gedient, die im wahren Leben an der Technischen Universität Mathe studiert. Schwierig sei der Job dann gewesen, wenn die Erwachsenen nicht richtig mitspielten und die Stimmung aufgesetzt wirkte. „Aber meistens ist es schön“, sagt die 25-Jährige.

Neben der klassischen Weihnachtsmannaktion, die ihre Anfänge 1949 zunächst auf Initiative einiger Familien von in Berlin stationierten US-Soldaten genommen hatte, bietet das Weihnachtsmannbüro auch Kooperationen mit sozialen Projekten insbesondere in Flüchtlingsheimen an. 2014 seien in Zusammenarbeit mit „Moabit hilft“ bereits Süßigkeiten und gespendete Geschenke überbracht worden, sagte Lars Dassow. „Es ist selbstverständlich, dass wir dieses Engagement weiterführen wollen. Wir sind offen für Partner, die uns ansprechen und unsere Beteiligung suchen.“

Buchungen für die Weihnachtsmannaktion ab 2. November: Tel. 939 39-77 11 (Mo.–Fr. 9–19 Uhr) oder online über berliner-weihnachtsmann.de